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Online Redaktion, 26.04.2019 13:37

BEZIRK MELK.  Sturm, Schnee, Käfer und Pilz: Waldbesitzer haben momentan alle Hände voll zu tun. Tips hat mit dem Forstsekretär der Landwirtschaftskammer Melk, Andreas Zuser, über die Zukunft der Fichte, hof-ferne Waldbesitzer und das Eschensterben gesprochen.

Vielerorts stapelt sich das Schadholz. Im Bild: Vom Borkenkäfer befallenes Fichtenholz.
  1 / 2   Vielerorts stapelt sich das Schadholz. Im Bild: Vom Borkenkäfer befallenes Fichtenholz.

Der Borkenkäfer ist erneut in aller Munde – dieser Tage schwärmt er wieder aus. Im abgelaufenen Jahr verursachte er in Niederösterreich 3,2 Millionen Festmeter Schadholz – österreichweit waren es rund fünf Millionen Festmeter. Das ist ein Negativ-Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen (ab 1945). Ursache dafür war die große Trockenheit – die Fichten konnten deshalb weniger Harz produzieren, das es zur Abwehr von Schädlingen braucht. In den hiesigen Gefilden macht den Forstwirten und Fichten vor allem der sogenannte Buchdrucker zu schaffen. Er gehört zur Familie der Borkenkäfer, hat es gerne heiß und trocken und bohrt sich in die Baumrinden. Dort legt er seine Eier ab und frisst sich dann gemeinsam mit dem Nachwuchs durch den Bast. Das wiederum kann bei intensivem Käfer-Befall zum Absterben des Baumes führen.

Douglasien statt Fichten

Ob der Buchdrucker auch heuer wieder große Schäden anrichten wird? „Das hängt von der Witterung ab, also davon, wie viel Niederschlag es geben wird“, kann Andreas Zuser von der Landwirtschaftskammer Melk noch keine Prognose abgeben. Rund die Hälfte aller Bäume im Bezirk Melk sind Fichten. Auf deren Zukunft – sie gelten hierzulande als Brotbäume und leiden besonders unter dem Buchdrucker – angesprochen, meint Zuser: „In 20 bis 30 Jahren wird es die Fichte bestandsbildend (als Hauptbaumart; Anm.) unter 600 Meter Seehöhe nicht mehr geben. Die große Frage ist jetzt: Welche alternative Baumart gibt es, die auch am Markt bestehen kann, denn für Bauholzproduktion eignen sich nur Nadelhölzer“, so Zuser. „Große Hoffnungen setzt man derzeit in die Douglasie, weil sie trockenresistenter ist als die Fichte“, so der studierte Forstwirt weiter.

Verlustgeschäft Wald

Die starken Windwurf-Schäden im Süden Niederösterreichs im Oktober des Vorjahres, die großen Schneedruck-Schäden im Jänner im südlichen Waldviertel und nicht zuletzt die enormen Käfer-Schäden zeigen auch Wirkung am Holzmarkt – er ist übersättigt. Der Preis für gesundes Holz sei um ein Drittel gefallen, der für Käfer-Holz um mehr als die Hälfte. „Hinzu kommt, dass Waldbesitzer in Österreich zur Wiederbewaldung verpflichtet sind – da kann der Wald schnell zu einem Verlustgeschäft werden“, weiß Zuser.

„Verlorene Baumart“

Auch Eschen-Besitzer haben momentan wenig Grund zur Freude, denn das Eschensterben geht um. Die Ursache trägt den recht harmlos anmutenden Namen „Falsches Weißes Stängelbecherchen“. Dabei handelt es sich um eine aus Asien stammende Pilz-Art, die die Eschen dahinrafft. „Die Esche ist eine verlorene Baumart“, bringt es der Kammersekretär auf den Punkt. Sie sei hierzulande immerhin nach der Buche die zweitwichtigste Laubbaumart. Gewesen.

Hof-ferne Waldbesitzer

Rund 40 Prozent der Fläche des Bezirkes Melk sind bewaldet. Umgerechnet sind das knapp 40.000 Hektar Wald, die sich rund 4.000 Waldbesitzer teilen. In der Land- und Forstwirtschaft verwurzelt, sind allerdings immer weniger. „Die Zahl der hof-fernen Waldbesitzer steigt“, erklärt Zuser und das bereite ihm Sorge. Gemeint sind damit Waldbesitzer, die nicht mehr in geografischer Nähe zu ihren Wäldern wohnen. Das führe dazu, dass Wälder weniger oder nicht mehr bewirtschaftet werden, das habe langfristig negative Folgen auf die Holzindustrie und -wirtschaft.

Gute Zeiten

„Die Forstwirtschaft erlebt momentan schlechte Zeiten, aber es werden auch wieder gute kommen“, gibt sich der Kammersekretär dennoch optimistisch. Er sei nach wie vor vom Thema Wald begeistert – weil es wichtig und schön sei. Das gelte es auch den Menschen, die zunehmend das Wissen um die Natur verlieren, zu vermitteln.


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