So will Sternekoch Andreas Senn junge Menschen für Fine Dining gewinnen
SALZBURG. Vier Gänge, Getränkebegleitung und zwei Michelin-Sterne. Andreas Senn will jungen Menschen die Scheu vor Sterneküche nehmen – und startet dafür eine ungewöhnliche Aktion.

Sterneküche gilt als teuer, kompliziert und nur etwas für besondere Anlässe? Sternekoch Andreas Senn will genau diese Hemmschwelle abbauen. Ab 1. Oktober serviert er Gästen unter 30 Jahren in seinem Restaurant ein Vier-Gang-Menü inklusive Getränkebegleitung um 85 Euro. Das Angebot ist allerdings stark limitiert.
Ein Tisch pro Abend für junge Gäste
Von Dienstag bis Donnerstag steht jeweils ein Tisch für zwei Personen bereit. Voraussetzung: Die Gäste sind unter 30 und essen zum ersten Mal in einem Sternerestaurant. Bewerbungen sind über die Website des Restaurants möglich.
Hinter „SENNS FIRST TASTE“ steckt mehr als eine Marketingaktion. Senn hatte im Juni einen Monat lang jungen Menschen kostenlose Restaurantbesuche ermöglicht und sie davor und danach befragt. Das Ergebnis überraschte: Sterneküche hat bei Jungen offenbar weniger ein Image- als ein Schwellenproblem.
Vor dem Besuch bewerteten die Teilnehmer die Zugänglichkeit von Fine Dining mit durchschnittlich 5,1 von zehn Punkten. Danach waren es 7,8 Punkte. Gleichzeitig sank der Anteil jener, die Sterneküche als „teuer“ wahrnahmen, von 88 auf 35 Prozent. Der Preis bleibt dennoch die größte Hürde.
Nicht das Essen sorgte für die Überraschung
Besonders bemerkenswert: 88 Prozent gaben an, ihr Bild von Fine Dining habe sich nach dem Abend verändert. Entscheidend war dabei nicht der Teller. 71 Prozent nannten Service, Personal oder Atmosphäre als größte Überraschung.
„Das ist eine unbequeme Ansage an eine Branche, die ihr gesamtes Marketing auf den Teller stellt. Das Essen hat gehalten, was alle erwartet haben. Verändert hat das Bild mein Team. Das zeigt, wo der größte Hebel liegt – bei den Mitarbeitern mit Gastgeberqualitäten“, sagt Senn.
Von den 85 Euro werden 25 Euro fix als Trinkgeld an den Service weitergegeben. Partner unterstützen die Aktion bei der Getränkebegleitung. Senn hofft nun sogar auf Nachahmer: „Ich lade alle Gastronomen ein, das FIRST TASTE Konzept in ihren Restaurants zu kopieren – gemeinsam werden wir am meisten erreichen.“








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