In schweren Stunden an der Seite: 25 Jahre Krisenintervention
OÖ/LINZ. „Krisen lassen sich nicht verhindern – wir können sie nur gemeinsam tragen!“ Unter diesem Motto stehen seit mittlerweile 25 Jahren engagierte Freiwillige beim Roten Kreuz in der Krisenintervention und Stressverarbeitung Menschen in Ausnahmesituationen bei.

„Es gibt Momente im Leben, wo nichts mehr ist wie vorher: Tödliche Unfälle mit Kindern, Arbeitsunfälle, plötzliche Todesfälle – hier beizustehen ist die Aufgabe der Krisenintervention. Die Einsätze sind fordernd und vielschichtig, unsere Freiwilligen geben Halt, Sicherheit, versuchen, die Betroffenen bestmöglich zu stabilisieren. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der Betroffenen möglichst zurückzugewinnen“, so OÖ. Rotkreuz-Präsident Gottfried Hirz.
Lassing und Galtür ausschlaggebend
Gegründet wurde die Krisenintervention nach dem Grubenunglück von Lassing in der Steiermark 1998 und der Lawinenkatastrophe von Galtür in Vorarlberg 1999. „Hier ist bewusstgeworden, dass es nicht nur um die medizinische Versorgung geht“, so Hirz. „Ich kann mir einen modernen Rettungsdienst und Katastrophenhilfe ohne Krisenintervention nicht mehr vorstellen, auch aus eigener Erfahrung“, berichtet er. Im Rettungsdienst habe er früher gesehen, dass es nötig sei, jemanden nach einem Schicksalsschlag nicht alleine zu lassen. Aber auch die Stressverarbeitung (SvE) bei den Einsatzkräften selbst sei wichtig und werde von den Mitarbeitern gut angenommen.
1.350 Einsätze im Vorjahr, Tendenz steigend
Der Psychischen Gesundheit kommt heute immer mehr Aufmerksamkeit zuteil. In Oberösterreich leisten über 290 Freiwillige psychosoziale Hilfe nach Schicksalsschlägen. Im Vorjahr wurden über 1.350 solcher Einsätze verzeichnet, die Zahl steigt jährlich. Jene vom Vorjahr sei heuer bereits im Sommer erreicht worden, berichtet Petra Keplinger, fachliche Leiterin der Krisenintervention im OÖ. Roten Kreuz. Seit 2018 ist sie ehrenamtlich in der Krisenhilfe tätig. „Begleiten, zuhören, stabilisieren: Jeder Einsatz ist unterschiedlich, auch die Reaktion der Betroffenen ist unterschiedlich. Wir reduzieren Hilflosigkeit und Kontrollverlust, strukturieren, organisieren und bringen Ruhe in die Situation“, erzählt sie. Auch würden Ressourcen aktiviert, bei praktischen und organisatorischen Fragen geholfen, bei Bedarf der Kontakt zur Krisenhilfe hergestellt.
„Erlebte Dankbarkeit“
Die ehrenamtlich engagierten Mitglieder der Krisenintervention sind in den meisten Fällen bereits dabei, wenn die Polizei etwa eine Todesnachricht überbringen muss.
Was motiviert, in solchen schlimmen Situationen da zu sein und zu helfen? „Wir werden immer wieder gefragt“, so Keplinger. Es sei die erlebte Dankbarkeit. „Es ist einfach sehr sinnstiftend. Wenn in den Augen Betroffener ein wenig Hoffnung aufblitzt, ist das ein gutes Gefühl.“
Das gelte auch für die speziell geschulten Peers in der Stressverarbeitung nach belastenden Ereignissen, die Kollegen nach schwierigen Einsätzen unterstützen. In diesem Bereich sind 230 freiwillige Mitarbeiter in ganz Oberösterreich engagiert.
Fundierte Ausbildung
Freiwillige, die sich in der Krisenintervention und der SvE engagieren, durchlaufen eine fundierte Ausbildung, zuvor Aufnahmegesprächen und Eignungsworkshops, erläutert Thomas Märzinger, Landesgeschäftsleiter-Stv. „Es ist besonders wichtig, dass Menschen in der Krisenintervention die Möglichkeit haben, sich im Vorfeld selbst zu reflektieren. Es gibt eine Vorauswahl, um sie auch zu schützen und eine gute Ausbildung, um mit der Arbeit umgehen zu können“, so Märzinger. Das Interesse am Engagement in diesem Bereich sei jedenfalls groß.


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