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Hotspots Volksgarten, Hauptbahnhof und Co: Projekt „Wohnen im Dialog“ zieht Jahresbilanz

Karin Seyringer, 03.03.2026 14:59

LINZ. Seit 2018 setzt die Stadt Linz auf enge Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsressort, Ordnungsdienst und Sozialarbeit, um Konflikte im öffentlichen Raum zu entschärfen. Ein zentraler Baustein ist das Projekt „Wohnen im Dialog“ der Volkshilfe OÖ. Der Jahresbericht 2025 zeigt: Die Maßnahmen wirken, besonders im Volksgarten ist die Zahl der Beschwerden deutlich gesunken. Doch es bleibt Handlungsbedarf.

Volksgarten Linz (Archivfoto) (Foto: Tips)
Volksgarten Linz (Archivfoto) (Foto: Tips)

Das Team der Volkshilfe ist mit aufsuchender Sozialarbeit unter anderem im Volksgarten, rund um den Hauptbahnhof, im GWG-Park sowie am Grünmarkt in Urfahr im Einsatz. Ziel ist es, Konflikte frühzeitig zu erkennen und durch Gespräche, Vermittlung und klare Zuständigkeiten nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

Neben der Arbeit im öffentlichen Raum umfasst das Projekt strukturierte Konfliktgespräche und Mediationen bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, Vermietern und weiteren Nutzergruppen.

„Soziale Unterstützung und klare Ordnungspolitik“

Sicherheits-Stadtrat Michael Raml (FPÖ) betont, dass ein geordnetes und gutes Zusammenleben klare Regeln und die Bereitschaft, diese einzuhalten, brauche. „Wer sich respektvoll verhält, hat nichts zu befürchten – wer jedoch durch Aggression, Vermüllung oder Gesetzesverstöße auffällt, muss mit konsequenten Maßnahmen rechnen. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Volkshilfe verbinden wir soziale Unterstützung mit klarer Ordnungspolitik. Mein Ziel ist ein sicherer, sauberer öffentlicher Raum, in dem sich die Menschen in unserer Stadt jederzeit wohlfühlen können“

„Wir arbeiten direkt dort, wo Spannungen entstehen – in Parks, an Verkehrsknotenpunkten oder in Wohnanlagen. Durch kontinuierliche Beziehungsarbeit und enge Vernetzung mit der Stadt bzw. dem Ordnungsdienst können wir Konflikte frühzeitig erkennen und tragfähige Lösungen entwickeln“, so Volker Atteneder von der Volkshilfe, Bereichsleitung Zusammenleben, Bildung und Arbeit.

Mario Gubesch, Geschäftsführer der Ordnungsdienst GmbH, ergänzt: „Durch die laufende Abstimmung können wir soziale Problemlagen besser einordnen und gezielt reagieren und vice versa. Diese Kooperation ermöglicht es uns, Spannungen nicht nur ordnungspolitisch zu begleiten, sondern gemeinsam mit der Sozialarbeit nachhaltige Lösungen zu entwickeln“, ergänzt Mario Gubesch.

Volksgarten: Neue Entwicklungen, weniger Beschwerden

Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt weiterhin im Volksgarten. Dort wurden bauliche Maßnahmen mit verstärkter Präsenz von Ordnungsdienst und Sozialarbeit kombiniert.

Wie berichtet wird, haben sich 2025 im Bereich Volksgarten neue Entwicklungen ergeben. Durch die Umbauarbeiten im Busbahnhof am Hauptbahnhof kam es zu einer Verdrängung obdachloser Personen. In der Folge wurde ein Anstieg von Übernachtungen im Volksgarten festgestellt. Betroffen waren vor allem EU-Drittstaatsangehörige ohne Anspruch nach dem Sozialhilfegesetz sowie Personen mit vermuteten psychischen Erkrankungen oder schwerer Alkoholabhängigkeit, die bestehende Notunterkünfte oder Wärmestuben nicht in Anspruch nehmen konnten.

Seit der Umstellung des Pfandsystems nutzten außerdem deutlich mehr Personen die Möglichkeit, durch das Sammeln von Leergebinden im Park Einkommen zu generieren. Auch hier waren EU-Drittstaatsangehörige als Notreisende überproportional vertreten, heißt es.

