„Ohne die LKW hätten wir gar kein Verkehrsproblem“

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David Ramaseder David Ramaseder, Tips Redaktion, 19.09.2019 07:58 Uhr

NEUHOFEN AN DER KREMS. Was bewegt derzeit die Neuhofner und was steht auf der politischen Agenda der Marktgemeinde? Wir haben nachgefragt und uns mit Bürgermeister Günter Engertsberger (SPÖ) unterhalten. 

Tips: Was tut sich in Neuhofen?

Günter Engertsberger: Die Umfahrung. Das Land Oberösterreich möchte jetzt diese Umfahrungsvariante, die wir schon seit Jahrzehnten im örtlichen Entwicklungskonzept freihalten, verordnen. Und da gibt es eine Menge Gegner, aber auch Befürworter.

Tips: Was spricht dagegen?

Engertsberger: Neuhofen würde eine Ortsumfahrung brauchen, wenn wir nach wie vor die LKW Belastungen haben. Wenn das seit 10 Jahren bestehende LKW-Fahrverbot exekutiert werden würde, hätten wir überhaupt kein Problem. Außerdem hat eine Erhebung ergeben, dass 80 Prozent des Verkehrs hausgemacht sind, also von der eigenen Bevölkerung. Wir haben da Zählungen gemacht, da sind teilweise Autofahrer dabei, die achtmal am Tag in den Ort aus und ein fahren.

Tips: Wie kann man diese Fahrten minimieren?

Engertsberger: Da hätten wir uns in einem tollen Projekt mit Piberbach und Kematen zusammengeschlossen, um stundenweise Busverbindungen an den Bahnhof zu gewährleisten. Aber das Land hat vor einigen Jahren die Finanzierung abgedreht.

Tips: Was gibt es sonst aktuell für Bauvorhaben?

Engertsberger: Wir haben jetzt gerade einige Großbaustellen, die bis in den Oktober fertig werden sollen. Das Forum wurde renoviert, die Heizung in der Schule saniert und ein Kindergarten errichtet. Wir haben auch ein besonderes Projekt, wo wir im Zentrum für Betreuung und Pflege zwei Krabbelstuben-Gruppen hineinbauen. So können sich Alt und Jung ergänzen und die älteren Leute haben eine Freude mit den Kindern. Man merkt wie sie auf einmal wieder aufleben sowie an Lebensqualität gewinnen.

Tips: Was wird in Neuhofen für den Umweltschutz getan?

Engertsberger: Wir sind die einzige Gemeinde in Oberösterreich, die einen Umwelt-Masterplan hat. Der wurde vor zwölf Jahren schon mit der BOKU Wien erstellt, in dem wir 91 Punkte haben, nach denen wir vorgehen und leben. Zum Schutz von Flora und Fauna wurden Gebiete definiert, die Firmen – und auch wir als Gemeinde – verwenden nur noch biologisch abbaubare Reinigungsmittel. Zudem wurde auf LED-Beleuchtung umgestellt und besonders auf den Schutz der Insekten geachtet.

Tips: Gibt es auf diesem Gebiet auch besondere Leuchtturmprojekte?

Engertsberger: Von der geologischen Lage hat Neuhofen ein Problem bei Starkregen, es gab von den Feldern in Hanglage oft Vermurungen. Wir hätten dafür ein Hochwasserschutzprojekt eingereicht, das hätte eine dem Land eine Million Euro gekostet. Jetzt sind wir mit den Landwirten in Kontakt getreten und haben gesagt, früher waren hier Wiesen und keine Felder. Und die Bauern haben ja selber den Schaden, weil wenn der Humus abgetragen wird, braucht der wieder 40 Jahre bis er sich erholt. Und ist er einmal auf der Straße gelegen, darf er nicht mehr aufs Feld ausgebracht werden – das ist dann laut Gesetz Sondermüll. Daher habe ich mit den Besitzern ein Projekt entwickelt, wo wir als Gemeinde den Grund begrünen und für 1.500 Euro pro Hektar pachten, weil sie ja dann keinen Ertrag mehr haben dadurch. Das läuft jetzt drei Jahre und wir haben seither keine Mure mehr gehabt. Und wir haben vielleicht 100.000 Euro dafür investiert, statt einer Million.

