Vom Klassenzimmer in die Landeshauptstadt: 70 Jahre Linz-Aktion
LINZ. Seit sieben Jahrzehnten bringt die Linz-Aktion Kindern aus ganz Oberösterreich die Landeshauptstadt näher. Was 1956 als Nachkriegsprojekt begann, ist heute ein modernes Bildungsangebot mit nachhaltiger Wirkung. Im Jubiläumsjahr 2026 blickt das Land Oberösterreich auf 70 Jahre Engagement für junge Menschen zurück – und auf mehr als 340.000 teilnehmende Kinder.

Jährlich besuchen zwischen 6.000 und 7.000 Schüler der vierten Klassen Volksschule im Rahmen ein- oder zweitägiger Programme Linz. Allein im heurigen Jubiläumsjahr wurden mehr als 200 Buchungen innerhalb weniger Minuten registriert – ein deutliches Zeichen für die ungebrochene Nachfrage.
Die Linz-Aktion ist weit mehr als eine klassische Klassenfahrt. Sie soll Kindern ihre Heimat näherbringen und neue Perspektiven eröffnen.
„Gelebte Heimatliebe“
„70 Jahre Linz-Aktion stehen für 70 Jahre gelebte Heimatliebe in Oberösterreich. Es geht dabei nicht nur um einen Ausflug in die Landeshauptstadt, sondern um einen bewussten Impuls für die persönliche Entwicklung. Wer als Kind das Landhaus als Herz der Demokratie besucht, einen Blick hinter die Kulissen des Musiktheaters wirft, Ehrenamt hautnah in der Landesfeuerwehrzentrale miterlebt oder erstmals im Ars Electronica die Zukunft spürt, merkt sich das ein Leben lang. Genau das ist unser Anspruch: die Vielfalt unseres Landes greifbar machen und die Jugend für das Leben in Oberösterreich begeistern“, betont Jugend-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP).
„Lebendige Erfolgsgeschichte“
Auch Christian Mülleder, stellvertretender Leiter des JugendService des Landes Oberösterreich, unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Die Linz-Aktion ist eine lebendige Erfolgsgeschichte unserer Heimat Oberösterreich. Sie vermittelt nicht nur Wissen, sondern fördert auch Identität, Neugier und das Wir-Gefühl der jungen Generation. Wir bewahren Bewährtes und verknüpfen es gleichzeitig mit zeitgemäßen Betrieben und Organisationen.“
Von der Stahlstadt zur City of Media Arts
Ins Leben gerufen wurde die Linz-Aktion 1956 unter Landeshauptmann Heinrich Gleißner gemeinsam mit dem damaligen Landesjugendreferenten Walter Buchberger.
Ziel war es, in der Nachkriegszeit staatsbürgerliche Erziehung – heute politische Bildung – und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Seither hat sich das Konzept stetig weiterentwickelt. Abgesehen von klassischen Programmpunkten wie dem Besuch des Landhauses, einer Stadtführung durch Altstadt und Hauptplatz oder dem Ausblick vom Pöstlingberg stehen heute auch moderne Institutionen auf dem Programm: das Ars Electronica Center mit Deep Space, die Johannes Kepler Universität oder die voestalpine Stahlwelt. So erleben die Kinder Linz sowohl als traditionsreiche Kulturstadt als auch als innovativen Technologie- und Industriestandort.
Wenn Kinder staunen
Wie sehr diese Erlebnisse prägen, weiß Eva Hofer aus eigener Erfahrung. Sie war 27 Jahre lang als professionelle Linz-Guide tätig, davon 18 Jahre im Rahmen der Linz-Aktion.
„Wenn man Kinder durch die Stadt begleitet, erlebt man Linz jedes Mal neu. Für viele ist es der erste bewusste Kontakt mit einer größeren Stadt – mit all ihren Eindrücken, Geräuschen und Begegnungen. Dieses Staunen mitzuerleben, ist bis heute einer der schönsten Aspekte meiner Tätigkeit als Guide.“
Besonders bewegend seien für sie jene Momente gewesen, in denen Kinder im Sitzungssaal des Landhauses am Rednerpult stehen durften. „Wenn ein Kind gesagt hat: Ich sitze gerade da, wo sonst der Landeshauptmann sitzt, dann wusste man, wie viel diese Erfahrung bedeutet.“
Gerade diese unmittelbaren Erfahrungen machen die Stärke der Linz-Aktion aus: Politik, Kultur und Industrie werden nicht nur vermittelt, sondern direkt erlebbar gemacht.
Bildung mit Struktur und Vielfalt
Die Linz-Aktion findet jährlich von März bis Juni statt. Pro Woche werden drei eintägige und vier zweitägige Touren - hier übernachten die Kinder in Linz - angeboten. Insgesamt kooperiert das JugendService mit 15 Partnerinstitutionen, begleitet werden die Gruppen von zwölf staatlich geprüften Austria-Guides.
Neu: freiZeit-Tour
Neu im Jubiläumsjahr ist die freiZeit-Tour. Dieses flexible Format ermöglicht Schulklassen eine eigenständige Entdeckung der Innenstadt mithilfe von Stadtplan, Audioguides und interaktiver 360-Grad-Tour. Das Konzept fördert selbstbestimmtes Lernen, Medienkompetenz sowie ein bewusstes, ressourcenschonendes Erkunden der Stadt.
Leistbar für alle Familien
Damit möglichst alle Kinder teilnehmen können, wird die Linz-Aktion umfassend vom Land Oberösterreich unterstützt. Zusätzlich sorgt die 4youCard.Junior für eine finanzielle Ermäßigung. Ziel ist es, das Angebot für Familien leistbar und unkompliziert zugänglich zu halten.


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