Problemfelder, die weiter bestehen blieben, waren öffentliches Urinieren im Bereich des Großschachs, die Nutzung der öffentlichen WC-Anlage als Drogenkonsumraum, zurückgelassene Spritzbestecke im mobilen Sanitärbereich sowie punktuelle Vermüllungen durch obdachlose Personen.

Positive Rückmeldungen

Die Rückmeldungen der Gewerbetreibenden im Umfeld des Volksgartens fielen im Berichtsjahr 2025 deutlich positiver aus als in den Vorjahren, heißt es. In Gesprächen sei bestätigt worden, dass vormals aufgetretene Probleme mit suchtkranken Personen nahezu vollständig beendet werden konnten.

Auch der Linzer Ordnungsdienst berichtet von deutlich weniger Beschwerden zum Volksgarten. Bei Alkohol wurde 2022 noch in 1.211 Fällen eingeschritten, 2025 waren es nur mehr 530 Fälle. Bei der Stadt Linz eingelangte Beschwerden gingen 2025 auf 23 Meldungen zurück.

Hauptbahnhof: Präsenz ausgeweitet

Im Juli 2025 wurde die Kooperation auf den Hauptbahnhof-Bereich ausgeweitet. Als zentrale Arbeitsfelder identifizierte das Team der Volkshilfe den Bahnhofsvorplatz, das Busterminal, den Fahrradkeller, Unterführungen sowie angrenzende Park- und Straßenbereiche.  

Für den Bahnhofsvorplatz ist vorgesehen, Sitzgruppen nach dem Vorbild des Volksgartens zu errichten. Für heuer sind zunächst provisorische Lösungen vorgesehen, um den öffentlichen Raum besser nutzbar und strukturierter zu gestalten. Ergänzend dazu sind eine Optimierung der Sitzgelegenheiten sowie weitere Mistkübel geplant.

„Der Hauptbahnhof ist ein Tor zu unserer Stadt. Gerade hier braucht es Lösungen, die sowohl für Reisende und Anrainer als auch für sozial benachteiligte Menschen tragfähig sind. Wir setzen auf eine Kombination aus klaren Regeln, verstärkter Präsenz und professioneller Sozialarbeit. Ein verordnetes Alkoholverbot hätte nach Einschätzung der Experten vor allem Verdrängungseffekte erzeugt. Deshalb evaluieren wir die gesetzten Maßnahmen sorgfältig und entscheiden auf Basis von Fakten über weitere Schritte“, betont Raml.

Weitere Einsatzorte im Blick

Nach Beschwerden von Anrainern wird die Situation im GWG-Park durch Sozialarbeit begleitet. Die Gruppen, die sich dort aufhalten, würden sich kooperativ zeigen, es sei zu keinen Eskalationen oder Anzeigen gekommen. Hier wird weiterhin begleitet.

Am Grünmarkt in Urfahr werden die Betriebe unterstützt, nachdem es nach den baulichen Veränderungen im Bereich zwischen Apotheke und Café vermehrt zu Aufenthalten akut wohnungsloser Menschen gekommen war. Auch das benachbarte Seniorenzentrum berichtete über Belastungen im Eingangsbereich.

Positives Resümee

Volker Atteneder von der Volkshilfe zieht ein positives Resümee: „Besonders in herausfordernden Zielgebieten wie Volksgarten oder Hauptbahnhof wird sichtbar, dass Sicherheit und soziale Verantwortung einander nicht ausschließen, sondern sich ergänzen – und damit unmittelbar zur Lebensqualität der Linzer beitragen.“

Gleichzeitig verweist Stadtrat Raml darauf, dass weiterer Handlungsbedarf bestehe: „Der Bericht zeigt auch klar: Wir sind noch nicht am Ziel. Gerade an einzelnen Orten besteht weiterhin Handlungsbedarf, um Sicherheit, Sauberkeit und ein respektvolles Miteinander dauerhaft zu gewährleisten. Es bleibt viel zu tun. Umso wichtiger ist es, die bewährte Zusammenarbeit konsequent fortzuführen und weiterzuentwickeln.“

Auch lesen: Volkshilfe OÖ: „Es geht darum, den Volksgarten für alle zu verbessern“ 


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