Traditionelles Raunachtsingen lockte Publikum aus nah und fern nach Nebelberg
NEBELBERG. Lustig ging es zu beim heurigen Raunachtsingen der FF Nebelberg. Begonnen hat das Spektakel, das traditionellerweise nur alle zehn Jahre stattfindet, am Samstag mit dem Verschreien durch den Ansager. Das eigentliche Singen tags darauf sorgte dann für enormen Besucherandrang im sonnigen Nebelberg.

Bis weit in die Vorzeit reichen die Wurzeln dieses Raunachtsbrauches zurück, der am Schluss der zwölf Raunächte steht. Schon in heidnischer Zeit gab es rund um den Jahreswechsel allerlei Bräuche zur Abwehr von Geistern und Dämonen. Da könnte das Raunachtssingen seinen Ursprung haben. Steht doch das Glück wünschen mit dem Spruch „Glück herein, Unglück hinaus!“ im Mittelpunkt des Spieles. Und besonders viel Glück soll es bringen, wenn die Überbringer der Wünsche reichlich mit gutem Essen beschenkt wurden. Damit war der Raunachtsumzug, an dem früher vor allem die ärmere Bevölkerung teilnahm, auch noch eine willkommene Gelegenheit, den Speisezettel etwas aufzubessern.
Das „Nebelberger Raunachtspiel“ wurde schon 1929 in der „Zeitschrift für Volkskunde“ beschrieben und heute noch werden die Originaltexte aus dieser Zeit zu vorgetragen.
Engagierte Nebelberger
Dass dieses Brauchtum auch in unserer Zeit noch weiterlebt, ist vielen engagierten Nebelbergern zu verdanken Immerhin sind etwa 70 Figuren beteiligt, wobei alle Figuren – auch die Frauengestalten – nur von Männern und Burschen dargestellt werden. Aber auch die Frauen sind nicht untätig. Ihre Hilfe ist beim Vorbereiten der Kostüme, beim Herrichten der Gestalten oder bei der Verköstigung der vielen Besucher unverzichtbar.
Sonderbare Gestalten
Der Ablauf des Raunachtsingens ist seit jeher ziemlich gleich. Am Tag vor der letzten foast“n Raunacht zieht der Ansager hoch zu Ross mit seinem Tross von Haus zu Haus und kündigt das eigentliche Raunachtsingen für den folgenden Tag an. Bei diesem „Verschreien“ kommen auch die Zuschauer nicht so einfach davon: da wird der ein oder andere rasiert und frisiert, es werden Schuhe geputzt oder Öfen in den Bauernstuben vom Feuerwehrkommandanten persönlich gekehrt.
Am Tag vor dem Fest der Hl. Drei Könige geht es dann so richtig los: Zuerst tritt der Guckkastenmann mit seinem Weib auf und sie haben allerlei Getier in ihrem Guckkastl dabei. Dann kommt der Platzmacher, der lautstark dafür sorgt, dass genügend Platz für die nachfolgenden Figuren ist. Die kommen auch schon der Reihe nach daher. Da sind: Vorausgeher, Sterntreiber, Hans von Feserkern, Korizon, Krapfentrager, Fleischnazl und der Lippl mit den Pfeiferlbuam. Jede Figur gibt ihren Spruch zum Besten und dann wird gemeinsam das Raunachtlied gesungen, das den Hausbewohnern und allen Besuchern Glück verheißt. Und schon kommen weitere Gestalten nach. Da ist das Brautpaar, das verheiratet werden will, der Schulmeister mit seinem Bären ist dafür zuständig. Es wimmelt von Gendarmen, Pfeiferlbuben, Schuhputzern, Rasierern und noch vielen anderen lustigen und grotesken Gestalten. Nach der Darbietung verlassen Sänger und Gefolge die Stube, in die jetzt die Zitherer eintreten, die mit ihren kuriosen Instrumenten noch einige G'stanzln zum Besten geben. Dass dabei die eine oder andere Person aus dem Ort auf die Schaufel genommen wird, versteht sich von selbst.
Im Oberen Mühlviertel ist was los
Das Raunachtsingen lockt viele Besucher aus nah und fern an. Und weil selbst die größten Bauernstuben diese Besucherzahl nicht fassen konnten, gab es in Nebelberg und in Stift am Grenzbach Aufführungen im Freien und das bei wunderbarem sonnigem Winterwetter. Veranstaltet wurde das Raunachtsingen von der Freiwilligen Feuerwehr Nebelberg und viele ehrenamtliche Helfer waren am Gelingen dieser Veranstaltung beteiligt. Eine Besucherin brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen so engagierte Leute, dann ist auch was los bei uns im oberen Mühlviertel!“
Autor: Waltraud Müller


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden