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Diözese Linz nimmt Stellung zum Historikerbericht über Bischof Gföllner

Anna Fessler, 15.11.2022 16:01

LINZ. Nach Stellungnahmen seitens der Stadtpolitik zum veröffentlichten Historikerbericht über problematische Namensgeber von Linzer Verkehrswegen meldet sich auch die Diözese zu Wort. Der Bischof Johannes Maria Gföllner wurde von einer Expertenkommission als einer der gravierendsten Fälle bewertet.

Ein Gemälde von Bischof Johannes Maria Gföllner. (Foto: Diözesanarchiv Linz)
Ein Gemälde von Bischof Johannes Maria Gföllner. (Foto: Diözesanarchiv Linz)

Der 1867 geborene Bischof Gföllner propagierte laut dem Expertenbericht „öffentlich und einflussreich Antisemitismus und nahm bei der Abschaffung der Demokratie in Österreich eine zentrale Rolle ein“. Im Jahr 1933 verfasste Gföllner einen Hirtenbrief, der sich zwar gegen den Nationalsozialismus aussprach, aber gleichzeitig eine eindeutig antisemitische Haltung einnahm.

Glorifizierung von Dollfuß

Die vollständigen Recherchen zur Biographie und Problematik des Bischofs sind im veröffentlichten Straßennamenbericht nachzulesen. Dort heißt es: „Voller Begeisterung begrüßte Gföllner den Sturz der Demokratie und die Ausrufung des faschistischen 'Ständestaates', nachdem die Konstituierung des Parlaments am Tag nach der sogenannten 'Selbstausschaltung' von Engelbert Dollfuß mit brutaler Polizeigewalt verhindert worden war (...) 〈Gföllner〉 offenbarte seine Freude über das Ende der Demokratie bei einer Versammlung des Volksvereins am 11. November 1934, kombiniert mit einer Glorifizierung des Diktators Dollfuß, die an Heiligenverehrung grenzte.“

Diözese Linz reagiert auf Bericht

Die Diözese Linz bekennt sich in einer Stellungnahme „zu einer lebendigen und aufrichtigen Erinnerungskultur“. Mit der Person Gföllner habe man sich bereits ausgiebig beschäftigt, wolle dies aber – auch angesichts des Historikerberichts – weiter vertiefen.

Katholischer Antisemitismus: „Dunkles Kapitel der Kirche in Oberösterreich“

Es sei bekannt, dass der Bischof kirchlich und politisch schädlich war. Mit seinem Vorgehen habe er Vorarbeit für den Ständestaat auf Kosten demokratischer Legitimation geleistet, heißt es in der Aussendung. Auch der katholische Antisemitismus werde Gföllner und der Kirche zu Recht angelastet. Gföllners Ablehnung des Nationalsozialismus ändere nichts an der Tatsache „dass der katholische Antisemitismus ein dunkles Kapitel der Kirche in Oberösterreich darstellt. Die diesbezüglichen Äußerungen sind heute unmissverständlich zurückzuweisen und kirchlicherseits spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil offiziell überwunden.“

Keine Einwände gegen Umbenennung der Gföllnerstraße

Aus Sicht der Diözese könne einer Umbenennung der Gföllnerstraße nichts entgegengesetzt werden, auch wenn die Entscheidung der Stadt Linz obliege. Die Straßenbenennung sei in den 1960er Jahren mit dem caritativen Engagement Gföllners begründet worden und explizit nicht aufgrund dessen politischer Einstellung erfolgt, wird abschließend angemerkt.


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