Bundes-Dienststellen in den ländlichen Raum verlagern
NEUSTIFT. In Zeiten des digitalen Wandels und der elektronischen Revolution sei es völlig unerheblich, ob das Patentamt in Wien, in Rohrbach oder in Neustift seinen Sitz hat: Mit dieser Aussage zeigte Bundesratspräsident Gottfried Kneifel bei seinem Besuch in Neustift auf, dass man die Abwanderung aus den Grenzregionen nicht tatenlos hinnehmen muss.

„Wir dürfen die negative Bevölkerungsentwicklung unserer Gemeinden und Bezirke in den Grenzregionen nicht als gottgegeben oder schicksalshaft zur Kenntnis nehmen, sondern müssen mit klaren Konzepten und mit politischer Umsetzungskraft dagegen ankämpfen“, betonte der Bundesratspräsdient. Ein Lösungsweg ist für ihn die Verlagerung von Dienststellen des Bundes in den ländlichen Raum. Von den insgesamt 68 Dienststellen und Ämtern des Bundes haben 65 ihren Sitz in Wien; dazu kommen weitere 37 internationale Organisationen, die ebenfalls in Wien eingerichtet sind.
„Mit der Verlagerung wären enorme Kaufkrafteffekte für die ländlichen Regionen verbunden“, zitierte Kneifel aus einer Studie des Institutes Wirtschaftsstandort OÖ unter der Leitung von Universitäts-Professor Friedrich Schneider. Bayern zeigt es vor, wie es funktionieren kann: In den kommenden Jahres werden 3155 Bundesdienststellen von München in die strukturschwachen Kreise und Regierungsbezirke verlagert. „Wenn wir uns zu gleichwertigen Entwicklungs-Chancen der Menschen im ländlichen Raum bekennen, muss es auch ein Bekennntis zum Prinzip der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land geben“, meinte Gottfried Kneifel weiter.
Mit seiner „Aktion Lokalaugenschein“ sammelt er Erfahrungen über die Folgewirkungen von Bundesgesetzen. In Neustift besuchte er das Gemeindeamt, die Bäckerei Kurt Wöss, Holzverarbeiter Peter Ecker sowie die Tischlerei Erwin Kalischko. Am Abend gab es im Gasthaus Weiss eine Diskussion mit Vertretern der regionalen Wirtschaft.


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