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LINZ/WOLFSBACH. Der gemeinsame Urlaub ist für viele Eltern wie auch Paare das Highlight im Jahr. Dementsprechend hoch ist die Erwartung, alles soll perfekt werden auch was die Harmonie anbelangt. Um dem Traumurlaub möglichst nahezukommen, hat Manuela Schauer, psychologische Beraterin (i.A.u.S.) mit Praxis in Linz und Wolfsbach, einige Tipps rund um die Ferien- und Reisezeit parat. Denn vieles hat man selbst in der Hand.

  1 / 2   Jeder hat es selbst in der Hand, den Urlaub zum Schönsten werden zu lassen. (Foto: Sunny studi/stock.adobe.com)

„Wenn wir Urlaub buchen, haben wir bestimmte Erwartungen. Wir sehen uns glücklich mit den Kindern am Strand sitzen und der Stress des Alltags entflieht. Damit ist schon der erste Schritt in Richtung Streit gemacht. Denn wenn sich unsere Vorstellung nicht erfüllt, ist Ärger vorprogrammiert“, erklärt Manuela Schauer.

Ihre Lösung: So wenig wie möglich planen, möglichst erwartungsfrei und flexibel in den Urlaub starten! Wenn wenig durchgeplant ist, darf passieren, was gerade passt. „Die Kinder wollen lieber im Frühstücksraum herumtoben, als am wunderschönen Meer zu sein? Statt ihnen das Meer aufzuzwingen, ist es besser, sie einfach mal machen zu lassen und gemütlich noch einen Kaffee zu trinken. Meistens sind gerade solche Situationen jene, an die sich die Kinder später im Leben mit einem Grinsen zurückerinnern.“

Einfach mal nichts tun

Ein Klassiker: Der Anspruch, alle Sehenswürdigkeiten abklappern zu wollen. Die Folge: Alle sind gereizt und gestresst. „Durch unseren durchgetakteten Alltag sind wir nicht mehr daran gewöhnt, nichts zu tun. Dabei ist einfach mal in den Tag zu leben eine super Möglichkeit, dem Alltagsstress zu entfliehen. Statt alles was geht, anzusehen, lieber mal ungeplant nichts tun und schauen, was passiert. Oft sind es genau diese Augenblicke, die den Urlaub unvergesslich machen.“

Um dem Stress schon vor der Abreise ein Schnippchen zu schlagen, rät Manuela Schauer, rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen: „Druckt euch Checklisten für den Kofferinhalt aus, sucht die Pässe schon zwei Wochen vorher und der Einkauf für die Abfahrt kann auch bereits einen Tag vorher erledigt werden. Je ruhiger die Atmosphäre bei der Abfahrt ist, desto entspannter ist der Einstieg in den Urlaub.“

Denn eines sollten Eltern nicht vergessen: Kinder spüren ihre Emotionen, und wenn die Eltern sie nicht ausleben können, dann übernehmen das die Kinder. „Gerade Stress überträgt sich fast 1:1 auf sie.“

Niemand muss perfekt sein

Trotz aller guten Vorsätze wird es dennoch mal zu Nörgeleien kommen. Denn kein Mensch kann immer lieb und brav sein und Kinder schon gar nicht. „Konflikte oder Emotionen sollen nicht runtergeschluckt werden. Alles hat Platz und wird gehört. Dann kommt es nie zu einer kompletten Explosion.“

Und auch wenn es beim Blick auf andere Eltern so erscheint, niemand ist perfekt. „Raus aus der Vergleichsfalle! Ihr gebt immer euer Bestes, das ist mal mehr und mal weniger, aber immer genug. Den Kindern darf auch gerne mal langweilig sein. Wir Eltern müssen nicht immer die lustigste Bespaßung parat haben.“

Geht es um Unternehmungen, rät Manuela Schauer zu einer Ferienwand: „Jeder darf seine Wünsche auf ein Post-it schreiben und wenn alle einverstanden sind, es aufhängen.“ Diese Unternehmungen können dann nach Wetter und Zeit ausgesucht werden.

Und wenn das Kind den lieben langen Ferientag nur am Handy hängt? „Macht euch bereits vor den Ferien einen Plan. Was ist zu tun? Wer hat welche Aufgaben und wie viel Bildschirmzeit darf jeder haben? Je besser dieser Plan, desto weniger Streit gibt es.“

Tipps für Paare

Von wegen die Kinder machen den Stress: Bei Paaren gibt es nicht weniger Konfliktpotenzial rund um den Urlaub.

Das beginnt schon bei der Planung. Sie will Entspannung, er Action. Unterschiedliche Vorstellungen sind normal, können aber rasch zum Konflikt führen, wenn keine Einigung in Sicht ist. Vielleicht kann man ja auch beides an einem Urlaubsort erleben?

Um entspannter in den Urlaub zu starten, rät die Expertin dazu, sich vor der Abreise einen zusätzlichen Tag daheim zu gönnen. „Durchatmen und in Ruhe alles vorbereiten wirkt Wunder und macht einen ganz anderen Start in den Urlaub möglich!“

So gefährlich höchste Erwartungen an Hotel, Essen und Strand sein können, so gefährlich sind sie auch an den Partner. Der eine sieht den Urlaub vielleicht als Chance, wieder intensivere Gespräche zu führen, der andere möchte aber entspannt lesen. „Gespräche, die im Alltag nie geübt wurden und stattgefunden haben, gehen im Urlaub nicht plötzlich leicht von der Hand.“ Ihr Tipp: Eine gute Beziehung braucht Kommunikation – bereits vor dem Urlaub.

Apropos Kommunikation

Manuela Schauer hat für Paare noch folgende Tipps parat:

Gemeinsam die Anfangszeit besprechen: „Dem Gehirn ist es egal, ob das Erlebnis gerade passiert ist oder wir nur daran denken. Glücks- und Bindungshormone werden auch ausgeschüttet, wenn wir gemeinsam über diese Zeit sprechen.“

Sich täglich Komplimente machen. „Warum du mir wichtig bist, warum ich dir dankbar bin. Im Alltag vergessen wir, uns das vor Augen zu führen und auszusprechen.“

Wieder mehr von den Dingen vom Beginn der Beziehung machen. „Ein morgendlicher Kaffee? Eine liebe WhatsApp? Macht wieder mehr davon. Auch im Urlaub.“


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