Martin Hajart: „Man hat in Linz über viele Jahre hinweg zu stark auf das Auto gesetzt“

Jürgen Affenzeller Tips Redaktion Jürgen Affenzeller, 13.07.2022 10:06 Uhr

LINZ. Über die „Mammutaufgabe“ einer Verkehrswende für Linz und seine ersten konkreten Schwerpunkte auf dem Weg dahin spricht der Linzer Vizebürgermeister und Verkehrsreferent Martin Hajart (ÖVP) im Interview mit Tips.

„Der Verkehr in Linz ist eine Mammutaufgabe. Zum einen hat man bei Hochbauvorhaben die Verkehrsinfrastruktur nicht mit errichtet, zum anderen hat man in Linz über viele Jahre hinweg zu stark auf das Auto gesetzt“, fasst Martin Hajart die Erfahrungen seiner ersten Monate im Amt zusammen. Dabei setzte er vor allem auf Gespräche mit Initiativen, Bewohnern oder Interessensgruppen: „Das werde ich auch weiterhin so machen, weil die jeweiligen Betroffenen wissen am allerbesten, wo denn genau der Schuh drückt und wie Ansätze sein können, die Probleme zu lösen. Hier setze ich auf das Miteinander.“

Hajart betont im Tips-Gespräch, nicht ganz zu verstehen, wie man bisher mit Bürgerinitiativen umgegangen ist: „Hier schließen sich Menschen zusammen, um sich für eine gemeinsame Sache einzusetzen. Sie übernehmen damit Verantwortung für das eigene Wohngebiet, das tut dem eigenen Viertel auch gut. Dadurch entsteht Gemeinschaft und das ist in der heutigen Zeit so wichtig.“

Auch das Miteinander der Verkehrsteilnehmer ist Hajart dabei wichtig: „Ich erlebe in meiner Position, dass die Rücksichtnahme der einen Verkehrsteilnehmer gegenüber den anderen zum Teil zu wünschen übriglässt. Mein Appell: Man sollte Verständnis für die anderen Verkehrsteilnehmer zeigen und auch Toleranz üben. Ich bin selbst begeisterter Radfahrer, aber auch ich erlebe regelrechte Fahrrad-Rowdies, die eine gewisse Wut im Bauch haben und rücksichtslos gegen andere Verkehrsteilnehmer umgehen. Man hat sich an die Regeln zu halten, bei einer Roten Ampel kann ich nicht quer über eine vielbefahrene Fahrbahn rüberfahren. Die Infrastruktur kann nicht alle Probleme lösen, man muss auch auf die anderen schauen.“

Sanfte Mobilität im Fokus

Bei Hochbauvorhaben müssen die verkehrlichen Maßnahmen künftig gleichzeitig finanziert und realisiert, nicht nur mitgedacht werden. „Das wird uns vor allem beim Bau der Wohnungen in Ebelsberg beschäftigen“, so Hajart. Und bei Alternativen zum Auto setzt er auf sanfte Mobilität: „Damit meine ich die aktive Mobilität, also dass man sich mit der eigenen Muskelkraft entsprechend auch fortbewegt, sprich Radfahren und zu Fuß gehen. In diesen Bereichen werde ich nach und nach die Projekte vorantreiben und hier für Linz sozusagen in die Pedale treten.“

Fahrrad-Strategie kommt

Beginnen werden Hajart und sein Team in diesem Bereich dabei mit einer Fahrrad-Strategie, die die Basis für weitere Projekte darstellen wird. „Diese beschäftigt sich mit der Infrastruktur, wird aber auch bewusstseinsbildende Maßnahmen beinhalten, von Fahrrad-Abstellplätzen, der Sicherheit über die Rücksichtnahme auf andere bis hin zu Fahrradstraßen und Begegnungszonen“, beschreibt Hajart.

Dringende Projekte werden hingegen auch vorher schon konkret angegangen. „Ich habe bereits vier Fahrradprojekte in Auftrag gegeben, konkret zu planen. Dies betrifft zwei Radweg-Stränge im Zentrum von Norden Richtung Süden sowie zwei Radweg-Stränge vom Zentrum Richtung Osten ins Hafenviertel, ein prosperierendes Gebiet mit großen Bauvorhaben.“ Auch ein Radhighway, wo man mit Lastenrädern sicher im Zweirichtungs-Verkehr fahren kann, ist geplant. Hajart: „Das wird schon ein Leitprojekt werden.“

Westring und Co. nicht abbrechen

Dass man dabei mit den jüngsten Teuerungen Auto-Projekte wie den Westring oder die Halbanschluss-Stelle Auhof-Dornach abblasen soll, davon hält Martin Hajart aber nichts: „Natürlich muss man auch an Projekten festhalten, der Westringtunnel und die Halbanschluss-Stelle Auhof-Dornach sind so weit fortgeschritten, das hat eh schon sehr lange gedauert. Das jetzt abzubrechen, widerspricht dem Hausverstand. Und beim Westring darf man eines nicht vergessen: Er wird zu einer massiven Entlastung der Innenstadt führen und ermöglichen, dass wir etwa die Nibelungenbürcke zu einer starken Fahrradachse im Herbst 2024 ausbauen können, seit Jahrzehnten das größte Nadelöhr zwischen Urfahr und dem Zentrum. Auch der autofreie Hauptplatz wäre sonst nicht möglich.“

Urbanes Sport-Angebot ausbauen

Nicht zuletzt der Bereich Sport, Aktivität und Fitness im öffentlichen Raum sind Hajart ein Anliegen: „Sport tut der eigenen Gesundheit gut, es bringt im öffentlichen Raum auch ein cooles Flair in die Stadt, ein Jugendliches. Ich bin selbst oft beim Freizeit-Areal in Urfahr, das ist toll, das ist ein super Angebot, nur hier steigen sich die Jugendlichen schon fast auf die Füße. Da muss man ans Ausbauen des Angebotes denken. Da ist insbesondere die Fläche unter der neuen Eisenbahnbrücke spannend zu entwickeln, wo man auch witterungsgeschützt ist und einen ordentlichen Untergrund hat. Von Basketball-Plätzen bis zum Soccer-Cage wäre hier vieles möglich. Wir werden hier auch mit einer Unterschriften-Aktion der Jungen ÖVP dranbleiben.“

Auch ein anderes Projekt schwebt dem Linzer vor: „Ich habe mich auch die stehende Welle, einer Surfwelle, angesehen, auch vor Ort in Salzburg. Das ist eine megacoole Sache und das, was wir auch für Linz brauchen.“

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