Pilotprojet Pflegelehre ab Herbst 2023: OÖ bewirbt sich um die Langzeitpflege

Nora  Heindl Tips Redaktion Nora Heindl, 30.09.2022 17:41 Uhr

LINZ/OÖ. Mit der Pflegelehre schafft der Bund eine neuartige Form der Pflegeausbildung. Der Lehrberuf wird vorerst pilotmäßig im Herbst 2023 als Ausbildungsversuch eingerichtet. Oberösterreich wird sich im Bereich der Langzeitpflege um den Pilot bewerben, betont Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer beim gemeinsam Besuch mit Bundesminister Martin Kocher im Pflegeheim Sonnenhof in Linz.

„Derzeit kann man im Pflegebereich noch keine Lehrausbildung absolvieren, wodurch viel qualifikatorisches Potential vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verloren geht. Mit der Pflegelehre zielen wir also darauf ab, noch mehr Ausbildungspotential sowie -plätze im Pflegesektor zu schaffen“, erklärt Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher.

Garantiertes Lehrlingseinkommen

Der Vorteil der Lehre ist unter anderem, dass die Auszubildenden im Gegensatz zur schulischen Ausbildung ab dem ersten Tag ein garantiertes Lehrlingseinkommen bekommen. Lehrlinge im 4. Lehrjahr bekommen dazu ein Mindesteinkommen von 1.500 Euro pro Monat zur finanziellen Absicherung und Attraktivierung der Lehrausbildung.

Ausbildungsbetriebe, die die Pflegelehre anbieten – dazu zählen unter anderem Pflegeeinrichtungen und Pflegeheime – erhalten die betriebliche Lehrstellenförderung, wie das auch bei jeder anderen Lehrausbildung üblich ist.

OÖ-Studie zeigt: Pflege ist für ein Viertel der Jugendlichen ein attraktiver Job

Eine Studie im Auftrag des Landes OÖ und der Soziales Netzwerk GmbH hat gezeigt, dass man junge Menschen durchaus für den Pflegeberuf gewinnen kann: Für mehr als ein Viertel ist ein Pflegeberuf in der Altenarbeit zumindest sehr bzw. eher attraktiv (27 Prozent). Rund ein Viertel der Jugendlichen hat grundsätzliches Interesse am Pflegeberuf (23 Prozent). Das entspricht einem Fachkräfte-Potenzial im weitesten Sinne von rund 44.000 Personen in Oberösterreich.

„Unser Ziel ist es, ein Altern in Würde sicherzustellen. Zentrales Thema dafür ist es, junge Menschen zu begeistern, dass sie in den Pflegeberuf einsteigen. Mit der Pflegelehre gelingt uns das niederschwellig und bereits in jungen Jahren. In der Schweiz ist die Pflegelehre bereits der drittbeliebteste Lehrberuf, mit 4.500 Lehrlingen pro Jahr und das soll unser Vorbild sein. Wir sind bereits ein Vorreiter-Land, was Ausbildungen für junge Menschen betrifft. Wir werden uns deshalb auch im Bereich der Langzeitpflege für die Pflegelehre stark machen und auch als Pilotland bewerben“, betont Soziallandesrat Hattmannsdorfer.

„Schweizer Modell“ als Vorbild

Das Beispiel Schweiz zeigt vor, wie es gehen kann: Dort ist der Lehrberuf seit langem ein Erfolgsmodell: Etwa 4.500 junge Menschen werden dort jährlich ausgebildet. Es handelt sich um die drittbeliebteste Lehre in der Schweiz. Dort wurde bereits 2004 das Berufsbildungsgesetz geändert und eine eigene betriebliche Ausbildung in der Pflege eingeführt.