Tips: Was steht auf der politischen Agenda für Neuhofen?

Engertsberger: Wir haben ein großes Projekt, Neuhofen 2020, das ist nicht von Politikern erdacht, sondern vom hohen geistigen Potential der Neuhofner Bevölkerung. Das gibt es seit 2009 und hat festgelegt, wie soll 2020 Neuhofen aussehen, wie viel Einwohner soll es haben, wie schaut es mit der Wirtschaft aus, mit den Schulen usw. Das gesamte Projekt wurde leider vom Gemeinderat nicht beschlossen, nur einzelne Projekte Schritt für Schritt. Ich habe da eine andere Meinung gehabt und gesagt, wenn sich die Bevölkerung schon die Arbeit macht und auch privat finanziert, dann ist das ein Kopfstoß wenn das nicht beschlossen wird. Ich habe mich jedenfalls bemüht, nach diesem Konzept zu handeln und damit sind wir ganz gut gefahren. Es geht da auch um Umwidmungen von Flächen, was dann nicht gemacht wird, wenn es von Neuhofen 2020 als schützenswerte Fläche ausgewiesen wurde. 

Tips: Wie wird die Entwicklung weitergehen?

Engertsberger: Es wird demnächst für die nächsten zehn Jahre das örtliche Entwicklungskonzept entstehen, da wird geschaut, wieviel Betriebs- und Wohnansiedelung verträgt die Marktgemeinde. Wir haben einen extremen Zuzug, sind die am stärksten wachsende Gemeinde im Bezirk. Da steigen wir auf die Bremse, dass nicht alles umgewidmet wird weil die Baugründe sehr teuer sind. Seit ich Bürgermeister bin, wird nur noch umgewidmet, wenn der Grundeigentümer mit zahlt. Weil er hat einen Wertgewinn und die öffentliche Hand zahlt ihm dann Kanal, Beleuchtung und Straße, mit der Zeit kann sich das die Gemeinde nicht mehr leisten. Wenn jetzt umgewidmet wird, besteht zudem Bauzwang. Nach drei Jahren muss der Baubescheid da sein und nach sechs Jahren das Haus stehen und es muss ein Infrastrukturbeitrag bezahlt werden.

Tips: Mit dem Forum ist Neuhofen kulturell gut aufgestellt. Was tut sich dort in nächster Zeit?

Engertsberger: Wir wollen uns als Kinder-Kulturzentrum etablieren und hatten in den letzten zwei Jahren Kinderkulturveranstaltungen gehabt. Da sind auch die Kindergärten gekommen und die sind sehr gut angekommen. Das gibt es sonst nirgends. Aber natürlich haben wir nicht ausschließlich Programm für Kinder, wir schauen auch, dass wir pro Halbjahr drei bis vier hochwertige Veranstaltungen für die Allgemeinheit haben. 

Tips: Was tut sich bei den Vereinen in der Gemeinde?

Engertsberger: Jetzt ist bald der Bürgermeisterempfang, den gib es seit ich Bürgermeister bin. Andere Gemeinden machen den für die Wirtschaft, ich mache es für die Freiwilligen in den Vereinen. Rettung, Feuerwehr und die aktiven Vereine, die sich auch ums soziale Leben im Ort kümmern, Feste ausrichten, den Maibaum aufstellen oder ähnliches. Personen, die sich da besonders engagieren, bekommen von mir eine Dank- und Anerkennungsauszeichnung. Damit haben sie auch freien Zugang zu den Gemeindeveranstaltungen und das kommt recht gut an. Aber auch die Wirtschaftstreibenden, die etwa die lange Einkaufsnacht organisieren, da ist bei uns immer der Bär los, die werden dort auch geehrt und eingeladen.

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