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LINZ/LINZ-LAND. Engelbert Zeilinger (68) aus Neuhofen an der Krems wurde am 23. Februar zum dritten Mal in Folge für sechs Jahre zum Bezirksjägermeister gewählt. Wir haben mit ihm über die aktuellen Herausforderungen der Jagd gesprochen.

Engelbert Zeilinger vertritt seit zwölf Jahren die Interessen der Jäger. Foto: B.Moser
Engelbert Zeilinger vertritt seit zwölf Jahren die Interessen der Jäger. Foto: B.Moser

Tips:Wie geht es der Jägerschaft im Zentralraum - gibt es hier auch ein Nachwuchsproblem, wie etwa bei der Feuerwehr?

Zeilinger: Zum Glück nicht. Ich habe demnächst die ersten Jagdprüfungen. Alleine aus der Landwirtschaftsschule St. Florian absolvieren mehr als 30 Schüler pro Jahr die Prüfung, in der HBLA in Elmberg in Linz sind es 18. Der Rest ist eine bunte Mischung von 20 bis 70-jährigen. In Summe haben wir im Bezirk etwa 1800 ausgebildete Jäger, circa 800 kommen aus Linz.

Tips:Wie viele davon sind Frauen?

Zeilinger: Ich bin sehr stolz, dass wir in unserem Jagdbezirk mit elf Prozent fast 200 Jägerinnen und damit oberösterreichweit den höchsten Frauenanteil unter der Jägerschaft aufweisen können. Ich bin auch der erste Bezirksjägermeister, der eine Frau im Bezirksjagdausschuss hat. Die vergangene Periode war das Karin Zerobin aus Linz und jetzt ist es Elfriede Mayr aus Wilhering.

Tips:Was beschäftigt Sie im Moment in Ihrer Funktion als Bezirksjägermeister am meisten?

Zeilinger: Kürzlich hat der Bezirksjagdbeirat getagt, dort werden die Abschusspläne genehmigt. Ab 1. Mai sind Maibock und Schmalreh zum Abschuss freigegeben.

Tips:Der Maibock ist ja auch kulinarisch ein großes Thema.

Zeilinger: Durchaus, mit dem Maibock beginnt auch die Wildfleisch-Saison. Kulinarisch haben wir mit der Marke „Wildbret Linz-Land“ ein Alleinstellungsmerkmal. Die Reviere Neuhofen, St. Marien, Hofkirchen, Enns, Tillysburg und Oftering vermarkten ihr Wildbret gemeinsam. Es wird zentral zerteilt, zerlegt und vakuumverpackt und privat (ab Hof, ab Strecke oder ab Jagdgesellschaft) oder an die regionale Gastronomie verkauft. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Früher haben die Leute ja auch einen Fasan im Federkleid oder einen Hasen im Balg gekauft. Aber in welcher Küche kann man heute noch einen Fasan rupfen?

Tips: Wie funktioniert die Vermarktung in anderen Bezirken?

Hier läuft die Vermarktung über Wildbrethändler. Diese bringen das Fleisch in die Gastronomie oder in Supermärkte. Unser System bedeutet zwar viel Arbeit, dafür bleibt den Jägern mehr und die Wertschöpfung in der Region.

Tips:Viel Arbeit haben Jäger und Förster derzeit auch durch die Schadholz-Aufarbeitung. Wie schlimm ist es in Linz-Land?

Zeilinger: Der Borkenkäfer ist eine Plage. Wenn plötzlich viele Hektar Wald einfach weg sind, verliert das Wild seinen Lebensraum. Wir haben auch sehr viele Fichten, aber wir sind zum Glück nicht so stark betroffen wie etwa das Mühlviertel. Das mag daran liegen, dass wir tiefgründige, schwere Böden haben, und der Baum mehr Feuchtigkeit hat, um den Käfer zu ertränken. Der Käfer bohrt ja in den Baum rein und wird mit Harz wieder rausgeschwemmt. Wenn der Baum zu wenig Feuchtigkeit hat oder anders geschwächt ist, hat er keine Chance.

Tips: Das Wild muss in diesem Fall weiterziehen?

Zeilinger: Daher werden auch keine großflächigen Einzäunungen mehr gefördert. Es werden viele Laubbäume auf kleineren Flächen gesetzt, die einzeln oder in kleinen Gruppen eingezäunt werden.

Tips: Neben dem Borkenkäfer ist auch der Wolf ein großes Thema in der Jägerschaft.

Zeilinger: Zum Glück sind wir da in Linz-Land nicht betroffen. Dafür macht uns das Schwarzwild immer wieder Sorgen, im Kürnbergerwald oder entlang der Donau von Enns bis Alkoven. Aber das haben wir jetzt zum Glück im Griff. Wir schießen zwischen 60 und 90 Wildschweine pro Jahr und können das Schadwild so eindämmen.

Tips:Schwierigkeiten haben Jäger auch immer mit Joggern oder Radfahrern. Sind Sie für Sperrzonen?

Zeilinger: Mir ist wichtig, dass die Naturnutzer auf den vorgesehenen Wegen bleiben und wenig Lärm machen. Derzeit gibt es ganz viele junge Haserl, es ist die Gelegezeit von Fasan und Ente und auch die ersten Rehe bekommen schon wieder ihre Jungen. Daher lautet der Appell der Jägerschaft: Bitte in dieser Zeit die ausgewiesenen Wege nicht verlassen, damit die Tiere ihre Ruhe haben und nicht gezwungen sind, ihren Einstand zu verlassen. Es gibt ohnehin schon so wenig Niederwild, weil die Krähen und Elstern so viele Eier und Jungtiere holen.

Jagdbezirk Linz-Land:

Der Jagdgebiet umfasst die Bezirke Linz Stadt und Linz-Land in der Nord/Süd Ausrichtung vom Pöstlingberg bis Kematen und von West nach Ost von Kirchberg-Thening bis Kronstorf.


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