Kärnten reagiert auf Kehrtwende: Neues Zentrum für sexuelle Gesundheit
KÄRNTEN. Sexuell übertragbare Krankheiten sind wieder auf dem Vormarsch. Kärnten reagiert und baut den etablierten „Checkpoint“ zu einem umfassenden Kompetenzzentrum aus, das Diagnose, Beratung und Therapie bündelt.

Angesichts alarmierender Zahlen, die sexuell übertragbare Krankheiten weltweit und auch in Österreich wieder im Vormarsch sehen, setzt das Bundesland Kärnten ein entschlossenes Zeichen. Zum Welt-Aids-Tag präsentiert das Gesundheitsressort den Ausbau des bekannten „Checkpoint sexuelle Gesundheit“ in Klagenfurt zu einem umfassenden Kompetenzzentrum.
Bisher bot die Einrichtung vor allem Beratung und Testungen für sexuell übertragbare Infektionen und HIV an. Ein wichtiger Pfeiler fehlte jedoch: die sofortige medizinische Behandlung außerhalb des Krankenhausumfelds. Positive Testergebnisse mussten bisher an das Klinikum Klagenfurt überwiesen werden, was oft als Hürde empfunden wurde und in der Folge dazu führte, dass Therapien gar nicht erst begonnen oder abgebrochen wurden.
Best Point of Service ab 2026
Dieser Mangel wird nun behoben. Ein Beschluss der Landes-Zielsteuerungskommission Gesundheit macht den Weg frei für einen „best point of service“, der alle Schritte – vom anonymen Test über die Diagnose bis hin zur Therapie – an einem einzigen, niederschwelligen Ort vereint. Das neue Kompetenzzentrum soll Mitte 2026 den Betrieb aufnehmen. Es wird künftig zusätzlich zu den bewährten Beratungs- und Testangeboten auch Diagnostik, Therapie und präventive Maßnahmen bündeln. Für die erweiterte medizinische Betreuung sind zunächst zwei Öffnungstage pro Woche vorgesehen, um über 2.000 jährliche Kontakte abzuwickeln. Finanziert wird der Ausbau durch den Kärntner Gesundheitsfonds und die Sozialversicherung, was eine schnelle und nachhaltige Umsetzung des Projekts sichert.
Niederschwelligkeit und Prävention
Die Neuausrichtung verfolgt das Ziel, die Versorgung für Betroffene wesentlich zugänglicher zu machen und gleichzeitig die entsprechenden Abteilungen im Klinikum Klagenfurt zu entlasten. Die Bündelung der Leistungen soll zu einer besseren Früherkennung und Behandlungstreue führen, gerade weil Krankheiten wie Gonorrhoe und Syphilis wieder zunehmen.
Die Präventionsarbeit wird ebenfalls ausgebaut: Ab 2026 startet ein anonymes, KI-basiertes 24/7-Online-Chatangebot für Jugendliche und junge Erwachsene. Dieses wird von Fachexperten mit korrekten und jugendfreundlichen Informationen bespielt. Auch bewährte Instrumente der Vorsorge, wie die vorbeugenden HIV-Medikamente PrEP und PEP, werden stärker in den Fokus gerückt.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden