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LINZ. Dass Demokratie ein fragiles Konstrukt ist, zeigt ein Blick in die Geschichte in Österreich. In einer Vortragsreihe der Volkshochschule Linz (VHS) und der Johannes Kepler Universität (JKU) sollen die Ereignisse in den Jahren 1933 und 1934 und deren Hintergründe beleuchtet und auch das Erbe der Dollfuss-Schuschnigg-Jahre in der Erinnerungskultur untersucht werden.

  1 / 2   Die vierteilige Vortragreihe findet jeweils an einem Montag im Wissensturm statt. (Foto: Volker Weihbold)

Im März 1933 wurde das Parlament ausgeschaltet, im Mai der Verfassungsgerichtshof aufgehoben und nach dem Februaraufstand 1934 die Sozialdemokratische Partei verboten - ein Prozess, der von Bundeskanzler Engelbert Dollfuss bewusst betrieben wurde und der zeigt, wie fragil eine Demokratie sein kann.

Die Vortragsreihe der VHS Linz mit dem Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte und dem Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte der JKU beleuchtet in vier Veranstaltungen die Ereignisse von 1933/34 sowie die heutige Erinnerungskultur.

Vier Vorträge

Der Eröffnungsvortrag findet am 21. Oktober statt. Stefan Eminger vom Niederösterreichischen Landesarchiv analysiert dabei die ökonomisch-sozialen Rahmenbedingungen der 1933/34er Jahre, die Kalküle, die politischen Entscheidungen und die Interessenlagen der maßgeblichen Player. Er fragt nach den unterschiedlichen Vorstellungen der Krisenlösungspolitik und spürt dem antidemokratischen Potenzial in der österreichischen Politik der Zwischenkriegszeit nach.

Am 4. November widmen sich Irene Bandhauer-Schöffmann (Universität Wien), Stefan Benedik (Haus der Geschichte Österreich) und Marcus Gräser (JKU) der kontroversen Debatte um die korrekte Bezeichnung des politischen Systems zwischen 1933 und 1938 und hinterfragen die Definitionen und Interpretationen der damaligen Zeit. Dabei geht es um einen Namensstreit, der bis in die Gegenwart reicht, aber auch um die Frage nach der politischen Verantwortung für die Zerstörung der Demokratie und den Aufstieg des Nationalsozialismus in Österreich.

Lucile Dreidemy (Universität Wien) analysiert am 11. November die langfristigen Auswirkungen der autoritären Ära auf die österreichische Erinnerungskultur und wie diese Zeit heute gesellschaftlich und politisch verarbeitet wird.

Beim Abschlussvortrag mit Historikerin und Autorin Marion Wisinger am 18. November wird ein Bogen in die Gegenwart gespannt. Am Beispiel der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl wird aufgezeigt, wie sich gegenwärtige politische Entwicklungen negativ auf demokratische Strukturen auswirken können.

„Eigene Haltung reflektieren“

Die Abendveranstaltungen beginnen jeweils um 19 Uhr im Saal E09 im Wissensturm, der Eintritt ist frei.

„Wer über den Zustand und die Gefährdungen unserer heutigen Demokratie Bescheid wissen will, tut gut daran, sich über frühere Herausforderungen der Demokratie zu informieren. Dem dient die Vortragsreihe, die sich mit den Geschehnissen rund um die Zerstörung der Demokratie in Österreich 1933/34 beschäftigt und danach fragt, wie wir uns heute daran erinnern und welchen Nutzen wir aus dem Wissen für die Gegenwart ziehen können“, so Marcus Gräser, Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der JKU.

„Volkshochschulen stehen – gerade auch 2024 – für Demokratiebildung. Sie sind nicht nur Stätten des demokratischen Diskurses - mit Bildungsangeboten fördern sie das Verständnis für demokratische Prozesse und stärken die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Besonders wichtig dabei ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, da sie das Bewusstsein für historische Zusammenhänge und deren Einfluss auf die Gegenwart schärft. Dies trägt dazu bei, dass Menschen aus der Vergangenheit lernen, sich kritisch mit ihrer Gegenwart auseinandersetzen, die eigene Haltung reflektieren und sich aktiv für eine demokratische Zukunft einsetzen“, betont Katja Fischer, Fachbereichsleitung Gesellschaft-Politik, VHS Linz.

 


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