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"Hofer und dieser FPÖ-Typ" - Wahlwissen auf dem Prüfstand

Tips Jugendredaktion, Tobias Lindorfer, 01.09.2016 15:25

JUGENDREDAKTION. In ungefähr einem Monat geht das Duell Hofer - Van der Bellen in die zweite Runde – kaum ein Thema wurde in den letzten Wochen heftiger diskutiert. Aber wie steht es eigentlich um das Wissen der Oberösterreicher um das höchste Amt im Staate und die bevorstehende Wahl? Mittlerweile sollte ja jeder Bescheid wissen… oder doch nicht? Wir hörten uns auf der Linzer Landstraße um.

Die Linzer Landstraße. Foto: Weihbold
Die Linzer Landstraße. Foto: Weihbold

Eine kleine Anmerkung: Ganz bewusst erwähnen wir nur die Vornamen der Befragten. Dabei geht es uns nicht nur um den Personenschutz, sondern auch darum, nicht anhand von Angaben zu Alter und Wohnort Voreingenommenheit und Vorurteile entstehen zu lassen – es geht nur um die Aussagen, und nicht um die Personen.

Beginnen wir mit Basics: Wer ist denn eigentlich der aktuelle Bundespräsident? Oder gibt es wo möglich gar keinen? Leonie, Verena, Hermine und einige andere Befragte sind sich sicher: Heinz Fischer. Niklas, Paul und Maria glauben hingegen, dass Christian Kern dieses Amt innehat. Laut Konstanze ist es doch Werner Faymann. Wer hat jetzt Recht? Johannes kennt die richtige Antwort und bringt es auf den Punkt: „Derzeit homma kan.“

In der österreichischen Geschichte ist das derzeitige Interregnum nicht mehr als eine Fußnote – was zählt, ist die Situation nach dem 2. Oktober. Wen kann man da denn eigentlich wählen? „Robert Hofer, Faymann? – nein, Van der Bellen, Lugner, und irgenda Frau – die Griss“ behauptet Konstanze. German glaubt es besser zu wissen: „Hofer und dieser FPÖ-Typ.“

Namen sind Schall und Rauch! Wichtiger, als zu wissen, wer in der Hofburg sitzen könnte, ist doch zu wissen, wofür er zuständig ist. „Das Land nach außen repräsentieren und sichern, dass es den Leuten gut geht“, meint Leonie. Etwas radikalere Ansichten hat da David: „Ausländer weg!“ ist sein einziger Kommentar zu dieser Frage.

Nicht alle sind zufrieden mit dem, was der letzte Bundespräsident während seiner Amtszeit so tat. Viele wünschen sich, dass mehr passiert und sich endlich etwas ändert. Maria findet, er soll mehr für Österreich das sein und nicht nachplappern, was die anderen sagen. Leonie wünscht sich, dass das Miteinander mehr betont werden sollte. Laut Helmut sollte er mehr für die Österreicher da sein, nicht für die EU. Verena und Hermine möchten, dass er Bürokratie vereinfacht. Nur ein Befragter spricht sich dezidiert für eine Fortsetzung des bisherigen Kurses aus: „Ich bin mit Fischer sehr zufrieden, ein ähnlicher Kurs wäre prima, es sollte einfach so weitergehen, er soll das Land positiv vertreten“, sagt Simon.

Noch interessanter ist die Frage, was die Befragten selbst als Präsident verändern würden. Hier gehen die Meinungen weit auseinander: Georg würde sofort „nach Amerika reisen!“, Ingrid würde den „Konsens aller Bevölkerungsgruppen suchen“, Simon möchte „Gesetze erlassen, dass Rassismus nicht salonfähig wird, außerdem Populismus und Rechtsextremismus eingrenzen“. Maria sagt: „Ich würde öfter Bürger befragen, so wie in der Schweiz, Asylverfahren beschleunigen, Flüchtlinge früher arbeiten lassen.“ Helene würde etwas strenger vorgehen: „Die Minister zusammenrufen, ihnen sagen, dass sie nicht nur auf das Geld schauen, sondern endlich etwas tun sollen!“ Ganz eigene Pläne hat Veronika: „Die Macht an mich reißen, die Monarchie wieder einführen, mich zur Kaiserin krönen lassen und immer solche alten Sissi-Kostüme tragen!“. Bescheidener gibt sich da Johann: „Wir brauchen kan Bundespräsidenten, ich will ja selber kaner sein, weil wir ja kan brauchen!“

So einfach, wie es sich viele vorstellen, ist es leider doch nicht. Die Macht des Bundespräsidenten wird von vielen Seiten eingeschränkt. Gesetze, die anderen Parteien, der Verfassungsgerichtshof… Apropos: Wissen die Oberösterreicher eigentlich, wieso die Wahl wiederholt wird? Maria: „Weil es Ungereimtheiten bei der Stimmauszählung gab“, Lorenz hingegen: „Es gab keine absolute Mehrheit“. David meint: „Weil der Van der Bellen alle 15- und 16-jährigen angelockt hat.“ Dass man in Österreich bereits mit 16 Jahren wählen kann, hat sich anscheinend noch nicht ins allgemeine Bewusstsein durchgeschlagen; weiter verbreitet als dieses Wissen ist jedoch der Unmut über die Wiederholung. Die Verdrossenheit vieler Österreicher bringt Dietmar gut auf den Punkt. Laut ihm wird die Wahl wiederholt, „weil ma olle Idioten san“.

Abschließend stellten wir noch eine etwas vertiefendere, jedoch nicht weniger interessante Frage: Immer wieder wurde diskutiert, ob der Bundespräsident die AfD – sollte sie bei den Nationalratswahlen mehr als 50 Prozent erreichen – in einer Alleinregierung angeloben würde. Was meinen die Oberösterreicher? Kiara: „Sicher!“; Maria: „Warum nicht, sicherlich!“; Ramona: „Eigentlich nicht.“; Helene: „Nein.“; Raphaela: „Nein. Meine Intuition sagt nein.“ Die Meinungen sind gespalten. Darauf, dass die Alternative für Deutschland in Österreich gar nicht vertreten ist, kommen jedoch nur drei (!) der Teilnehmer.

Die Ergebnisse sind zugegeben ein wenig nüchtern. Aber bis zu Wahl ist es ja noch ein Monat – genug Zeit, um sich ausreichend zu informieren. Und wer weiß, vielleicht wird sie ja noch einmal wiederholt?


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