Glühwürmchen zeigen, wie gesund unsere Natur noch ist
ÖSTERREICH. Mit Einbruch der Dämmerung beginnt in vielen naturnahen Landschaften ein besonderes Schauspiel. Glühwürmchen senden ihre Leuchtsignale aus und starten ihre Partnersuche. Die kleinen Leuchtkäfer sind aber weit mehr als nur ein faszinierender Anblick in Sommernächten – sie gelten auch als wichtige Bioindikatoren für intakte Ökosysteme.

Ab Mitte Juni sind Glühwürmchen besonders aktiv. Wie der Naturschutzbund berichtet, lassen sich die Tiere vor allem an Waldrändern, auf Wiesen sowie in der Nähe von Gewässern beobachten. Helle und stark verbaute Bereiche meiden sie hingegen konsequent.
Was viele überrascht: Glühwürmchen sind keine Würmer, sondern Käfer aus der Familie der Leuchtkäfer. In Österreich kommen drei heimische Arten vor – der Große Leuchtkäfer, der Kleine Leuchtkäfer und der Kurzflügel-Leuchtkäfer.
Nützliche Jäger im Garten
Nicht nur die erwachsenen Tiere sind bemerkenswert. Auch die Larven erfüllen eine wichtige Funktion im Naturhaushalt. Sie ernähren sich von Nackt- und Gehäuseschnecken und gelten als äußerst erfolgreiche Jäger.
Nach dem Schlüpfen im Spätsommer folgen die Larven den Schleimspuren ihrer Beute. Mit einem Giftbiss überwältigen sie Schnecken und tragen so auf natürliche Weise zur Regulierung der Bestände bei. Für Gärten und naturnahe Flächen sind sie damit wertvolle Helfer.
Fast perfekte Energieeffizienz
Das charakteristische Leuchten entsteht durch eine biochemische Reaktion im Hinterleib der Käfer. Dabei reagiert der Stoff Luciferin mit Sauerstoff und erzeugt sichtbares Licht, das nahezu keine Wärme abgibt. Dieses Phänomen wird als Biolumineszenz bezeichnet.
Laut Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas ist dieser Prozess außergewöhnlich effizient. Rund 98 Prozent der eingesetzten Energie werden in Licht umgewandelt. Moderne LED-Technik erreicht dagegen deutlich geringere Werte.
Empfindliche Zeigerart für die Artenvielfalt
Glühwürmchen sind eng an naturnahe Lebensräume gebunden. Dort, wo sie vorkommen, finden sich meist auch viele andere Tier- und Pflanzenarten. Deshalb gelten sie als verlässliche Zeigerart für hohe Biodiversität und strukturreiche Landschaften.
Gleichzeitig reagieren die Käfer empfindlich auf Lichtverschmutzung, Pestizide, Düngemittel, Bodenverdichtung und die Zerschneidung von Lebensräumen. In intensiv genutzten Kulturlandschaften sind sie deshalb vielerorts selten geworden oder bereits verschwunden.
Für Naturschützer sind Glühwürmchen daher nicht nur faszinierende Sommerboten, sondern auch ein sichtbares Zeichen dafür, wie gut ein Ökosystem noch funktioniert.
Was man für Glühwürmchen tun kann
- Garten verdunkeln: Glühwürmchen lieben es dunkel – helfen kann man, indem man nächtliche Beleuchtung möglichst reduziert, Lichtverschmutzung vermeidet, um den Bio-Rhythmus der Käferchen nicht zu beeinträchtigen.
- Pestizide meiden: Glühwürmchen lieben es natürlich – chemische Schneckenbekämpfungsmittel und starke Düngemittel sind Gift für Glühwürmchen. Stattdessen fühlen sie sich in ungedüngten mageren Wiesen wohl, wo sie verschiedene Schneckenarten als Futterquelle finden.


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