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OÖ. Das Bundesland Oberösterreich hat die Corona-Krise verhältnismäßig gut überstanden, der aktuelle wirtschaftliche Aufschwung sei schneller gekommen, als erwartet. Einen Blick auf den Standort – wie Oberösterreich durch die Krise gekommen ist – und einen Blick in die Zukunft aus Standort- und aus wissenschaftlicher Sicht warfen Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner und Wirtschaftswissenschaftler Teodoro Cocca von der Johannes Kepler Uni Linz bei einer Pressekonferenz.

  1 / 2   v.l.: Univ.-Prof. Teodoro D. Cocca, Johannes Kepler Universität Linz, und Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner. (Foto: Land OÖ/Lisa Schaffner)

„Die Daten zeigen: Die Wirtschaft in Oberösterreich brummt, Oberösterreich kommt vom Krisen- in den Comeback-Modus – das hätten wir uns nicht so schnell erwartet“, ist Achleitner erfreut. Cocca ist in Nachbetrachtung ebenfalls erstaunt, wie resilient und widerstandsfähig die oö. Wirtschaft sei.

Das Brutto-Regionalprodukt OÖ werde laut Prognosen 2022 wieder auf Vorkrisenniveau und darüber sein, bei knappen 70 Milliarden Euro – zum Vergleich: 2019: 68,38 Milliarden, 2020: 63,66 Milliarden.

Auch mit der Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt sich Achleitner zufrieden, 30.665 Arbeitslose in OÖ im Juni 2021 stehen rund 29.000 offenen Stellen gegenüber. Wichtigstes Thema bleibe hier daher der Fachkräftemangel.

Beim Wirtschaftswachstum wird nach dem Corona-Einbruch im Jahr 2021 von 4,4 Prozent Wachstum und 5 Prozent 2022 ausgegangen, überdurchschnittlich im Vergleich zu Gesamt-Österreich.

Corona hat viel beschleunigt

Nicht nur schlechtes habe die Corona-Krise gebracht, so Achleitner. So sei Vertrauen in den Wirtschaftsstandort OÖ gezeigt worden, es sei zu einer Renaissance der Sozialpartnerschaft gekommen, wie die Zusammenarbeit bei der Kurzarbeit oder auch bei den Arbeitsmarktprogrammen in OÖ gezeigt hätten. Auch habe die Krise Entwicklungen beschleunigt, nennt Achleitner die Stichworte Digitalisierung und Umwelttechnologien – das bringe neue Chancen für Oberösterreich. „Corona hat viel Blödsinn gemacht, aber auch vieles beschleunigt. Es ist kein Nachteil, wenn Investitionen vorgezogen werden, es bringt einen Vorteil in der Wettbewerbsfähigkeit.“

Besser durch die Krise

Oberösterreich konnte in der Pandemie dadurch punkten, dass viele Unternehmen nicht den Kopf in den Sand gesteckt hätten, sondern einen noch stärkeren Fokus auf Forschung und Entwicklung legen. Das zeigt sich auch an den Zahlen der Investitionsprämie des Bundes. Mit fast 60.000 Anträgen wurde knapp jeder vierte Antrag von einem Unternehmen aus OÖ gestellt. 1,5 Milliarden Euro an Förderungen werden sich diese vom Bund holen, Investitionen von bis zu 16 Milliarden Euro werden alleine in OÖ ausgelöst. Für Achleitner auch bemerkenswert: über 90 Prozent der Anträge kamen von Klein- und Mittelunternehmen.

Ebenfalls sehr erfreut ist der Wirtschafts-Landesrat über Betriebsansiedlungsprojekte: Trotz Corona hat die oö. Standortagentur Business Upper Austria über 500 Ansiedlungs- und Erweiterungsprojekte betreut, 141 davon erfolgreich abgeschlossen – nochmal mehr als im Rekordjahr 2019.

Und bei den Unternehmensgründungen gab es in OÖ auch ein kräftiges Plus von 8 Prozent gegenüber 20219. 6.009 Unternehmen wurden 2020 gegründet.

Auch Cocca unterstreicht, dass Oberösterreich besser durch die Krise als andere Bundesländer gekommen ist. Gründe dafür: die besondere Branchenstruktur mit einem geringeren Anteil im Sektor Beherbergung und Gastronomie, dafür mit einem viel höheren Anteil an der weniger betroffenen Sachgütererzeugung. Auch ist bereits der Exportsektor ab Sommer/Herbst 2020 wieder stark angezogen. Überraschender weise habe sich die globale Konjunktur schnell herholt, zum Vorteil des Export-Bundeslandes OÖ mit den Hauptmärkten Deutschland, USA und China. „Jeder zweite Arbeitsplatz in OÖ hängt direkt oder indirekt vom Export ab“, so Achleitner.

Wichtiger Punkt für ihn zudem: Das Vertrauen in die öffentliche Hand und Politik durch Corona-Hilfen, die zu einem Vertrauen in den Standort und die Zukunft geführt hätten.

Es ist laut Cocca anzunehmen, dass Oberösterreich die in den letzten Jahren verbesserte Wettbewerbsfähigkeit in der Krise noch festigen konnte, diesen Aufschwung gelte es nun zu nutzen.

Oberösterreich kann auch der Krise lernen

Einige Punkte, die für eine krisenfeste Zukunft wichtig sind, streicht Cocca heraus. Die Produktion von wichtigen Gütern muss etwa aus Asien nach Europa zurückgeholt werden. „Wir dürfen nicht zu 100 Prozent abhängig sein von fremden Ländern, ein resilientes und diverses Aufstellen ist nötig“, so auch Achleitner.

Eine Chance für Oberösterreichs Unternehmen ist die zunehmende Änderung der Logistik-Strategien von großen Produzenten etwa in Deutschland, um die Lieferketten langfristig widerstandsfähiger gegen Krisen zu machen. Diese setzen etwa auf erhöhte Lagerhaltung oder die Bindung von mehreren Lieferanten.

Für Cocca ist es nun wichtig, die Corona-Hilfen abzubauen. Gerade die aktuelle gute Situation der Wirtschaft mache das möglich und nötig. Auch in Punkte Fachkräftemangel. Firmen, die ohne Hilfe nicht überleben würden, würden in einem solchen Umfeld den Fachkräftemangel weiter verschärfen. Achleitner verweist hier darauf, dass man dabei sei, die Förderungen 'auszufaden', wo es Sinn mache. Manche Bereiche würden aber noch Unterstützung brauchen, etwa die Flugzeugbranche oder die Messe- und Tagungsbranche.

Ebenfalls für klar für Cocca: Die Landesfinanzen müssen nach Überwindung der Krise wieder auf Konsolidierungskurs gebracht werden.  

Aus der Experten-Analyse will das Land OÖ Handlungsempfehlungen und Maßnahmen ableiten, die Oberösterreich für die Zukunft noch krisenfester aufstellen sollen und auch in die 2019 erarbeitete Wirtschafts- und Forschungsstrategie #upperVISION2030 einfließen sollen.


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