Schatzhauser: Reinhard Mey kündigt sein 30. Studioalbum an – ein Werk ganz ohne Begleitung
DEUTSCHLAND. Fast 60 Jahre nach seinem Debüt geht Reinhard Mey einen besonderen Schritt. Das Album „Schatzhauser“ entsteht erstmals komplett solo im Studio.

Reinhard Mey setzt ein leises, aber kraftvolles Zeichen. Mit „Schatzhauser“ kündigt der große Liedermacher sein 30. Studioalbum an – und kehrt dabei so konsequent wie nie zu seinem Ursprung zurück. Fast sechs Jahrzehnte nach seiner ersten LP steht wieder das im Mittelpunkt, was seine Musik immer getragen hat: ein Lied, eine Stimme, eine Gitarre.
Vom jungen Barden zum Meister der leisen Töne
Der Blick zurück zeigt ein ikonisches Bild: ein 24-jähriger Reinhard Mey vor einer Ruinen-Kulisse, nur mit seiner Gitarre in der Hand. Der Barde und sein Lied, sich selbst begleitend, mehr nicht. Mehr braucht es nicht. Dieses Prinzip prägte nicht nur sein Debütjahr 1967, sondern auch seine rund 2000 Konzerte auf großen Tourneen.
Ganz so puristisch war das erste Album damals noch nicht. Im Studio unterstützten ihn bereits Musiker. In den folgenden Jahrzehnten wagte Mey viel, arbeitete mit großen Orchestern, probierte moderne Sounds und ließ seine Lieder von unterschiedlichsten Klangfarben tragen. Doch eines blieb unverändert: Das Lied selbst stand immer im Zentrum, seine Seele brauchte keine Garnitur.
Ein Album ohne Netz und doppelten Boden
Mit „Schatzhauser“ geht Reinhard Mey nun einen Schritt weiter. Erstmals hat er ein Studioalbum vollständig allein aufgenommen. Kein Orchester, keine zusätzliche Instrumentierung, keine Arrangements – nur er und seine Musik. Gleichzeitig erscheint das Werk erstmals seit 40 Jahren nicht im Mai, sondern im September.
Damit wird dieses Album zu einem besonderen Meilenstein in seiner Karriere. Es ist eine Rückkehr zur Essenz und gleichzeitig ein bewusster künstlerischer Schritt, der seine Handschrift noch klarer sichtbar macht.
Zwischen Melancholie und Hoffnung
Inhaltlich bleibt Mey sich treu. „Schatzhauser“ widmet sich den großen Themen des Lebens. Es geht um Vergänglichkeit und Abschied, aber ebenso um Liebe, Hoffnung und Zuversicht. Das Album blickt in melancholische Seelenräume, ohne darin zu verharren.
Der Titel verweist auf die Figur aus der Literatur von Wilhelm Hauff – freundlich, weise und von gutem Herzen. Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Werk. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Nachdenklichkeit und innerer Ruhe.
Ein Sonnenuntergang, der lange bleibt
Das zentrale Bild des Albums ist der Sonnenuntergang. Er steht für das Ende eines Tages, aber auch für Schönheit und Dauer. Gerade ein Sommerabend im Norden zieht sich lange hin, das Licht verschwindet nur langsam. Genau darin liegt die Stärke von „Schatzhauser“. Es ist kein Abschiedsalbum, sondern ein Werk voller Tiefe und Reife.


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