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Fünf Jahre sind genug: Justers neue Pläne für das Bühnenwirtshaus

Leserartikel Eva Leutgeb, 27.05.2020 12:00

GUTENBRUNN. Dieter Juster hatte sich vor fünf Jahren eine Auszeit genommen. Das Bühnenwirtshaus in Gutenbrunn, in dem ständig namhafte Künstler wie Roland Düringer, die Dornrosen, Alf Poier oder die Kernölamazonen auftraten, erfreute sich großer Beliebtheit.

Dieter Juster öffnet das Bühnenwirtshaus im Juni. Foto: Erwin van Dijk
  1 / 2   Dieter Juster öffnet das Bühnenwirtshaus im Juni. Foto: Erwin van Dijk

Das ließ er alles hinter sich. Er brauchte eine Pause. „Das hätte mein Körper sonst nicht mehr mitgemacht“, sagt Juster. In den letzten fünf Jahren hat er vieles erlebt, den Lebensweg bestritten und neue Erfahrungen gesammelt. Mit einem neuen Angebot belebt Dieter Juster nun sein Bühnenwirtshaus wieder. Er will in Gutenbrunn vorerst eine Zimmervermietung im Haus starten und zu neuem Leben erwecken. Tips hat mit dem Lebensweg-Initiator über seine Auszeit und seine Pläne gesprochen.

Tips:Wie ist es dir in den letzten fünf Jahren ergangen?

Juster: Zuerst war wirklich Auszeit angesagt, acht Monate einfach nichts tun. Das war ein Durchatmen und auch sich über das Geschaffene sehr freuen. Dann war die Frage da, dass das doch noch nicht alles gewesen sein kann. Das hat mich zu meinem neuen Beruf Projektentwickler und Projektbegleiter gebracht. Ich habe den Unternehmensberater angemeldet. Die Kooperation mit den NÖ Bühnenwirtshäusern hat es gegeben und Kulturprojekte im Rahmen vom Viertelsfestival. Es waren immer Gemeinschaftsprojekte, an denen ich gearbeitet habe. Es war in meiner Auszeit eine Erleichterung für mich, als Dienstleister, Wirt und Kulturmacher nicht alles erfüllen zu müssen. Der neue Beruf hat eine Anlaufzeit gebraucht und dann ist das recht gut gegangen. Aus dem neuen Beruf ist der Lebensweg entstanden.

Tips:Möchtest du den Tips-Lesern den Lebensweg erklären und deine Motivation dazu?

Juster: Die Idee des Lebensweg ist beim Wandern entstanden. Wenn ich ein Problem habe, dann gehe ich in die Natur, da nehme ich auch immer eine Frage mit. Nach ein paar Stunden hab ich dann die Antwort. Den 85 Kilometer langen Johannesweg im Mühlviertel bin ich ein paar Mal gegangen. Beim ersten Mal im Oktober 2014 hab ich dort die Frage mitgenommen, wie ich es schaffe, den Betrieb gut in die Pause zu schicken. Da war mir dann klar, dass ich das nur Schritt für Schritt tun kann. Damals hab ich schon überlegt, warum wir im südlichen Waldviertel nicht so einen Weg haben. Beim zweiten Mal ist mir die Idee gekommen, wie es ist, wenn man sein eigenes Leben durchwandern könnte. Beim dritten Mal hatte ich bereits eine Route zusammengestellt. Dann habe ich erfahren, dass für die Landesausstellung in Pögstall die zwei Wege Ysper-Weitentalweg und der Kremstalweg optimiert werden. Die sind für die Landesausstellung neu hergerichtet worden. Die zwei Wege in einer Achterschleife bewandert, könnten zum Lebensweg werden. Der Weg ist 260 Kilometer. 22 Gemeinden und die drei Bezirke Zwettl, Krems und Melk sind in das Projekt involviert. Der Weg ist als Nachfolgeprojekt der Landesausstellung im Mai 2018 eröffnet worden.

Tips:Was ist das Tourentagebuch?

Juster: Das habe ich zusammen mit Elisabeth Lexer geschrieben. Dazu gibt es eine Wanderkarte. Dieses Tagebuch ist als Tourenführer, andererseits auch als Tagebuch zu benützen. Zu den jeweiligen Lebensabschnitten sind Fragen, die der Wanderer individuell beantworten kann. Momentan schreibe ich an einem online-Kurs „Geh mutig deinen Lebensweg“, der im Sommer rauskommen soll. Es geht darum, dass sich Menschen in Vorbereitung auf dem Lebensweg Informationen holen können. Ich glaube, dass im Gehen, sehr viele Lösungen drinnen sind. In der Achterschleife ist Einsteigen überall möglich. Die Leute müssen nicht genau nach dem Buch gehen, sondern können alles auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Der Lebensweg ist wirklich ein großer Möglichkeitsraum für die Region. Das Projekt sehe ich nicht als fertig an, es passiert laufend etwas.

Tips:Was war dein schönstes Erlebnis in dieser Auszeit und welche wertvollen Erfahrungen hast du gesammelt?

Juster: Zwei Sachen: Gespräche nicht immer abrupt beenden zu müssen. Das war für mich so eine Qualität, auch tageweise über Dinge nachdenken zu können, weil die Zeit da war  und ich mich freuen konnte, mit der Familie zusammenzusitzen und nicht schon wieder etwas machen zu müssen. Das zweite hat mit dem neuen Beruf zu tun: Mit begeisterten und wohlwollenden Menschen zusammenzuarbeiten. Am Lebensweg habe ich fünf Jahre gearbeitet. Es ist eine Begeisterung für Lernen, wenn man über 50 ist, diesen Erfahrungsschatz zu haben und das mit der Kreativität zu verbinden und mit kindlicher Freude sich auf Entdeckung zu machen. Ich spüre das auch beim Wirtshaus, da entsteht wieder etwas Neues. Für mich war es notwendig, da auszusteigen.

Tips:Wie sehen deine Pläne für das Wirtshaus aus, wann ist der Start dafür?

Juster: Die ersten Geschichten sind Zimmervermieten, Selbstversorgerhaus und das Haus als Eventlocation zur Verfügung zu stellen. Mich interessiert es, hier Neues zu entwickeln, sprich Wirtshaus im 21. Jahrhundert. Die Betriebe werden so nicht mehr weitergeführt, weil die jüngere Generation das nicht so übernehmen mag. Im Juni ist der Start für die Zimmervermietung mit Gewerbeanmeldung. Es gibt keine klassischen Öffnungszeiten und dann lasse ich das Ganze wachsen. Das Bühnenwirtshaus bekommt jetzt eine neue Bedeutung.

Tips:Das Bühnenwirtshaus vermissen bestimmt viele. Gibt es eventuell auch wieder Pläne für diese Kulturbühne?

Juster: Momentan habe ich keine Pläne dazu. Abgesehen davon haben wir noch das Truckerhaus, welches auch eine kulturelle Nahversorgung übernommen hat. Vorerst möchte ich diesen Möglichkeitsraum herrichten, dann schauen wir, was sich ergibt und wer da anklopft. Mich interessiert es zurzeit mehr, ein Workshop-Haus anzubieten, wo Leute an einem Thema arbeiten oder den Raum für Proben anzubieten. Der Name Bühnenwirtshaus bleibt aufrecht – es ist mein erstes Lebenswerk und wird weiterentwickelt, was immer es sein mag.


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