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Auslandsengländer Paul Crouch: "Ich habe 2016 nicht für den Brexit gestimmt"

Thomas Lettner, 10.04.2019 08:40

MAUER. Am 12. April endet die zweite Frist für den Brexit. Tips befragte den Engländer Paul Crouch, der seit 17 Jahren in Mauer wohnt, zu dem brisanten Thema.

Der gebürtige Engländer Paul Crouch sieht dem Brexit eher gelassen entgegen. Enttäuscht ist er aber von der Politik, die die Bevölkerung nicht ausreichend über die Auswirkungen informiert habe. Foto: Thomas Lettner

„Ich habe bei der Wahl 2016 nicht für den Brexit gestimmt. Als Expatriate durfte ich nämlich gar nicht wählen“, sagt der 61-Jährige, der früher einmal für eine Doka-Auslandsniederlassung gearbeitet und dort eine Amstettnerin kennengelernt hat. Unter einem Expatriate versteht man Menschen, die vorübergehend oder dauerhaft ihren Wohnsitz in einem anderen Land haben. Für Crouch persönlich wird der Brexit keine großen Auswirkungen haben. Mit der Reisefreiheit zwischen den EU-Staaten wird es für ihn dann jedoch vorbei sein. Außerdem kommt mehr Bürokratie auf ihn zu.

Mitschuld von Cameron

Über den Brexit ist Paul Crouch, dessen Cousin zweiten Grades übrigens der ehemalige englische Fußballnationalspieler Peter Crouch ist, dennoch enttäuscht. „Vor der Wahl wurden die Menschen nicht ausreichend über die Auswirkungen eines EU-Austritts informiert“, meint er. Eine Mitschuld am Wahlausgang trage auch Ex-Premierminister David Cameron.

Kein zweites Referendum

Zornig macht ihn, dass neben der britischen „Wir sind eine unabhängige Insel-Mentalität“ hauptsächlich das Thema Immigration den Wahlausgang beeinflusst hat. „Dabei war England schon immer ein „melting pot“ (Schmelztiegel; Anm.d.Red.) verschiedener Völker. Zuerst waren die Kelten hier, dann die Römer, dann die Angel-Sachsen, Wikinger und Normannen. Einen richtigen Engländer gibt es nicht.“Da hauptsächlich ältere Menschen für den Brexit gestimmt hätten, spricht sich Crouch für ein maximales Wahlalter von 65 Jahren und ein Wahlrecht für Expatriates aus. Ein zweites Referendum lehnt er aber ab. „Das wäre undemokratisch“, meint er.

Fische als gutes Vorbild

Crouch hofft, dass der Brexit nach all dem Chaos sanft und mit einem Deal mit der EU über die Bühne geht. Privat geht er schon einmal mit gutem Beispiel voran. Der leidenschaftliche Fischer mit eigenem YouTube-Kanal (madaboutfish) hat zuhause in Mauer zwei Aquarien stehen. „Eines davon ist Europa, eines Großbritannien. In den Aquarien tummeln sich verschiedene Fischarten. Manchmal tausche ich die Fische untereinander aus, und das ganz ohne Kontrollen“, grinst er.

Auswirkungen des Brexit auf NÖ nicht so dramatisch

„Die große Frage lautet noch immer, ob es zum Hard Brexit kommt oder nicht. Sollte - so wie es momentan aussieht - dieser Worst Case eintreten, dann würde man überall in Resteuropa und damit auch in der Wirtschaftsregion Amstetten dessen negative Auswirkungen in der einen oder anderen Form zu spüren bekommen“, sagt Andreas Geierlehner, der Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Amstetten. Denn: 15 Prozent des gesamteuropäischen Bruttoinlandsprodukts gehen auf das Konto Großbritanniens. Jeder ungeregelte Austritt hätte unweigerlich auch eine Schwächung der verbleibenden EU zur Folge.

Großbritannien nicht unter den Top Ten-Handelspartnern

Trotzdem halte sich ein Schaden in Grenzen. „Großbritannien liegt mit einem Warenexportvolumen von 477 Millionen Euro nicht unter den Top Ten der niederösterreichischen Handelspartner, sondern an 11. Stelle. Die Warenlieferungen werden zwar teurer und können etwas länger dauern. Insgesamt sollten aber die Auswirkungen für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich nicht allzu dramatisch sein“, meint Geierlehner.

Checklisten für Unternehmer

Die Wirtschaftskammer hat Checklisten zu den wichtigsten Problemfeldern erstellt wie beispielsweise zum Warenverkehr, den gewerblichen Schutzrechten, den Finanzdienstleistungen und vielem mehr. Unter wko.at/brexit finden sich alle einschlägigen Informationen. Ebenso gibt es eine Hotline (05/90900-5590), die auch via E-Mail (brexit@wko.at) kontaktiert werden kann.


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