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Ö/OÖ. Corona und die Teuerung stellen nicht wenige Menschen vor ausweglose Situationen – bis hin zum Wohnungsverlust. Die Initiative „zuhause ankommen“ der BAWO (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe) mit Beteiligung aus OÖ fängt diese auf. Die Mittel für das Projekt wurden vom Sozialministerium nun aufgestockt, wie Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) und BAWO-Obfrau Elisabeth Hammer am Donnerstag bei einem Linz-Besuch bekannt gaben.  

Die Initiative "zuhause ankommen" wird verlängert (Foto: Christopher Mavric)
  1 / 5   Die Initiative "zuhause ankommen" wird verlängert (Foto: Christopher Mavric)

„Das junge Paar in Klagenfurt mit Baby, der ältere Herr, der bis zum Tod seiner Frau im Pflegeheim mit ihr wohnte, dann alleine dastand, jetzt in einer oö. Kleinstadt wieder Anschluss hat, die Mutter, die zu Hause Gewalt erlebt und ihr Kind packt, bevor etwas Schlimmeres passiert“ … Viele Menschen befinden sich in solchen oder ähnlichen Situationen. Wievielte genau, weiß man nicht. Obdachlosigkeit ist schwer statistisch erfassbar. Rund 20.000 seien erfasst, die Dunkelziffer, „die versteckte Obdachlosigkeit ist aber viel höher“, weiß BAWO-Obfrau Elisabeth Hammer, dass gerade angesichts der aktuellen Krisen die Zahl noch höher wird. „Leistbares Wohnen ist mittlerweile eine existentielle Frage bis in die Mittelschicht“, so Hammer.

„Housing first“

Die Initiative „zuhause ankommen“ der BAWO vermittelt seit Herbst 2021 leistbaren Wohnraum für armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen, die auch in Folge der Covid-Pandemie ihre Wohnung verloren haben oder denen dieses droht – nach dem Prinzip „Housing First“. Vor einem Jahr wurde gestartet – jetzt geht es in die Verlängerung. Der Bund hat die Mittel für die Initiative aufgestockt, um 2,6 Millionen auf gesamt 5,2 Millionen Euro bis April 2023, wie Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) am Donnerstag bei einer Linz-Visite bekannt gab.

„Von den aktuellen Verwerfungen und multiplen Krisen ist ganz Europa betroffen, die Teuerung hat dramatische Auswirkungen auf die Gesellschaften. Menschen kommen in soziale Notlagen, die nie damit gerechnet hätten, dass sie in eine solche Lage kommen“, verdeutlicht Rauch. „Wohnen ist ein Grundrecht, Heimatort, Ort des Schutzes.“

602 Menschen bislang zu Hause gegeben

Seit Projektstart im Herbst 2021 konnten zumindest 602, davon 233 Kinder, „zuhause ankommen“, in 300 vermittelten Wohnungen, mit eigenem Mietvertrag, mit allen Rechten und Pflichten. Die Initiative unterstützt dabei finanziell, etwa bei Umzugskosten, bei der Vermittlung der Wohnung und im Anschluss – auf freiwilliger Basis – durch individuelle Betreuung.

Acht Organisationen in OÖ beteiligt

„zuhause ankommen“ ist ein Netzwerk aus Sozialorganisation in Österreich, koordiniert durch die BAWO. Dabei übernehmen die operative Umsetzung und Kooperation mit den Gemeinnützigen Bauträgern die Sozialorganisationen vor Ort. In Oberösterreich sind das acht von gesamt 24 in Österreich: das Sozialzentrum Vöcklabruck, die ARGE für Obdachlose Linz, die Caritas OÖ, Diakonie Linz, Soziales Wohnservice Wels, der Sozialverein B37, der Verein Wohnen Steyr und der Verein Wohnplattform.

Oberösterreich war von Beginn an dabei, mit der Verlängerung der Initiative wird auf alle Bundesländer ausgerollt.

Wohnraum von gemeinnützigen Bauträgern

50 gemeinnützige Bauvereinigungen stellen Wohnraum zur Verfügung. „Leistbaren Wohnraum ermöglichen ist die Kernaufgabe der gemeinnützigen Bauvereinigungen“, Finanzierungsbeiträge und Umzugskosten seien hier aber Hürden für einige Menschen. „Dieses Projekt kann helfen, diese zu überwinden“, so Herwig Pernsteiner, Obmann-Stellvertreter des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV).

Das Pilotprojekt zeigt bislang: Es ist ein Erfolg. Die Mietstabilität – drei Jahre nach Einzug wohnen die Personen immer noch dort – liegt außergewöhnlich hoch bei 95 Prozent.  

Aus Projekt soll Programm werden

Mit den nun aufgestockten Mitteln sollen bis zum vorläufigen Projektende im Frühjahr 2023 285 weitere Wohnungen vermittelt werden. Bis zu 1.100 Personen wird so im gesamten Projektzeitraum eine langfristige Wohnungsperspektive ermöglicht.

„Das Projekt hat Potenzial, zum Programm, eine nationale Strategie zu werden, das ist eine realisierbare Vision“, denkt Hammer an die Zukunft. Dafür brauche es den Bund, „aber auch die Länder und Gemeinden, die mitziehen.“


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