Nichts für Zartbesaitete: Aus dem Arbeitsalltag der Parksheriffs

Margareta Pittl Online Redaktion, 16.07.2019 21:35 Uhr

MELK. „Hast du nix Besseres zu tun?“, ist noch eine der harmloseren Bemerkungen, die Alex und Kathrin bei ihrer Arbeit regelmäßig zu hören bekommen. Die beiden sind Organe der Melker Parkraumüberwachung – so zumindest lautet ihre offizielle Berufsbezeichnung. Besser bekannt sind sie als Parksheriffs. Trotz der Unfreundlichkeiten, die ihnen immer wieder an den Kopf geworfen werden, machen sie ihren Job gerne. Tips hat die beiden bei einem Rundgang durch die Melker Altstadt begleitet.

„Mimose darfst du in diesem Job keine sein“, betont Alex. Sie ist wie Kollegin Kathrin für die Parkraumüberwachung in Melk zuständig. Und das schon seit vielen Jahren. „Man ist im Freien und kommt mit vielen Leuten in Kontakt“, erzählt Kathrin von den schönen Seiten. Es seien auch schon Freundschaften entstanden und das Gros der Menschen sei freundlich, merkt Alex an. Nichtsdestotrotz sind die beiden und ihr Kollege – insgesamt sind drei Parksheriffs für die Stadtgemeinde unterwegs – immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Der Grund liegt auf der Hand beziehungsweise unter dem Scheibenwischer: Parksünder bekommen von ihnen Strafzettel, sogenannte Organstrafverfügungen, an die Windschutzscheibe geheftet. 25 Euro gilt es in Melk zu zahlen, wenn man kein Parkticket, ein abgelaufenes oder ein falsches im Fahrzeug hinterlegt hat.

Keine Provision für Strafen

Kathrin und Alex werden von uneinsichtigen Falschparkern regelmäßig zum Feindbild erklärt und zur Zielscheibe von Drohungen, Beschimpfungen und abfälligen Gesten gemacht. „Einer hat sogar schon versucht, mich zu überfahren“, erinnert sich Alex. „Mir wurde bereits eine Ohrfeige angedroht“, erzählt Kathrin. Beides wurde zur Anzeige gebracht. „Es sind oftmals dieselben, die sich über uns aufregen, aber wir machen ja nur unsere Arbeit“, betonen die zwei. Dafür würden sie sich mehr Verständnis wünschen. „Oft wird ja sogar behauptet, dass wir eine Provision fürs Strafen bekommen. Aber das stimmt nicht“, macht Alex aufmerksam.

Wichtige Einnahmen

Zwischen zehn und dreißig Parksünder erwischen die Melker Sheriffs täglich. Seit 2016 werden in der Innenstadt Parkgebühren eingehoben. Mit den rund 730 bewirtschafteten Stellflächen lukriert die Stadtgemeinde im Jahr zirka 360.000 Euro. „Für die Einführung der Parkgebühren gab es drei Bewegründe“, blickt VP-Bürgermeister Patrick Strobl zurück. „Man wollte eine höhere Fluktuation schaffen, damit Autofahrer schneller einen Parkplatz finden. Außerdem wollte man die Dauerparker wegbekommen. Beides hat funktioniert. Der dritte Beweggrund waren zusätzliche Einnahmen für die Gemeinde. Sie sind heute nicht mehr wegzudenken, weil mit den Geldern wichtige Projekte, etwa im Bereich der Straßensanierung, umgesetzt werden können“, so der Stadtchef. Änderungen am derzeitigen Parkgebührensystem seien nicht angedacht, so Strobl.

Auch Strobl schon erwischt

Mehr Aufmerksamkeit will die Stadtgemeinde künftig auf die Handy-App „easypark“ lenken. An den Parkscheinautomaten wird man Hinweissticker anbringen, um noch mehr Menschen zur App-Nutzung zu bewegen. Die Bedienung sei einfach, so Strobl. Auch er nutze easypark. „Oft wirft man am Automaten mehr ein, als nötig, weil man nicht das passende Kleingeld dabei hat und zahlt dann für mehr Zeit, als man nutzt. Wer die App verwendet, zahlt nur die tatsächliche Parkdauer“, wirbt der Stadtchef für das digitale Ticket. Ob auch er schon einen Strafzettel von den Melker Parksheriffs bekommen hat? „Ja, schon einige“, gibt der Stadtchef zu. „Und die habe ich natürlich auch bezahlt.“

Zehn Minuten Schonfrist

„Wir machen keine Ausnahmen, wir strafen alle gleich“, bestätigen Kathrin und Alex. Jedes Vergehen werde genau dokumentiert. Drei Fotos aus verschiedenen Perspektiven müssen die Überwachungsorgane von jedem Fahrzeug machen, das nicht ordnungsgemäß abgestellt wurde. Dafür werden mit einer speziellen Software ausgestattete Tablets genutzt. Wer kein Parkticket hinterlegt hat, bekommt eine Schonfrist von zehn Minuten. Denn zehn Minuten dürfen Fahrzeuge auch in den gebührenpflichtigen Zonen kostenlos abgestellt werden. Parkuhr muss man dafür übrigens keine stellen. Die Sheriffs nehmen die Daten der ticketlosen Fahrzeuge auf und bekommen nach Ablauf der Gratis-Parkzeit Erinnerungsmeldungen auf ihre Tablets. Dann wird erneut Nachschau gehalten.

Auf Augenhöhe

Freundlich, aber bestimmt müsse man als Parksheriff immer sein, erklären die beiden. Manchmal helfe das aber nichts. „Dann dreht man sich am besten um und geht“, so Kathrin. Was man sich als Parksheriff wünscht? „Mehr Begegnungen auf Augenhöhe. Denn wir machen ja nur unsere Arbeit“, erklären Alex und Kathrin einhellig.

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