Bäderstudie: „Man bringt damit die ländlichen Strukturen um“
BEZIRK PERG. 144 Freibäder gibt es derzeit in Oberösterreich, acht davon im Bezirk Perg. Laut einer im Vorjahr veröffentlichten Bäderstudie sollen bis 2025 mehr als die Hälfte geschlossen werden. Größere Sanierungen sollen bei nicht wirtschaftlichen Standorten auf jeden Fall nicht mehr gefördert werden.

Auf Antrag der Grünen und mit Unterstützung der SPÖ wollte man sich in der jüngsten Landtagssitzung gegen die bereits im Vorjahr angekündigte Schließungswelle bei Bädern in Oberösterreich stellen. Leider ohne Erfolg, denn ÖVP und FPÖ haben die Einwände und Gegenforderungen abgelehnt. Man will dabei bleiben: Wenn ein Bad nicht rentabel genug ist und sich im Umkreis von 15 Kilometern ein weiteres befindet, dann soll es über kurz oder lang zugesperrt werden. Freilich bleibt diese Entscheidung bei der Gemeinde, auf Unterstützung des Landes darf man aber nicht mehr hoffen. Abgangsgemeinden wird so keine andere Möglichkeit bleiben, als der Empfehlung des Landes zu folgen.
Auch Bäder im Bezirk könnten davon betroffen sein. Eine Liste gibt es allerdings nicht. „Dann bleiben vermutlich noch vier bis fünf Bäder im Bezirk. Wir haben eh nicht mehr so viele Freiräume für die jungen Leute, wir brauchen die Bäder, vor allem auch weil bei uns viele Menschen in Mietwohnungen leben, die keinen Pool haben“, so Thomas Punkenhofer, SPÖ-Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Mauthausen. Einen jährlichen Abgang im Budget nimmt er dafür gerne in Kauf.
Rückendeckung: Auch VP-Ortschefs üben Kritik
Auch die schwarzen Bürgermeister können dem Sparkurs bei Bädern nicht viel abgewinnen. „Es geht um die Lebensqualität an der Peripherie. Gerade zu uns kommen viele Familien mit Kleinkindern, sie schätzen die Übersichtlichkeit“, so Nikolaus Prinz, Bürgermeister von St. Nikola. Dass ohne Unterstützung des Landes größere Investitionen nicht möglich sein werden, ist ihm bewusst. „Klar ist: Der Standort bestimmt den Standpunkt. Es muss auch zumutbar sein, dass es einmal in Linz und am Speckgürtel nicht alles geben kann zugunsten derer, wo es wirtschaftlich schlechter läuft.“
Einen wunden Punkt trifft man mit diesem Thema auch beim Ortschef von Arbing. Das Freibad verursacht im Jahr einen Abgang von rund 40.000 Euro. Als Abgangsgemeinde wird man, will man das Bad weiterführen, zum Land müssen. „ÖVP und FPÖ müssen in sich gehen, ob wir es uns leisten können, dass wir alles zudrehen. Da geht es um eine Grundsatzdebatte. Man bringt damit die Strukturen am Land um“, so Josef Hiesböck verärgert, „natürlich kann man sagen, dass ein Freibad bei uns ein Luxus ist, aber ich kann mich auch noch erinnern, als man uns ausgelacht hat, weil die aus den Landgemeinden nicht schwimmen konnten − heute sind unsere Kids beim Pinguin-Cup vorne dabei. Von uns wird immer Kreativität gefordert, die oben sollen mal kreativ sein. Es kann nicht sein, dass wir kleinen Gemeinden immer nur Bittsteller sein müssen.“


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