Die Pflegelehre ist ein Projekt, dessen praktische Umsetzung nur in Kooperation zwischen Bund und Bundesländern möglich ist. Die Ausbildungsinhalte der Pflegelehre werden im Rahmen des neuen Lehrmoduls vom Arbeits- & Wirtschaftsministerium im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Gesundheit per Verordnung festgelegt. Die Pflegelehre soll neben den Berufsbildern der Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes auch die Sozialbetreuungsberufe der Länder umfassen.

„Die neue Ausbildungsform muss mit klaren Richtlinien umgesetzt werden. Einerseits für die Lehrlinge, aber auch für die Ausbilderinnen und Ausbilder. Es braucht viel Sensibilität, aber die Pflegelehre ist eine gute Initiative und eine weitere Chance, um den Mangel an Pflegekräften zu lindern“, bekräftig Mario Auinger, Leiter des Pflegeheims Sonnenhof.

Der weitere Fahrplan des Bundes

Die Pflegelehre wird ab Herbst 2023 gestartet. Die Vorbereitungen dafür laufen aber jetzt schon auf Hochtouren. Die Lerninhalte für die Lehrausbildung Pflegelehre wurden bereits in Expertenworkshops unter der Leitung des ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) erarbeitet und befinden sich aktuell in Abstimmung mit dem Sozialministerium und den Sozialpartnern.

Das Bundesministerium geht davon aus, dass die Pflegelehre als Ausbildungsverordnung noch vor Weihnachten in Begutachtung geschickt werden kann, damit sie mit Anfang Juli im Parlament beschlossen, in Kraft treten und mit Herbst 2023 starten kann.

Nach dem pilotmäßigen Start im Herbst 2023 wird die Pflegelehre sieben Jahre nach Inkrafttreten wissenschaftlich evaluiert.

FPÖ OÖ: Einführung der Pflegelehre war längst überfälliger Schritt

„Steter Tropfen höhlt den Stein“, reagiert Klubobmann Herwig Mahr in einer ersten Stellungnahme erfreut auf die Ankündigung, die jahrelange FPÖ-Forderung zur Schaffung einer eigenen Pflegelehre umzusetzen. „Wir begrüßen es, dass unsere langjährige Forderung umgesetzt wird und die Pflegelehre nun endlich Einzug in Österreich hält. Um heimisches Pflegepersonal zu gewinnen, müssen wir alle Register ziehen. Dass teure und dringend benötigte Pflegebetten wegen Personalmangel leer stehen, darf nicht sein“, betont Klubobmann Mahr.

„Die Pflegelehre ist ein attraktives Ausbildungsangebot für Jugendliche, das bisher einfach fehlte. So entschieden sich bisher viele Interessierte für einen anderen Berufsweg und gingen als potentielle Pflegefachkräfte verloren“, berichtet Mahr.

Neos OÖ: echte Aufwertung der Pflege statt Pflegelehre

Anders sieht das NEOS-Klubomann Felix Eypeltauer: „Eine Pflegelehre überfordert junge Menschen und ist nichts anderes als ein notgedrungener Versuch die riesigen Löcher in unserem Pflegesystem zu stopfen. Sie ist also das absolut falsche Mittel, um die Situation in der Pflege mittel- und langfristig deutlich zu verbessern. Die Regierung muss hier viel mehr auf eine nachhaltige und echte Aufwertung der Pflege samt langfristiger Lösungen setzen, sowie auf bessere Angebote für Quereinsteiger und spätberufene Pflegeinteressierte.“

Vor allem die Langzeitpflege sein ein wunderschöner aber ebenso fordernder Beruf so Eypeltauer: „Junge Menschen zu früh den physischen und psychischen Belastungen des Pflegeberufs auszusetzen, nur um den Pflegekräftemangel zu kompensieren, ist verantwortungslos. Wenn die Regierung die Pflegereform ernst nehmen würde, dann würde sie den Personalmangel mit echten Maßnahmen, wie einem festgesetzten Zielwert beim Personalausbau und anschließenden Finanzausgleichsverhandlungen dazu in Angriff nehmen.“ 

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