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1,15 Milliarden Euro Veranlagungsverluste von privaten Pensionskassen: "Die Verlierer sind die Versicherten"

Valerie Himmelbauer, 24.09.2019 14:21

LINZ. Die AK OÖ fordert strengere Regulierungen, die das Veranlagungs- und Verlustrisiko von privaten Pensionsversicherungen minimieren sollen: „Denn die Verlierer sind die Versicherten, sie tragen das Risiko“.

AK fordert Wertsicherung von bertrieblichen und privaten Pensionen Foto: Matej Kastelic/shutterstock.com

Im Vorjahr produzierten die für die Firmenpensionen zuständigen fünf überbetrieblichen, privaten Pensionskassen 1,15 Milliarden Euro Veranlagungsverluste auf Kosten von fast einer Million Versicherten: Doch während die Betriebspensionen gekürzt werden, haben die Betreiber der Pensionskassen zwölf Millionen Euro Gewinn gemacht. „Überschüsse dürfen nicht automatisch in Gewinne und Dividenden transformiert werden. Pensionskassen, Versicherer und Banken müssen wertgesicherte Pensionsleistungen garantieren können“, fordert AK-Präsident Johann Kalliauer in Bezug auf Betriebspensionen und prämienbegünstigte private „Zukunftsvorsorge“. 959.000 Österreicher sind momentan im privaten Pensionskassensystem anwartschafts- und leistungsberechtigt, das sind 22 Prozent der Arbeitnehmer. Im Vorjahr haben die vier betrieblichen und fünf überbetrieblichen Pensionskassen eine negative Bruttorendite von minus 5,17 Prozent erwirtschaftet, rechnet man die Inflationsrate dazu ist das sogar ein Wertverlust von minus 7,17 Prozent. 

Trotz Veranlagungsverlusten hohe Gewinne

Wie können dann die Pensionskassen trotz der Veranlagungsverluste dennoch hohe Gewinne machen? Sie greifen auf das Vermögen der Beitragszahler zu, schmälern dieses noch einmal (neben den durch Veranlagung erzielten Verlusten) und bringen so den Aktionären Renditen. Das Ganze wird unter dem Titel „Vergütung zur Deckung der Betriebsaufwendungen“ verbucht und macht allein bei den überbetrieblichen Pensionskassen für das Jahr 2018 mehr als 72 Millionen Euro aus. Diese 72 Millionen fehlen natürlich im Vermögen und sorgen für weitere Pensionskürzungen. 

„Von Anfang an eine Enttäuschung“

„Die Privatisierung der Renten war für uns von Anfang an eine Enttäuschung. Die Entwicklung war für uns keine Überraschung. Der einzige Gewinner ist die Börse. Die nach oben hin offene Kostenstruktur ging an den Interessen der Konsumenten vorbei. Und die fehlende Transparenz ist zusätzlich zu bemängeln“, kritisiert Ulrike Weiß, die Leiterin des AK Konsumentenschutzes und betont: „Dass das kein wirklich tolles Produkt ist sieht man auch daran, dass es heute nur mehr eine handvoll Anbieter gibt, die diesen Vertrag anbieten. Wir fordern deshalb ein einfaches, transparentes, kostengedecktes Produkt, das einen Zugriff auch in Notsituationen erlaubt und garantierte und wertgesicherte Renten. Sowie eine strengere Regulierung, die das Veranlagungsrisiko für Berechtigte minimiert, bei den Pensionskassen. Und wir geben zeitgleich einen Appell an den Gesetzgeber: Als Gesetzgeber habe ich die Verantwortung, dass, wenn ich ein Produkt habe, dass ich fördere, es auch ein gutes Produkt anbieten soll“.

Giftcocktail für die Betroffenen

„Das ist ein Giftcocktail für die Betroffenen. Es wird mit der Angst gespielt, und mit der Verunsicherung - dass es später einmal keine Pensionen mehr geben wird - damit werden Geschäfte gemacht“, fasst AK-Präsident Johann Kalliauer zusammen. Die prämienbegünstigte private Pensionsvorsorge (PZV) wurde 2003 mit einer staatlichen Förderung in Höhe von 9,5 Prozent eingeführt. Sie wurde mit Kapitalgarantie und steuerlichen Vorteilen ausgestattet und sollte für hohe Renditen sorgen, was wesentliche Entscheidungskriterien für die Konsumenten darstellen. Diese Vorteile wurden jedoch sukzessive gekappt. Seit dem Jahr 2012 beträgt der Fördersatz nur mehr 4,25 Prozent. Wesentliche Nachteile sind zudem nur zwölf Rentenzahlungen im Jahr (im Gegensatz zu 14 Auszahlungen bei der freiwilligen Höherversicherung) und die fehlende Rentendynamisierung in der Auszahlungsphase (wie bei der gesetzlichen Pensionsversicherung).


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