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LINZ. Von 6. bis 10. September findet dieses Jahr das Ars Electronica Festival statt. Die Chance habe sich ergeben – und man wollte sie nutzen: Noch einmal – ein wirklich letztes Mal – können die spektakulären Möglichkeiten des aufgelassenen Postverteilerzentrums beim Hauptbahnhof genutzt werden. Thema des Festivals ist die brandaktuelle Frage: „Who Owns the Truth? Wem gehört die Wahrheit?“. Am Montag wurden Location und Thema im Ars Electronica Center erstmals präsentiert.

Festival-Hauptschauplatz 2023: Die PostCity. (Foto: Ars Electronica / Martin Hieslmair)
  1 / 2   Festival-Hauptschauplatz 2023: Die PostCity. (Foto: Ars Electronica / Martin Hieslmair)

„Wir waren mehr als begeistert über die Chance, ein weiteres Festival im fantastischen Gebäude der PostCity auszurichten“, freut sich Christl Bauer, Head of Ars Electronica Festival. Die Besucher dürfen sich in der Location mitten in der Stadt mit 80.000 Quadratmetern Nutzfläche auf mehreren Ebenen auf eine Expedition freuen: vom Bunker über die ehemaligen Archivräume und die 240 Meter lange Gleishalle, zwölf Meter hohe Wendelrutschen und vielem mehr. „Der obere Bereich wird weitgehend wieder bei freiem Eintritt sein und einen ersten Einblick geben, was beim Festival erwartet“, so Bauer.

Festivalmeile in der Linzer Innenstadt

Dazu werden natürlich wieder viele weitere Einrichtungen in der Innenstadt bespielt: Mariendom, Kunstuni am Hauptplatz, Lentos, Tabakfabrik, Salzamt, Ars Electronica Center, Stadtwerkstatt und die Bruckneruni.

Der JKU-Campus wird 2023 keine Festival-Location sein, es wird aber schon eifrig an gemeinsamen Programmpunkten gearbeitet.

Zahlreiche internationale Partner werden wieder unterschiedliche Perspektiven zum Thema „Wem gehört die Wahrheit“ nach Linz bringen, darunter klingende Namen wie das Museo Nacional del Prado und das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia (beide Madrid), das Grand Palais Immersif in Paris, die Salzburger Festspiele oder die Biennale Musica 2023 Venezia. Mit dabei sind zum Beispiel auch die Cisneros Fontanals Art Foundation (CIFO) in Miami, der Arts Council Korea (ARKO) in Seoul oder der Swiss Arts Council Pro Helvetia in Zürich. Natürlich wird auch die Kulturhauptstadt Bad Ischl mit dabei sein.

„Wem gehört die Wahrheit?“

Bilder eines verhafteten Donald Trump oder einem gestylten Papst sind nur zwei aktuelle Beispiele – die Frage, was Wahrheit ist und wer sie für sich beanspruchen kann, gibt es aber schon immer. „Es ist eine der ältesten Fragen der Menschheit“, so Gerfried Stocker, Künstlerischer Direktor Ars Electronica.

Das diesjährige Festivalthema geht auf zentrale Brennpunkte ein: Wahrheit und Eigentum, Deutungshoheit und Souveränität. Kann man Wahrheit besitzen? Gibt es ein Recht auf Wahrheit und wenn sie jemand gehört, welche Verfügungsgewalt und welche Verantwortung wären damit verbunden?

Für alle Menschen zugänglich machen

Dahinter stehe die zentrale Frage, wie die großartigen Errungenschaften von Wissenschaft und Technologie für alle Menschen zugänglich und auch nutzbar gemacht werden können. „Es reicht nicht aus, nur darüber nachzudenken, wie wir verhindern können, dass KI-Systeme jemandem schaden“, so Stocker.

Wichtig sei, nicht negativ zu sein, „wir wollen nicht über das Verhindern nachdenken, sondern, wie wir uns in die Position versetzen können, an den Profiten, Möglichkeiten und Nutzen teilzuhaben – als Gesellschaft, als Individuen. Es geht auch um die Frage der Umverteilung“, so Stocker. Klar sei: „Die bestehenden politischen und gesellschaftlichen Ordnungssysteme würden massive Probleme bekommen, wenn sie sich nicht anpassen“, zieht er etwa einen Vergleich mit der industriellen Revolution.

Luger: „Unheimlich gesellschaftspolitische Fragestellung“

Große Freude an der PostCity als Location hat auch Bürgermeister Klaus Luger, „das führt auch wieder mehr in die Stadt, Richtung Stadtleben – denn das Festivalthema sollte möglichst breit wahrgenommen werden.“ Generell sei das Thema ein ganz besonderes Theme der Zeit, „brandaktuell und eine unheimliche gesellschaftspolitische Fragestellung“. Luger ist überzeugt, „dass diese Ars Electronica den nächsten Jahren noch einiges an Ableitung bescheren wird. Das Festival kann die Frage nicht beantworten, aber uns weiterbringen.“

Lang-Mayerhofer: „Ist Machtfrage“

„Gerade in einer Zeit, wo sich so vieles verändert, ist Ars Electronica ein Netzwerkknoten, wenn es um entscheidende Zukunftsfragen geht“, unterstreicht Kultur-Stadträtin und Beiratsvorsitzende von Ars Electronica Doris Lang-Mayerhofer. „Digitale Daten sind die Herrschaftsmittel des 21. Jahrhunderts. Warum? Es ist eine Machtfrage, auch weltpolitische Machtfrage“. Sie verweist auch auf die Bildungsaufgabe – hier könne Ars Electronica in vielen Bereichen weiterhelfen. „Wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen, frühzeitig vermitteln.“

Mehr zu kommenden Festival gibt’s online hier.

Ende der Woche starten übrigens auch die Jurysitzungen mit 25 namhaften Experten, um die unzähligen Einreichungen für den Prix Ars Electronica 2023 zu sichten.


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