Rockster: So spielt der Bezirk Freistadt in der Standort-Frage den Trumpf aus
NEUMARKT.Warum tauscht ein expandierendes Unternehmen eine Gunstlage nahe dem Ennshafen mit einem Produktionsstandort in Matzelsdorf? „Hauptgrund waren die verlässlichen Mühlviertler Arbeitnehmer“, sagt Wolfgang Kormann. Er befindet sich mit seiner Firma Rockster Austria International GmbH auf Expansionskurs. Der Betrieb stellt Kompaktbrech- und Siebanlagen her und will mittelfristig von 34 auf 50 Mitarbeiter aufstocken - das ist Wasser auf die Mühlen der WKO als regionaler Standortentwickler.

2004 gründete Wolfgang Kormann seinen Betrieb in Enns, übersiedelte jedoch schon vier Jahre später nach Ennsdorf. Steigende Verkaufszahlen, erweitertes Produktportfolio und die Forderung nach kürzeren Lieferzeiten waren die Hauptargumente für die Produktionserweiterung, die Rockster im Jahr 2019 binnen kürzester Zeit in einem bestehenden Firmengebäude in Matzelsdorf umsetzte. „Vor allem war es aber die Tatsache, dass der Personalwettbewerb im Mühlviertel nicht so groß ist und wir gute Erfahrungen mit Mühlviertler Arbeitnehmern gemacht haben“, sagt der Unternehmer, der in Schwertberg lebt. „Wir wollen die Mühlviertler zurück ins MÜhlviertel holen“, betont er und verweist auf eine Buchhalterin aus Kefermarkt, die ihre 20-jährige Tätigkeit bei einer Linzer Bank gegen eine Anstellung bei Rockster eingetauscht hat. „Früher war sie in der Woche 32 Stunden unterwegs. Jetzt arbeitet sie 25 Stunden bei uns und ist in fünf Minuten daheim.“
Basis für 50 Mitarbeiter schaffen
Als Hersteller von kompakten, mobilen Maschinen zum Brechen von Beton, Asphalt und ähnlichen Materialien beschäftigt Rockster derzeit 34 Mitarbeiter in Matzelsdorf und Ennsdorf. Innerhalb von fünf Jahren sollen alle Beschäftigten nach Matzelsdorf übersiedeln. Kormann: „Wir haben einen Zehn-Jahres-Plan, der eine Aufstockung auf rund 50 Mitarbeiter vorsieht.“ Derzeit stellt der Betrieb jährlich 26 Brecher her, mit der Personal- und Kapazitätsaufstockung soll die Basis für 50 Maschinen pro Jahr geschaffen werden. Das Vertriebsnetz ist bereits jetzt weltweit ausgelegt, Hoffnungsgebiete sind vor allem noch Afrika und Australien. Kormann denkt dabei vor allem an den Abriss von Gebäuden, bei dem das anfallende Material kostensparend und umweltfreundlich gleich vor Ort zerkleinert und wieder in den Bau eingebracht werden kann. Den weltweiten Bedarf an Brechern beziffert er für das Jahr 2024 mit rund 17.000 Maschinen.
Hemmschuh langsames Intenrnet und Bürokratie
Leider gibt es auch Hemmschuhe für den eingeschlagenen Expansionskurs. Der Rockster-Chef nennt beispielsweise das langsame Internet und überteuerte Glasfaser-Anschlüsse, die ausufernde Bürokratie und der fehlende Vollanschluss der S10 in Neumarkt. Mit seiner Forderung nach Verbesserung rennt er bei der WKO Freistadt offene Türen ein. Denn für den neuen WKO-Obmann Christian Naderer hat die Ankurbelung der Dynamik von Freistadt als Wirtschaftsstandort oberste Priorität. Verkehrsprojekte wie die Verlängerung der S10 Richtung Staatsgrenze in Wullowitz und den Ausbau des überlasteten Kreisverkehrs an der B 124 hat Naderer ebenso auf seiner Wunschliste wie kürzere Fahrzeiten auf der Summerauerbahn und Anreizsysteme für Pendlerfahrgemeinschaften (Stichwort: Belohnung durch Unternehmen).
Nicht immer nur auf der grünen Wiese bauen
Was die Sicherung von Betriebsflächen im Bezirk betrifft, plädiert Obmann Naderer für ein Umdenken: „Es muss nicht imme ein Acker oder eine grüne Wiese sein, vielleicht lässt sich auch einmal ein vom Borkenkäfer gepeinigtes Waldstück für einen Betrieb umwidmen!“ Auch Leerstände in Ortskernen würden sich für Betriebsansiedlung anbieten. „Warum kann man nicht fünf nebeneinander stehende Häuser abreißen, umwidmen und so Platz für Unternehmen schaffen?“ spricht er konkret das Beispiel Ortskern St. Leonhard bei Freistadt an. Mittelfristig müsse es aus wirtschaftlicher Sicht zumindest gleich attraktiv sein, ein bestehendes Objekt komplett zu erneuern wie einen neuen Baugrund zu bebauen.


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