Stadtbahn und O-Bus-Achse: Land OÖ und Stadt Linz ziehen für Öffi-Offensive an einem Strang

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Jürgen Affenzeller Jürgen Affenzeller, Tips Redaktion, 21.08.2020 12:31 Uhr

GROSSRAUM LINZ. Zwei neue Stadtbahnen und zwei neue O-Bus-Linien, die Urfahr über den Hafen mit Ebelsberg und Pichling verbinden - für diese Vorhaben hoffen Stadt Linz und Land OÖ bei Verhandlungen in Wien auf die Freigabe von Bundesmitteln. Das Vorprojekt für die neue Stadtbahn nach Gallneukirchen/Pregarten soll noch 2020 ausgeschrieben werden.

Das bestehende S-Bahnnetz soll von fünf auf sieben Linien erweitert werden, die zwei neuen Stadtbahnen (S6 und S7) führen vom Pendler-Hotspot Mühlviertel direkt zur markanten, innerstädtischen Zielpunkten. Durch ein dichteres Haltestellennetz der neuen O-Bus-Linien 46 und 47 sowie der neuen Buslinien 13 und 14 wird eine deutlich bessere ÖV-Abdeckung geschaffen. Die neuen Linien verbinden Urfahr über den Hafen mit Ebelsberg und Pichling. „Dieses Projekt ist ein verkehrspolitischer Meilenstein und wird Pendlern eine attraktive Alternative zum Auto bieten“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer am Freitag bei der Präsentation der Pläne in Linz. Er ergänzt: „Ich bin zuversichtlich, bei Verhandlungen mit dem Bund gute Ergebnisse für diese Vorhaben zu erzielen.“

In einer Viertelstunde vom Hauptbahnhof bis zur JKU

„Wer rund eine Viertelstunde vom Hauptbahnhof zur JKU benötigt, braucht nicht lange zu überlegen, welches Verkehrsmittel er dafür wählen wird“, hebt Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner die attraktiven Reisezeiten mit der Stadtbahn hervor. Er weiß: „Die Hausaufgaben sind gemacht und kurz vor der Abgabe. Dann ist sprichwörtlich der Bund am Zug.“

Luger: „Wir haben ein Anrecht auf Bundesmittel“

Das Linzer Stadtoberhaupt Klaus Luger verweist auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Stadt und Land mit dem Bund: „Linz ist das WIrtschafts- und Exportzentrum Österreichs mit der höchsten Wertschöpfung. Um weiterhin wirtschaftlich stark zu bleiben, benötigen wir den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, um unsere ambitionierten Klima-Ziele zu erreichen. Wir haben dafür ein Anrecht auf Bundesmittel.“ Luger erhofft auch auf Linzer Gemeinderats-Ebene einstimmige Beschlüsse zur Umsetzung dieser Pläne.

Der weitere Fahrplan

Ziel ist, dass bald alle offenen Finanzfragen geklärt werden und eine Absichtserklärung von Stadt, Land und Bund unterzeichnet werden soll. In mehreren Verhandlungsterminen werden mit Bundesministerin Leonore Gewessler (Grüne) finanzpolitische Details geklärt. „Wichtig ist, dass hier Land und Stadt an einem Strang ziehen und sich einig sind“, betonen Stelzer, Steinkellner und Luger.

Darüber hinaus soll noch 2020 das Vorprojekt für den Abschnitt S7 Urfahr-Ost bis Gallneukrichen/Pregarten ausgeschrieben werden. Die Ausschreibung der spezifischen Fahrzeuge, der sogenannten TramTrains, die künftig auf den neuen Trassen verkehren sollen, erfolgte bereits Anfang August.

Rund 650 Millionen Euro Kosten

Die erste Kostenschätzung beziffert Landeshauptmann Thomas Stelzer auf 650 Millionen Euro, Günther Steinkellner ergänzt: „Gemeinsam mit anderen Projekten wie der Verlängerung der Straßenbahn nach Kremsdorf und der LILO-Einbindung nach Aschach kommen wir auf etwa eine Milliarde Euro für den öffentlichen Verkehr.“

Die Trassenplanung

Künftig soll die S6 Mühlkreisbahn vom Mühlkreisbahnhof in Urfahr über den Nahverkehrsknoten Urfahr Ost beim Gasthaus Lindbauer fahren und auf der Neuen Eisenbahnbrücke die Donau überqueren. De Donaulände / Hafenstraße wird auf einer Überführung gekreuzt, bevor die Trasse unterirdisch weitergeführt wird. Die Haltestellen Kepler Uniklinikum und Europaplatz werden unterirdisch angefahren, bevor die neue S-Bahn-Linie wieder auftaucht und in das bestehende Schienennetz der ÖBB integriert wird und zum Hauptbahnhof weiterführt.

Die S7 aus Richtung Gallneukirchen verläuft entlang des Donaudammes, bevor sie beim Knoten Urfahr Ost entland derselben Trasse, auf die bereits die S6 geführt wird, einbindet.

Severin Mayr: „Oberösterreich muss jetzt rasch liefern“

„Der Neuigkeitswert der präsentierten Informationen hielt sich in Grenzen“, merkte der Grüne Verkehrssprecher LAbg. Severin Mayr in seiner Reaktion auf die Präsentation an: „In keinem Land ist der Widerspruch zwischen regelmäßig stattfindenden Ankündigungen einer baldigen ÖV-Offensive und dem tatsächlichen Stillstand beim Ausbau von Bim und Bahn so eklatant, wie in Oberösterreich. Die politisch Verantwortlichen sind in OÖ bis dato regelmäßig daran gescheitert, angekündigte ÖV-Projekte zur Baureife zu bringen. Mutige Entscheidungen gab es nur, wenn es darum ging, Autobahnprojekte zur Umsetzung zu bringen. Während hier Milliarden vergraben und verbetoniert werden, sucht man in OÖ die Bagger auf Schienenbaustellen vergebens.“

Der grüne Verkehrssprecher weiter: „Viele Pendlerinnen und Pendler wollen den täglichen Staus im Großraum Linz entkommen und wären längst bereit umzusteigen, wenn attraktive Alternativen vorhanden wären.“ fordert Mayr nun raschest in die Umsetzung zu kommen und erinnert die verantwortlichen Verkehrspolitiker in Stadt und Land daran, dass OÖ jetzt rasch liefern muss: „Die Bundesregierung wird die klimafreundliche Mobilität vorantreiben und hat daher zugesagt den Ländern beim Ausbau des öffentlichen Regionalverkehrs kräftig unter die Arme zu greifen. Entscheidend für den Erfolg ist nun, dass Oberösterreich rasch seine Hausaufgaben fertig macht und zeitnah endlich ein baureifes Projekt auf den Tisch legt.“

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