Technische Uni für Oberösterreich: Standort weiter unklar - Leonding bewirbt sich nicht (UPDATE 19. Oktober, 16.30 Uhr)

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Anna Stadler Anna Stadler, Tips Redaktion, 19.10.2020 16:36 Uhr

OÖ/LINZ. Oberösterreich bekommt, wie berichtet, eine neue Technische Universität. Bundeskanzler Sebastian Kurz, Bildungsminister Heinz Faßmann, Landeshauptmann Thomas Stelzer und JKU-Rektor Meinhard Lukas haben heute in Linz vor Presse die nächsten Schritte präsentiert. Wo die neue Uni ihre Heimat findet, ist weiter offen. Leonding ist jedoch aus dem Rennen, so die Leondinger Bürgermeisterin auf Anfrage von Tips (UPDATE: 19. Oktober, 16.30 Uhr).

Oberösterreich bekommt eine Technische Universität (TU). Bundeskanzler Sebastian Kurz und Landeshauptmann Thomas Stelzer (beide ÖVP) sprechen dabei von einem „historischen Schritt“. Das Bildungsministerium wird nun eine Vorbereitungsgruppe starten, die zentrale Fragen erarbeitet und offene Punkte für den universitätspolitischen Rahmenplan klärt. In der Gruppe finden sich Vertreter von Ministerium, Land Oö, JKU, Kunstuni Linz, FH OÖ, Wissenschaftsrat, Wirtschaft und Industrie.

Standort weiter offen

Wo die neue Uni tatsächlich dann ihren Standort findet, soll diese Vorbereitungsgruppe klären. Neben Linz gibt es auch Vorschläge wie Wels oder Leonding. „Man muss beachten, welche Voraussetzungen eine erfolgreiche Universität braucht“, so Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Dennoch sollte die Entscheidung wo die neue Universität beheimatet sein wird in den nächsten Monaten fallen. „Das wird sicher dieses Wintersemester oder im Sommersemester nächsten Jahres entschieden sein.“ Ebenso entscheiden sollen die Experten über den Namen, die Studierenden-Kapazität, die Finanzierung und den grundsätzlichen rechtlichen Rahmen. „Wir konzipieren erst, dann werden die Ressourcen berechnet.“ Die Mittel, die die neue Technische Universität braucht, werde jedoch nicht zu lasten der Finanzierung bestehender Universitäten gehen.

UPDATE (19. Oktober): Leonding aus dem Rennen

„Wir brauchen ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt Digitalisierung in Leonding. Am Harter Plateau ist die Infrastruktur dafür optimal. Die Standortentscheidung treffen Bund und Land, weshalb wir unsere ganze Energie darauf konzentrieren, ein Konzept zu erarbeiten, das die Entscheidungsträger auch inhaltlich überzeugt. Wir haben großes Interesse daran, mit einer künftigen technischen Uni zusammenzuarbeiten, um die Durchgängigkeit des Systems zu gewährleisten. Für einen Standort in Leonding werden wir uns aber nicht bewerben, darauf haben wir uns politisch bereits verständigt“, so die Leondinger Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek.

Kein „Mini-Silicon-Valley“

Der inhaltliche Schwerpunkt der neuen TU wird auf dem Gebiet der Digitalisierung liegen. Soziale und kulturelle Aspekte sollen jedoch mitgedacht werden. „Wir wollen uns interdisziplinär aufstellen“, erklärt Faßmann. „Digitalisierung ist viel mehr als eine technische Innovation“, bekräftigt auch JKU-Rektor Meinhard Lukas, der Mitglied der Vorbereitungsgruppe ist. „Es geht nicht um die Kopie eines Silicon Valley im Mini-Format.“ Dennoch soll die neue Universität internationale Strahlkraft haben. „Es wird wohl so sein müssen, dass die Arbeits- und Umgangssprache Englisch sein wird“, so Stelzer.

Start 2023/24 schon im Studienjahr

2023/24 soll der Studienbetrieb an der neuen Uni aufgenommen werden. „Die ersten Studierenden sollen noch innerhalb dieser Legislaturperiode die Universität betreten können“, so Faßmann. Zuvor wird auch eine Konzeptgruppe mit den besten Forschern im Gebiet der Informatik geben, im nächsten Jahr ein Gründungskonvent die Arbeit aufnehmen.

