Kaffee-Revolution in Wien: Julius Meinl röstet jetzt mit grünem Wasserstoff statt Gas
WIEN. Nachhaltiger Kaffeegenuss bekommt in Wien einen neuen Schub. Julius Meinl setzt jetzt auf grünen Wasserstoff – und spart dabei CO2.

Seit mehr als 160 Jahren wird in Ottakring Kaffee geröstet. Jetzt beginnt auf dem traditionsreichen Julius-Meinl-Areal eine neue Ära: Das Wiener Familienunternehmen hat gemeinsam mit Wien Energie den ersten wasserstoffbetriebenen Kaffeeröster Österreichs in Betrieb genommen. Statt mit fossilem Gas wird Rohkaffee ab sofort mit 100 Prozent grünem Wasserstoff veredelt.
Premiere mit Signalwirkung
Was nach technischem Detail klingt, ist in Wahrheit ein bemerkenswerter Schritt für die gesamte Branche. Die Kaffeeröstung zählt zu den energieintensivsten Phasen der Produktion. Gerade hier braucht es konstante Temperaturen und verlässliche Prozesse. Genau deshalb galt der Umstieg lange als schwierig. Nun zeigt Julius Meinl, dass nachhaltige Innovation auch dort möglich ist, wo bislang vor allem Flüssiggas oder Erdgas im Einsatz waren.
Der grüne Wasserstoff stammt von Wien Energie und wird in Simmering in einer eigenen Elektrolyseanlage erzeugt. Die Energie dafür kommt aus regionaler Wind-, Sonnen- und Wasserkraft. Von dort gelangt der Wasserstoff in Gasflaschen nach Ottakring, wo er nun für die Röstung verwendet wird.
200 Grad, volle Qualität, weniger CO2
Der neue Röster erreicht rund 200 Grad Celsius und verarbeitet pro Charge 12 Kilogramm Rohkaffee. Das Entscheidende dabei: Laut Unternehmen liefert die Anlage bereits dieselben Röstergebnisse wie herkömmliche Systeme – nur eben CO2-frei im Röstprozess. Pro Röstvorgang werden im Vergleich zur bisherigen Röstung mit Flüssiggas rund 2 Kilogramm CO2 vermieden.
Auf das Jahr gerechnet steckt darin für den Wiener Standort erhebliches Potenzial. Julius Meinl spricht von möglichen Einsparungen von bis zu 300 Tonnen CO2 oder mehr jährlich. Für ein Traditionsunternehmen, das auf Qualität und Beständigkeit setzt, ist das ein klares Signal: Klimaschutz und Kaffeekunst müssen kein Widerspruch sein.
Zehn Jahre Entwicklung bis zum Start
Ganz neu ist die Idee hinter dem Wasserstoff-Röster allerdings nicht. Dem Projekt gingen laut Julius Meinl rund zehn Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit voraus. Für das Unternehmen ist die neue Anlage deshalb mehr als nur ein Pilotversuch. Sie gilt als strategischer Baustein für die nachhaltige Weiterentwicklung der Kaffeeproduktion.
Auch Wien Energie sieht darin ein Vorzeigeprojekt mit Strahlkraft über die Kaffeeindustrie hinaus. Denn Wasserstoff soll künftig nicht nur in der Lebensmittelbranche, sondern auch in Mobilität, Bauwirtschaft, Industrie und Energieversorgung eine größere Rolle spielen.
Dass Wien den Energieträger längst breiter denkt, zeigt sich bereits an anderer Stelle: Auf den Buslinien 39A sowie 2A und 3A sind schon Wasserstoffbusse unterwegs. Auch auf Baustellen und in Kraftwerken wird der Einsatz getestet.


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