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"Für uns wäre es der Supergau, wenn die Polizei unsere zwei Jungs mitnehmen würde"

Sebastian Wallner, 02.03.2018 14:00

NEUSTIFT. Aus der Not heraus hat man sich im Gasthaus Wundsam vor einiger Zeit dazu entschlossen, die beiden Asylwerber Zabi und Ramasun als Lehrlinge einzustellen. Österreicher konnte man für die Stelle keine finden. Nun haben beide einen negativen Asylbescheid zugestellt bekommen.

Arthur Wundsam Junior (r.) und seine Lehrlinge Zabi (l.) und Ramasun.
Arthur Wundsam Junior (r.) und seine Lehrlinge Zabi (l.) und Ramasun.

„Anfangs war ich skeptisch, aber in der Not, da es einfach unmöglich ist, österreichische Lehrlinge zu finden, haben wir uns auf das Projekt eingelassen und wir wurden mehr als überrascht“, sagt Küchenchef Arthur Wundsam Junior. „Zabi und Ramasun haben sich innerhalb kürzester Zeit in unser Team eingegliedert. Sie sind motiviert, lernbegierig, hilfsbereit, zuvorkommend, achtsam und freundlich“, so Wundsam weiter. Der negative Asylbescheid sei sowohl für die beiden, als auch für den Betrieb eine Katastrophe. 

Ein Drittel mit negativem Bescheid

In Oberösterreich sind derzeit 312 Asylwerbende in Ausbildung. Gut ein Drittel dieser 312 hat bereits einen negativen Asylbescheid in erster Instanz erhalten. Im Fall einer Bestätigung des negativen Bescheids in zweiter Instanz, können die Betroffenen sofort abgeschoben werden. Das fürchtet man auch im Gasthaus Wundsam: „Für unseren kleinen Betrieb wäre es der Supergau, wenn die Polizei während dem Sonntagmittagsgeschäft plötzlich in unserer Küche steht und unserer zwei Jungs mitnehmen würde.“

Erfolgreichste Integrationschance

Die Problematik ist auch Landesrat Rudi Anschober von den Grünen bewusst: „Die Abschiebung von Asylwerbenden in Lehre schadet nicht nur den Unternehmerinnen und Unternehmern, sie verhindert auch eine der erfolgreichsten Integrationsmöglichkeiten. Eine der größten Chancen für die Integration ist die Eingliederung von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt. Eine Chance für die Betroffenen selbst, aber auch für die Unternehmen und unsere Gesellschaft. Schließlich bringt eine Lehrstelle Fachausbildung, Sprachkompetenz, Freundschaften und Einbindung in die österreichische Gesellschaft.“

Ausbildung statt Abschiebung

Er will die Plattform Ausbildung statt Abschiebung neu beleben und fordert auch die Bürgermeister und Gemeinden auf, aktiv zu werden. Linz, Luftenberg und Aigen haben bereits Resolutionen an die Bundesregierung verabschiedet mit dem Aufruf zu einer Lösung für Asylwerbende in der Lehre.

Möglich sei laut Anschober ein Modell, ähnlich der deutschen „Drei plus Zwei Regelung“. Diese besagt, dass Asylwerbende für die Zeit der Lehre sowie für weitere zwei Jahre einer anschließenden Beschäftigung einen Anspruch auf Erteilung einer Duldung haben.

Auf eine zeitnahe Lösung hofft man auch im Gasthaus Wundsam. Die Lehre sei für alle eine große Chance ist man dort überzeugt. Für das Land, die Betriebe und die Migranten.


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