Die Reaktionen (UPDATE 13.Oktober):

Luger: Linz optimaler Standort

Enttäuscht zeigt sich heute der Vorsitzende des oberösterreichischen Städtebundes, der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ), nach der Pressekonferenz von Bund, Land und Johannes-Kepler-Universität zur geplanten Technischen Universität. „Nach wie vor ist beinahe alles unklar. Die Ankündigungspolitik steht bislang leider im Vordergrund. Beim abermals avisierten Gründungskonvent geht es darum, dass im Vorfeld, also ab jetzt, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Arbeiterkammer sowie Städte- und Gemeindebund eingebunden werden“, so das Linzer Stadtoberhaupt. „Ich hielte es für klug, hier keinen Wer-bietet-mehr-Wettbewerb stattfinden zu lassen, sondern gemeinsam zu entscheiden, welcher Standort den größten Mehrwert für die Wissenschaft und das Land bringt“, meint Bürgermeister Klaus Luger. Mit seiner Digitalisierungs-Offensive leiste Linz einen Beitrag, Rahmenbedingungen für eine zukunftsorientierte Ausrichtung zu schaffen. Daher sieht das Linzer Stadtoberhaupt die Landeshauptstadt selbstverständlich als am besten geeigneten Standort für eine neue, technische Universität. „Wir scheuen allerdings den Vergleich mit anderen Gemeinden nicht. Es sollte nur kein ressourcenvernichtender Wettbewerb daraus werden.„

Zudem Kritisiert der Linzer Bürgermeister das bisherige Vorgehen: „Der jetzige parteipolitische Alleingang der ÖVP-Regierungs-spitze ist für ein Projekt, das einen gemeinsamen Kraftakt benötigt, nicht sehr dienlich“.

Güne sprechen sich ebenfalls für Linz aus

Ebenfalls für den Standort Linz sprechen sich die Grünen aus: „Der JKU Campus ist der ideale Standort für die neue Technische Universität. Daher wollen wir Grüne, dass nun rasch die Entscheidung für diesen Standort getroffen wird. Je schneller es klare Positionierungen und eine Entscheidung gibt, desto früher kann die Realisierung der TU in Linz angegangen werden.  Denn eine jahrelange Diskussion bedeutet große Unsicherheit und Ungewissheit“, so Klubobmann und Bildungssprecher Gottfried Hirz.

Lob gibt es für die Finanzierungszusage: „Das heutige klare Bekenntnis zur TU in Oberösterreich, insbesondere die Zusage, dass die neue TU budgetär nicht zulasten der bestehenden Unis gehen wird, sondern zusätzlich budgetiert wird, ist sehr zu begrüßen“, so Hirz. „Denn die Pläne bestehender Universitäten und Fachhochschulen dürfen nicht beschnitten werden, Forschungseinrichtungen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es ist eine Chance für die JKU das geisteswissenschaftliche und pädagogische Angebot weiter auszubauen.“

Wirtschaftskammer erfreut

„Diese Technische Universität ist nicht nur wichtig für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, sondern auch für Wertschöpfung, Produktivität, Innovationsfähigkeit und Internationalisierung — mit einer Strahlkraft über Oberösterreich und Österreich hinaus“, ist WKOÖ-Präsidentin Hummer überzeugt. Vonseiten der WKOÖ werde es für diesen ambitionierten Fahrplan jedenfalls vollste Unterstützung geben. „Wir werden auch unsere Expertise einbringen, damit aus der Technischen Universität ein Exzellenzzentrum mit Strahlkraft für Studierende und Forschende aus aller Welt wird“, so die WKOÖ-Präsidentin.

Linzer FPÖ Vizebürgermeister Hein enttäuscht

Medienwirksam hat die ÖVP-Führungsriege rund um Bundeskanzler Sebastian Kurz und Landeshauptmann Thomas Stelzer zum zweiten Mal ihre Pläne für eine ‚Technische Universität‘ Linz präsentiert. Es steht somit lediglich fest, dass noch nichts feststeht, berichtet enttäuscht Vizebürgermeister Markus Hein: „Es gibt keine Details und keine Finanzierungskonzepte. Wenn eine TU Linz ernsthaft geplant sein sollte, dann müsste doch schon mehr Substrat vorhanden sein. Es hätte auch schon Gespräche mit den zuständigen Stellen in der Stadt Linz gegeben. Diese gab es aber bis jetzt nicht. Wie soll also noch in dieser Legislaturperiode (Bund) der erste Student – so wie Minister Faßmann angekündigt hat – die neue TU Linz betreten? Ich werde den Eindruck wirklich nicht los, dass es sich bei der TU Linz um einen schwarz/türkisen Wahlkampfschmäh – der nicht einmal gut vorbereitet ist - handelt, der Landeshauptmann Stelzer in Position bringen soll.“

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