Neue Studie zur "Matura mit Lehre": Interesse steigt langsam
OÖ/LINZ. Um dem in Oberösterreich herrschenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzt die Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich (IWS) auf Maturanten. Eine aktuelle IMAS-Umfrage zeigt: Sieben Prozent der angehenden Maturanten sind „sehr interessiert“ an einer zusätzlichen praktischen Ausbildung.

Laut WKOÖ fehlen aktuell 30.000 Fachkräfte, Tendenz steigend. „Unternehmer klagen, dass sie Aufträge nicht abarbeiten können, weil ihnen das Personal fehle“, so IWS-Geschäftsführer Kurt Pieslinger. Gleichzeitig würden auch die Unis klagen, dass 36 Prozent der Studenten nicht abschließen – ein Verlust für die Volkswirtschaft.
Der IWS sieht in AHS-Maturanten und Studienabbrechern großes Potential, sie für eine Lehre begeistern zu können. Seit einigen Jahren wird die Lehrausbildung mit der Matura (“Lehre mit Matura“) verbunden, bzw. versucht man Maturanten für eine Lehrausbildung zu gewinnen (“Matura mit Lehre“). „Das duale Ausbildungssystem ist nachweislich mitverantwortlich für die geringere Jugend-Arbeitslosigkeit“, so IWS-Vorstandsmitglied Roman Obrovski.
„Matura mit Lehre“ noch viel Luft nach oben
Mit Stichtag Ende Juni 2019 befinden sich in Oberösterreich 2.561 Personen im Modell „Lehre mit Matura“, die „Matura mit Lehre“ hat aber noch viel Luft nach oben. Aktuell 34 Personen nutzen das Angebot der „Dualen Akademie“ der WKOÖ, eine vollständige Übersicht aller Maturanten, die in Oberösterreich eine Lehrausbildung machen, gibt es aber nicht.
Neue Studie
Nach 2014 wurde jetzt erneut eine IMAS-Umfrage durchgeführt, um die Einstellung der AHS-Schüler zu diesem Thema zu erheben.
Das Ergebnis: Sieben Prozent der Befragten sind sehr, 16 Prozent einigermaßen interessiert. 2014 waren es noch vier Prozent sehr interessierte und acht Prozent einigermaßen interessierte. „Die Umfrage zeigt, dass sich hier eine Einstellungsänderung abzeichnet“, erläutert IMAS-Geschäftsführer Paul Eiselsberg.
Angehende Maturanten geben die Eigenschaften Fleiß, Pünktlichkeit, Allgemeinwissen, Kreativität, Ausdauer und Genauigkeit am häufigsten bei ihren Stärken an. Technisches Verständnis, ausgeprägtes soziales Wissen oder kaufmännisches Geschick werden hingegen selten genannt. „Das ist insgesamt gefährlich für den Standort“, so Eiselsberg.
Jeder zweite Befragte sei überzeugt, dass der bevorstehende Fachkräftemangel übertrieben dargestellt werde, so Eiselsberg. „Die Maturanten sind sich ihrer Rolle und der aktuellen Situation noch nicht bewusst.“
Lehrberuf verändert sich
Zwar habe die Lehre immer noch ein Imageproblem, die Vorteile einer Lehrausbildung liegen für Pieslinger und Obrovski aber auf der Hand: Sichere Beschäftigung, schon früh ein Einkommen, auch die Lehrberufe hätten sich verändert, es sei nicht mehr nur der Maurer sondern jetzt Elektroniker, Softwaretechniker oder Logistikmanager. „Der Lehrberuf hat sich verändert, das ist in den Köpfen aber noch nicht angekommen“, so Pieslinger. Ein Vorteil der Matura mit Lehre ist zudem die verkürzte Lehrzeit.
Schon früh informieren
Um das Modell „Matura mit Lehre“ stärker zu verbreiten, müsse schon früher angesetzt und bereits 13 bis 16-jährige verstärkt darüber informiert werden. Auch wird, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken gefordert, Asylwerbern mit Lehrabschluss eine Aufenthaltsbewilligung zu gewähren und die Studiengebühren wieder einzuführen, um Leerläufe an den Unis zu verringern.


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