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LINZ. Ein breit unterstützter offener Brief macht eine schon mehrmals debattierte Umbenennung der Dinghoferstraße im Linzer Neustadtviertel erneut zum Thema. Der Vorschlag: Sie soll nach Maximilian Aichern, von 1982 bis 2005 Bischof der Diözese Linz, benannt werden. Der offene Brief ist an Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) gerichtet. Dieser teilt mit, dass der Vorschlag ernst genommen werde. 

Dinghoferstraße Linz (Foto: VOLKER WEIHBOLD)
Dinghoferstraße Linz (Foto: VOLKER WEIHBOLD)

Der offene Brief wurde vom Mauthausen Komitee Österreich, der Katholischen Aktion Oberösterreich sowie dem OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus verfasst und wird von zahlreichen Persönlichkeiten unterstützt.

Benannt ist die Straße nach dem ehemaligen Linzer Bürgermeister Franz Dinghofer (1873 – 1956), Dritter Nationalratspräsident, Vizekanzler, Justizminister und Präsident des Obersten Gerichtshofs. Er war auch „radikaler Antisemit“ – so seine Selbstbezeichnung. 1940 trat er der NSDAP bei.

Der offene Brief richtet sich an den Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer. Er wird darin auch daran erinnert, dass Prammer selbst im November 2025 das „Dinghofer-Symposium“ der FPÖ kritisiert hatte - ein ehrendes Andenken Dinghofers widerspreche den demokratischen Werten der Republik, so Prammer damals.

Aichern als neuer Namensgeber vorgeschlagen

Als neuen Namensgeber schlagen die Unterzeichner den heuer verstorbenen Linzer Altbischofs Maximilian Aichern vor. „Als junger Mensch hatte Maximilian Aichern in Wien die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten miterlebt. Aus dieser Erfahrung heraus war er ein überzeugter Gegner des Faschismus. Engagiert vertrat er die Bischofskonferenz in unserem Kuratorium“, begründet Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich.

Gabriele Hofer-Stelzhammer, Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich; „Bischof Maximilian war einer der wichtigsten Wegbereiter der Seligsprechung von Franz Jägerstätter. Und er begegnete allen auf äußerst menschliche, zugewandte und liebenswürdige Art – Andersdenkende und Kirchenferne nicht ausgenommen.“

„Der verstorbene Altbischof der Diözese Linz hat ein ehrendes Andenken durch eine Straßenbenennung zweifellos verdient, der Judenhasser, ‚Arisierer‘ und Nationalsozialist Franz Dinghofer hat es nicht“, so auch Robert Eiter, Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

Die Forderung: Die Dinghoferstraße soll in Zukunft Aichernstraße heißen.

Zahlreiche bekannte Unterstützer

Unterzeichnet wurde der Brief von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten. Dazu zählen unter anderem Elfriede Jelinek, Peter Turrini, Michael Köhlmeier, Josef Hader, Harald Krassnitzer, Erwin Steinhauer, Chris Lohner, Gerhard Haderer, Landestheaterintendant Hermann Schneider sowie mehrere angesehene Historiker und Kirchenvertreter.

Grüne und KPÖ dafür

Auch die Linzer Grünen und die KPÖ Linz begrüßen die Initiative ausdrücklich. Schon 2019 und erneut im Dezember 2025 gab es gemeinsame Anträge von KPÖ und Grünen im Gemeinderat auf Prüfung einer Umbenennung der Dinghoferstraße. „Es ist höchste Zeit für einen kritischeren Umgang mit Franz Dinghofer. Das macht das breitgetragene Bündnis mit seinen vielen Unterstützern aus den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft deutlich“, so der Grüne Klubobmann Helge Langer. KPÖ-Fraktionsvorsitzende Gerlinde Grünn bezeichnet Aichern als „würdigen Vorschlag“.

Prammer: „Sachliche und wissenschaftlich fundierte Bewertung“

Bürgermeister Prammer meldet sich am Mittwoch auch selbst in einer schriftlichen Mitteilung zu Wort. Der Vorschlag werde ernst genommen.

„Ich kann gut nachvollziehen, dass der Name Dinghofer bei vielen Menschen Fragen und Kritik auslöst. Historische Belastungen müssen klar benannt und dürfen nicht relativiert werden. Gleichzeitig braucht es bei Straßenbenennungen nachvollziehbare Kriterien und eine fundierte wissenschaftliche Grundlage. Deshalb habe ich das Archiv der Stadt Linz um eine fachliche Einordnung ersucht“, betont Prammer. 

Verwiesen wird auf die umfassende wissenschaftliche Untersuchung der Linzer Straßennamen, in der eine unabhängige Kommission insgesamt 96 Personen anhand einheitlichen Kriterien fünf Kategorien zugewiesen wurden.

Vier wurden der höchsten Belastungskategorie 1 zugeordnet, in diesen Fällen erfolgten Straßenumbenennungen: Der Porscheweg wurde zum Wittgensteinweg, die Gföllnerstraße zur Sterneggstraße, die Pfitznerstraße zur Nauheimerstraße und der Reslweg zum Meinhartweg. 

„Franz Dinghofer wurde der Kategorie 2 zugeordnet. Seit der Veröffentlichung des Berichts sind laut Archiv der Stadt Linz keine neuen wesentlichen Erkenntnisse hinzugekommen, die eine fachliche Neubewertung begründen würden. Eine isolierte Umbenennung der Dinghoferstraße ohne neue historische Erkenntnisse würde daher die einheitliche Systematik und das Gesamtergebnis der Untersuchung infrage stellen. Sollten künftig neue Informationen bekannt werden, die das historische Bild Dinghofers wesentlich verändern, kann selbstverständlich eine neuerliche fachliche Beurteilung erfolgen“, heißt es. 

Ausdrücklich gewürdigt wird aber der Vorschlag, eine Straße nach Altbischof Aichern zu benennen. „Aufgrund seiner Verdienste und seiner breiten Anerkennung wurde er vom Stadtarchiv bereits auf die Liste möglicher künftiger Namensgeber aufgenommen.“

Bei neuen Straßenbenennungen verfolge die Stadt derzeit aber grundsätzlich das Ziel, verstärkt verdiente Frauen zu berücksichtigen. „Zudem empfiehlt das Stadtarchiv nach dem Tod einer Persönlichkeit eine mindestens dreijährige Cooling-off-Phase. Eine Benennung nach Maximilian Aichern käme nach diesem Grundsatz frühestens im Jahr 2029 in Betracht“, heißt es aus dem Büro Prammer. 

Zu den Ergebnissen der Straßennamenkommission: stadtgeschichte.linz.at


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