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Gewerkschaften und Kinderfreunde orten Handlungsbedarf bei den Arbeitsbedingungen in den Kinderbildungseinrichtungen

Jürgen Affenzeller, 13.10.2021 14:13

LINZ/OÖ. Nach Demo in Wien mit tausenden Teilnehmern: Aus einer flächendeckenden Umfrage der Gewerkschaften younion und gpa sowie der Arbeiterkammer OÖ geht hervor, dass die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in Kinderbildungseinrichtungen unzumutbar sind. Die Kinderfreunde OÖ erneuern ihre Forderung nach einer Kindergarten-Milliarde.

„Die überwiegend Teilzeit-Beschäftigten brauchen Anstellungsausmaße von denen sie leben können. Wir wollen außerdem eine Ausbildungsoffensive, um den Personalbedarf langfristig abdecken zu können“, fordert Andreas Stangl. (Foto: Erwin Wodicka)

„Die Beschäftigten stehen unter enormem Druck, da ein akuter Personalmangel herrscht. In vielen Einrichtungen unterschiedlicher Träger wird mit Ausnahmeregelungen gearbeitet. Gruppen mussten mangels Bewerber ohne pädagogische Fachkraft ins neue Arbeitsjahr starten. Dies zeugt davon, dass nicht nur im Bereich der Arbeitsbedingungen, sondern auch bei der Entlohnung dringender Handlungsbedarf besteht“, ist Andreas Stangl, Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA überzeugt.  

„Von den Kollegen wird unglaublich viel verlangt, bezahlt wird das in keinster Weise. Das ist eine Schieflage, die wir nicht weiter dulden werden“, so Christian Jedinger, Vorsitzender der Gewerkschaft younion in Oberösterreich.  

Ruf nach mehr Personal und besseren Arbeitsbedingungen

Die Gewerkschaften fordern vom Landeshauptmann mehr Personal, bessere Arbeits- und Rahmenbedingungen und eine faire, angemessene Entlohnung. „Die überwiegend Teilzeit-Beschäftigten brauchen Anstellungsausmaße von denen sie leben können. Wir wollen außerdem eine Ausbildungsoffensive, um den Personalbedarf langfristig abdecken zu können“, fordert Andreas Stangl.  

„Österreichweite Verbesserungen für den Kinderbildungsbereich sind dringend notwendig, um diese Missstände zu beseitigen. Als Sofortmaßnahmen fordern wir kleinere Gruppen und mehr Personal, damit die Kinder nicht nur betreut, sondern sehr gut gefördert werden. So entstehen echte Bildungschancen für die berufliche Zukunft. Die Beschäftigten verdienen endlich gebührende Anerkennung ihrer wertvollen Arbeit“, so Christian Jedinger.  

Die Gewerkschaft younion ist zuständig für Kinderbildungseinrichtungen der Städte und Gemeinden, die Gewerkschaft GPA vertritt die Beschäftigten in privaten Kinderbildungseinrichtungen.

Kinderfreunde: „Mehr Knödel für die Kindergärten“

5.000 Leute demonstrierten gestern in Wien. Auch in Oberösterreich braucht es endlich Investitionen in diesem Bereich. Die Kinderfreunde fordern konkret eine Milliarde für die Kindergärten und fordern aktuell mit ihrer Kampagne „Mehr Knödel“ für die Kindergärten.

„Als Träger von rund 80 Kinderbildungseinrichtungen in ganz Oberösterreich merken auch die Kinderfreunde, dass es immer schwieriger wird, Personal zu finden. Es muss sich etwas an den Rahmenbedingungen ändern, um das Berufsfeld wieder attraktiver zu machen. Oberösterreichweit betreuen rund 600 Mitarbeiter der Familienzentren GmbH rund 5.000 Kinder täglich in den Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen“, weiß Roland Schwandner, Vorsitzender der Kinderfreunde Oberösterreich.

Dass der Kindergarten eine wunderbare Einrichtung für Kinder sei, sei unumstritten, jedoch hätten nicht alle Kinder Zugang dazu. Regional sei das sehr unterschiedlich: „An manchen Orten geht es da-rum, wie lange die Einrichtung geöffnet ist, an anderen um die Schließtage oder die Kosten für die Eltern. Am allermeisten ist jedoch die größte Frage, wie die Rahmenbedingungen für die Pädagogen und Assistenten vor Ort sind: Wie ist der Fachkraft-Kind-Schlüssel, wie viel Zeit gibt es zur Vorbereitung, welche Möglichkeiten zur individuellen Beschäftigung mit den Kindern ist vorhanden“, so Schwandner über die Problemfelder und weiter: „Unser Vorschlag wäre etwa die 40 Wochenstunden zu reduzieren, um die Belastungen zu reduzieren“.


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