Langer-Weninger: „Wenn die Gesellschaft den Wolf haben will, braucht es den richtigen Rahmen“

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 21.10.2020 17:56 Uhr

OÖ. Ein Thema, das die Landwirtschaft aktuell stark beschäftigt, ist die Wolfsproblematik. Für ein konfliktfreies Miteinander fordert die Landwirtschaftskammer OÖ (LK OÖ) Weideschutzzonen sowie die Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Der Abschuss von Problem-Wölfen müsse erlaubt werden. Die Grünen OÖ sprechen sich hier dagegen aus.

„Die Wolfsdichte in den Nachbarländern steigt, in den nächsten Jahren wird daher auch in großen Teilen Österreichs mit mehr Wolfspräsenz zu rechnen sein“, so LK OÖ-Präsidentin Michaela Langer-Weninger. „Wir beobachten die Situation seit Jahren und weisen auch seit langem darauf hin“, so auch Johann Feßl, Obmann des Vereins OÖ Alm und Weide.

Vermehrt Wolfsrisse in OÖ 2020

2020 kam es nach längerer Ruhe im Süden Oberösterreichs wieder zu Wolfsrissen – „wie sich herausstellte nicht durch einen einzelnen Wolf, sondern durch mindestens zwei, wenn nicht mehrere“, so Feßl.

Laut Wolfs-Management des Landes OÖ gab es in Oberösterreich heuer sechs offiziell bestätigte Fälle von Wolfsrissen mit acht getöteten Tieren, darunter Wildtiere und Nutztiere. „Es gibt aber eine hohe Zahl ungeklärter Fälle, wo nicht mehr nachweisbar ist, wer der Verursacher ist“, erläutert der Wildschadensberater der LK OÖ Wolf-Dietrich Schlemper.

Johann Feßl spricht von geschätzt einigen Dutzend Wölfen in Österreich, „die Zahl ist aber wohl höher.“ Langer-Weniger verweist hier auch auf jenen Wolf, der in der Gemeinde Münzkirchen im Bezirk Schärding tot aufgefunden wurde - Tips hat berichtet. „Wie sich herausstellte, kam er aus Italien. Hier ist auch nirgends aufgeschienen, dass der in Österreich ist.“ Für Feßl der Beweis, „dass die Natur viel mehr verbirgt, als wir glauben, auch viel mehr Wölfe.“

Das Problem seien aber weniger die einzeln durchziehende Wölfe, Feßl warnt vor Rudelbildungen. „Es wird nicht mehr lange dauern, bis es zu einigen Rudelbildungen kommt, dann wird der Druck auf die Weidehaltung viel höher. Dann geht das Problem erst richtig los.“

Geht auch um Folgewirkungen

Es gehe beim Problem der Wolfsrisse auch nicht um das eine gerissene Tier – sondern um die Folgewirkung auf die Herde. „Die wird zerrissen, die Tiere befinden sich, wenn ein Wildtier angreift, im Überlebenskampf, Muttertiere verstoßen die Kälber und vieles mehr passiert“, erläutert Langer-Weninger das große Problem für die Landwirtschaft.

Gerade die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Oberösterreich brauche ein konfliktfreies Auskommen, die Bauern und vor allem Weidehalter brauchen Sicherheit, so die LK OÖ-Präsidentin.

 „Abschuss muss erlaubt werden“

Daher fordert die LK OÖ eine Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen, um die Weidehaltung weiter zu gewährleisten. „Wenn die Gesellschaft den Wolf haben möchte und auch weiterhin eine artgerechte Weidehaltung sowie eine Almbewirtschaftung, dann muss auch die Erlegung von Wölfen akzeptiert werden“, so Langer-Weninger.

Die LK OÖ fordert ein Verfahren, bei dem beim Auftreten von Problemwölfen rasche Reaktionen möglich sind. Das zuständige Bundesministerium für Klimaschutz wird aufgefordert, sich bei der Europäischen Kommission für EU-weite rechtliche Voraussetzungen für ein aktives Wolfs-Management einzusetzen und dafür die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie entsprechend anzupassen. Denn der Wolf könne mittlerweile nicht mehr als bedrohte Tierart angesehen werden, weil es in Europa eine gesicherte Population mit mehr als 20.000 Wölfen gibt. 

Weideschutzzonen als „wolfsfreie Zonen“ sollen eingerichtet werden können, in denen Problem-Wölfe bejagt werden dürfen. Viele würden fordern, den Wolf zu schützen – „vor allem jene, die nicht damit leben und arbeiten müssen“, andererseits werde flächendeckende, traditionelle Weide- und Almwirtschaft auch für den Tourismus gefordert. Dieses gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Interesse dürfe dem Schutz des Wolfes nicht untergeordnet werden. „Niemand aber spricht sich für die Ausrottung des Wolfes aus“, so Langer-Weninger. 

Herdenschutz mittels Zaun nicht möglich

Viele Wolfsbefürworter würden auch Zäune zum Schutz der Herdentiere fordern. Im Gelände mit Hangneigung und in höherliegenden Gebieten sei der Schutz der Viehherden mittels Zaun nicht möglich. Wenn, dann bedeute das massiven Aufwand. „Bei geschätzten 1.400 Kilometer Alm-Außengrenzen in Oberösterreich rechne ich mit Investitionskosten von rund acht Millionen Euro. Die Lebensdauer eines Zauns im Hochgebirge ist mit weniger als fünf Jahren zu kalkulieren. Der Arbeitsaufwand ist für unsere Almbauern nicht bewältigbar“, so Obmann Johann Feßl. Zudem wären Zäune Barrieren für Wildtiere wie auch für Wanderer.

Grüne OÖ: Keine Zustimmung zu Wolfsabschüssen im Nationalpark 

Gefragt sei ein funktionierendes Wolfsmanagement - statt Abschüssen müsse es mehr Unterstützung der Politik für Landwirte und Nutztierhalter geben, reagieren die OÖ Grünen auf die Forderung der LK OÖ. „Bei allem Verständnis für die Sorgen der Almbauern, aber um ihre Nutzziere zu schützen, gibt es andere Instrument als zur Flinte zu greifen. Von den Grünen gibt es keine Zustimmung zu Wolfsabschüssen im Nationalpark“, so Klubobmann Gottfried Hirz.

Statt einer Aufweichung des Wolfsschutzes müsse die Politik Maßnahmen setzen, darunter ein engagierter, von der öffentlichen Hand mitfinanzierten Herdenschutz, ein regelmäßiges Monitoring über die Verbreitung des Wolfs und eine dauerhafte Information und Beratung der Weidetierhalter und auch der breiten Bevölkerung über die Verhaltensweisen der Wölfe.

„Herdenschutzmaßnahmen bieten keinen vollkommenen Schutz, verringern aber Schäden deutlich. Der höhere Material- und Zeitaufwand dafür muss den Nutztierhaltern durch die öffentliche Hand großzügig abgegolten werden“, betont Hirz.

Haimbuchner will für alle Seiten verträglichen Ausgleich

Einen Schwerpunkt zum Thema Wolf setzte Naturschutzreferent LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner auch Anfang Oktober bei der Landesnaturschutzreferentenkonferenz. „Für mich ist es wichtig, in der Frage des Wolfes in Oberösterreich einen für alle Seiten verträglichen Ausgleich zu finden“, so Haimbuchner. Mehr dazu gibt's hier.

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