Kerosinmangel bedroht Sommerurlaub: Mögliche Flugausfälle und teure Tickets ab Wien
WELT. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten führt zu einer akuten Knappheit bei Flugtreibstoff und belastet den internationalen Reiseverkehr. Experten warnen ab Ende Mai vor massiven Einschränkungen im europäischen Luftraum. Passagiere müssen sich auf gestrichene Verbindungen und deutlich steigende Preise einstellen.

Wie The Independent am 23. April 2026 berichtet, hat sich der Preis für Flugtreibstoff seit Beginn des Iran-Konflikts stark erhöht. Für Airlines ist das ein sensibles Thema, weil Kerosin einen großen Teil der laufenden Kosten ausmacht und sich Preissprünge rasch auf Flugpläne und Tarife auswirken.
Die Lufthansa Group reagiert bereits mit Einschnitten. Laut Konzern werden bis Oktober 20.000 Kurzstreckenflüge aus dem Flugplan genommen. Die Gruppe spricht von einer Kapazitätssenkung um weniger als ein Prozent und will damit mehr als 40.000 Tonnen Flugtreibstoff einsparen. Die ersten 120 täglichen Streichungen gelten bereits bis Ende Mai.
Lufthansa kürzt und andere ziehen nach
Neben Lufthansa meldet auch easyJet steigenden Druck. Die Airline erwartet für das Halbjahr einen höheren Vorsteuerverlust von 540 bis 560 Millionen Pfund. Darin enthalten sind zusätzliche Treibstoffkosten von 25 Millionen Pfund allein im März. Gleichzeitig stellte der Konzern höhere Ticketpreise gegen Ende des Sommers in Aussicht, wenn bestehende Preisabsicherungen auslaufen.
Auch andere Anbieter reagieren bereits. Air France KLM will Langstreckentickets verteuern, KLM streicht in Europa 160 Flüge im kommenden Monat, und SunExpress hebt ab Mai auf Verbindungen zwischen der Türkei und Europa einen befristeten Treibstoffzuschlag von 10 Euro pro Passagier ein.
Österreich spürt den Preisdruck
Für Österreich dürfte die Entwicklung vor allem bei Europaflügen und Umsteigeverbindungen spürbar werden. Die Lufthansa Group steuert ihre Konsolidierung über sechs Drehkreuze, darunter Wien. Gleichzeitig sollen bestehende Verbindungen ab Wien weiter ausgebaut werden. Bereits Ende März hatte der Konzern für den Sommer rund 700 zusätzliche Austrian Airlines Flüge ab Wien angekündigt.
Für Reisende ab Österreich heißt das dennoch: Das Angebot bleibt zwar am Hub Wien wichtig, doch der gesamte europäische Markt wird knapper und teurer. Gerade auf stark nachgefragten Ferienstrecken könnten Flugpreise steigen, wenn Airlines die höheren Treibstoffkosten weitergeben.
Reisende müssen flexibler planen
Für Passagiere ist die Lage vor allem bei Preis und Verfügbarkeit relevant. Wenn Airlines unprofitable Verbindungen streichen und gleichzeitig Kerosin teurer bleibt, sinkt auf einzelnen Strecken das Angebot. Das kann in den Hauptreisezeiten zu höheren Preisen und weniger Auswahl führen.
Wie schnell sich die Lage entspannt, ist offen. Lufthansa geht zwar nach eigenen Angaben von einer weitgehend stabilen Treibstoffversorgung in den kommenden Wochen aus, arbeitet aber weiter an Anpassungen für den Sommerflugplan.


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