Zur foasten Raunacht ziehen in Nebelberg groteske Gestalten von Haus zu Haus
NEBELBERG. Die Feuerwehr Nebelberg hält einen heidnischen Brauch lebendig, der nur alle zehn Jahre zur Aufführung gelangt. Die Rede ist vom Raunachtsingen, mit dem „Glück herein, Unglück hinaus“ beschworen wird. Am 4. und 5. Jänner 2020 ist es wieder soweit.

Das Spektakel beginnt schon am Tag vor der „foastn Raunacht“ mit dem Verschreien. Der Ansager zieht von Haus zu Haus und kündigt das eigentliche Raunachtsingen am darauffolgenden Tag an. Damit lässt er den Dorfbewohnern noch Zeit, um Krapfen für den ganzen Tross zu backen.
Speiseplan aufgebessert
Denn früher, so die Überlieferung, hat sich das ärmliche, bäuerliche Hilfspersonal mit dem Raunachtsumtrieb den Speisezettel aufgebessert. Wieder andere sind überzeugt, dass mit diesem heidnischen Brauch, der bis in das 17. Jahrhundert zurückgeht, Dämonen und böse Geister von den Dörfern ferngehalten werden.
Wie auch immer, die Raunachtsänger sorgen auf jeden Fall für ausgelassene Stimmung. Dem Ansager folgen allerlei groteske vermummte Gestalten – wie der Rasierer, Scherenschleifer, Samenverkäufer, die so manche Scherze mit dem Publikum treiben.
Vom Guckkastenmann bis zu den Zitherern
Tags darauf eröffnet der Guckkastenmann den Reigen an Raunachtsängern. Er eilt der Truppe voraus. Dann sorgt der Platzmacher in den Bauernstuben für ausreichend Platz für den Vorausgeher, den Sterntreiber, Hans von Feserkern, Korizon, den Krapfentrager, Fleischnazl oder Lippl mit dem Pfeiferlbuam. Erst wenn all diese Gestalten mit ihren Sprüchen ihren Auftritt hatten, wird das Raunachtlied gesungen, das den Hausbewohnern Glück verheißt. Das Zusammengeben eines Brautpaares durch den Schulmeister gehört ebenfalls zum Brauch.
Wenn die Spieler dann ihren Lohn (in Form von Krapfen, Fleisch und vor allem Trinkgeld) erhalten haben, ziehen sie ab und lassen die Zitherer ihre Gstanzl singen.
Auftritt nur für Männer
Mehr als 70 Darsteller und an die 30 Helfer werden fürs Raunachtsingen in Nebelberg aktiv, wobei alle Figuren von Männern und Burschen verkörpert werden. Weil in den Bauernstuben meist nur bedingt Platz für Zuschauer ist, finden am 5. Jänner, um 13 und 16 Uhr auch zwei öffentliche Aufführungen statt. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.


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