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OBERWANG/MONDSEE. Alte Erinnerungen kommen nur, wenn man sie weckt. Deshalb luden Karola Birgel-Kaltenbrunner und Andreas Pillichshammer zu einem Nachmittag für Zeitzeugen, die sich an die ehemalige „fürstlich wredische Hofalpe“ erinnern können.

  1 / 2   Die Geschichte der aufgelassenen Hochalm soll zu einem Buch zusammengefasst werden. Fotos: Privat

Sie liegt im Gemeindegebiet Oberwang und wird gemeinhin als „Mondseeer Hochalm“ bezeichnet. Die Geschichte der heute aufgelassenen Alm ab ihrem Ursprung vor rund 200 Jahren und die Geschichten, die die Menschen mit ihrem Leben schrieben, weil sie dort arbeiteten oder zu Besuch waren, sollen am Ende zu einem Buch zusammen gefasst werden.

Die Bürgermeister beider Gemeinden waren anwesend. Nach ihren Willkommensgrüßen referierte die gelernte Heimatforscherin Birgel-Kaltenbrunner über die bisherigen Erkenntnisse aus den Archiven; etwa, dass die stattlichen Almgebäude, die 1974 demoliert wurden, nicht aus den Anfangszeiten der Alm stammten, sondern es im franziszeischen Kataster einen Hinweis auf ein noch früheres, etwa 70 Meter langes hölzernes Stallgebäude gibt. Wann dieses als auch das spätere, aus Stein gebaute, Almbebäude genau gebaut wurden, liegt noch im Dunkeln. Auch Architekt und Baumeister sind noch nicht erforscht. Es muss derselbe gewesen sein, wie jener vom Höribachhof in St. Lorenz, weil beide sich so ähneln.

Der Frankenmarkter Heimatforscher Franz Pillichshammer referierte über die Lebensbedingungen um 1830 im Mondseeland, die von großer Armut geprägt waren. Die Bauern waren so arm, dass sich zwei Nachbarn einen Knecht teilen mussten, weil ihn einer allein nicht hätte zahlen können. Die Leute waren klein, sie litten an Auszehrung - auch die Jungen. Die Hauseingänge kaum höher als 1,50 Meter, drinnen alles schmutzig vom Rauch, weil die Häuser keinen Kamin, hatten und in den Wäldern trieben Wolf und Luchs ihr Unwesen.

Zu dieser Zeit hatten die Herrschenden schon verstanden: Die Armen könnten aufbegehren, die französiche Revolution war erst 30 Jahre her. Daher sollten die Leute am Land beschäftigt werden – das mag wohl der politische Hintergrund für die große Rodungsaktion zur Schaffung der Hochalm gewesen sein.

Von der politischen zur Lebensgeschichte

Jene Besucher, die sich an die Zeit vor 1964, als die Gebäude noch intakt und die Alm noch in Betrieb war, erinnern konnten, waren ebenfalls am Wort. Viele hatten Fotos mitgebracht. Die älteste Besucherin mit 91 Jahren teilte ihre unbeschwerten Kindheitserinnerungen. Eine Besucherin erzählte vom Kreuz, das in der Almstube hing und nach dem Abriss nun im Alpenvereinshaus ist. Sie hatte es mitgebracht. Ein Besucher erzählte von einer Rast auf einem Bankerl auf der Alm, wo er seine Freundin herzlich umarmte, und dass die Verehrte von damals nun als seine Frau hier im Saal neben ihm sitzt. Da gibt es die Geschichte von der Glocke, die oben am First im Glockentürmchen hing und am Ende des Sommers der Leitkuh zum Abtrieb umgehängt wurde. Und einmal hat der junge Senner Karl der kleinen Traudi beim Himbeerplücken geholfen. Die Traudi ist heute selbst in Pension und kann sich an nichts erinnern, weil sie noch zu klein war, aber sie wird ihm wohl im Juni, wenn die Himbeeren kommen, zum Dank einen Himbeerkuchen bringen – mit 50 Jahren Verspätung.

Das ist Geschichte, wie sie Leute schreiben. Und weil sie wertvoll ist, waren sie als Zeitzeugen zu diesem Erzählnachmittag ins Fürstenzimmer des Schlosses Mondsee geladen, da wo früher nur die Mächtigen waren und auch heute nur wenige eingeladen werden. Aus Dankbarkeit für die Arbeit und Respekt vor dem Schicksal.


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