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WIEN. Ein 150 Millionen Jahre alter Mini-Hai bringt die Forschung ins Grübeln: Bavariscyllium passt in keine heutige Haiordnung – und könnte die Evolutionsgeschichte neu schreiben.

Holotypus des Urzeithais Bavariscyllium (Foto: Jürgen Kriwet, Universität Wien)
Holotypus des Urzeithais Bavariscyllium (Foto: Jürgen Kriwet, Universität Wien)

Ein unscheinbares Fossil sorgt für Aufsehen in der Hai-Forschung. Der nur etwa 25 Zentimeter lange Urzeithai Bavariscyllium stammt aus den rund 150 Millionen Jahre alten Solnhofener Plattenkalken in Bayern – einer der bedeutendsten Fossillagerstätten weltweit.

Ein internationales Team um Sebastian Stumpf vom Naturhistorisches Museum Wien und der Universität Wien analysierte neue Skelette und isolierte Zähne. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Communications Biology.

Das Besondere: Bavariscyllium besitzt ein bartelartiges Sinnesorgan an der Kehle. Solche Strukturen kennt man heute nur von wenigen Vertretern der Ammenhaiartigen.

Zwischen Ammenhai und Katzenhai

Gleichzeitig zeigt der Urzeithai Merkmale moderner Katzenhaie, die zu den Grundhaien zählen. Genau diese Mischung sorgt für Kopfzerbrechen: Das Tier lässt sich keiner heutigen Ordnung eindeutig zuordnen.

Die Zahnform deutet auf einen unspezialisierten Jäger hin, der kleinen Beutetieren nachstellte. Doch entscheidender ist die größere Erkenntnis: Haie entwickelten ihre Vielfalt an Körperformen offenbar deutlich früher als bisher angenommen.

Neue Fragen zur Evolution

Die Studie legt nahe, dass frühe Haie variantenreicher waren, noch bevor sich die heutigen Baupläne etablierten. Das erschwert die Einordnung fossiler Funde – und könnte sogar die Datierung ganzer Stammbäume verändern.

Zahnfunde, die bislang als älteste Vertreter moderner Haiordnungen galten, könnten in Wahrheit zu solchen ursprünglichen Formen gehören.

„Wenn wir nicht mit Sicherheit sagen können, ob bestimmte fossile Zähne tatsächlich zu einer bestimmten Haiordnung gehören, dann müssen wir auch die damit verbundenen Altersabschätzungen mit größerer Vorsicht behandeln“, sagt Studienleiter Sebastian Stumpf. „Bavariscyllium macht deutlich, dass die frühe Evolution moderner Haie komplexer war als bisher gedacht und viele Formen möglicherweise in kein einfaches Schema passen.“


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