Krisenhilfe OÖ setzt im Jubiläumsjahr auf Chatberatung und Suizidprävention
LINZ/OÖ. Die Krisenhilfe Oberösterreich feiert ihr Zehn-Jahre-Jubiläum und setzt dieses Jahr besonders auf Unterstützung in suizidalen Krisen. Jährlich hilft die Krisenhilfe OÖ insgesamt rund 31.000 Menschen – persönlich, telefonisch oder schriftlich per Chat.

„Die Hilfe muss mit der Zeit gehen“ – diese Aussage von Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) wird von der Krisenhilfe OÖ schon lange umgesetzt. Seit zehn Jahren begleitet sie rund um die Uhr Menschen in akuten psychischen Ausnahmezuständen, leistet Präventionsarbeit und gilt als zentrale Anlaufstelle bei Krisen.
Prävention und Eingriff
„Ein zentraler Wirkfaktor liegt in der frühen Intervention. Sie verhindert, dass sich Krisen verfestigen und verringert langfristige negative gesundheitliche oder soziale Folgen“, sagt Katja Sieper, Leiterin der Krisenhilfe OÖ. Außerdem sorge der frühzeitige Eingriff nicht nur für weniger chronische Krankheiten, sondern spare auch Kosten und entlaste die Krankenhäuser. Um die Reichweite der Krisenhilfe zu vergrößern, wurde 2022 auch eine eigene Chatberatung eingeführt.
Beratung im Chat
Das Telefon war und ist schon immer als sehr niederschwellig bekannt, doch „bei Jüngeren ist das Telefonieren nicht mehr so beliebt“, spricht Psychologe und Mitarbeiter Martin Schmid das aus, was in der jüngeren Generation schon länger bekannt ist. Darum gibt es auch bei der Krisenhilfe seit vier Jahren eine Chatberatung, an die sich Betroffene schriftlich wenden können.
„Menschen tun sich viel leichter, über das zu schreiben, was los ist“, fasst der Psychologe den Erfolg des Chattens zusammen, beschreibt aber auch den Aufwand und die Schwierigkeit der Chatberatung: „Es benötigt andere Kommunikationsformen, weil das Gegenüber nicht gesehen oder gehört wird. Damit fallen viele Informationen weg und es soll trotzdem möglich sein, den Betroffenen Mitgefühl und Hilfe auszudrücken“. Trotzdem sei die Onlineberatung unverzichtbar in der Krisenintervention geworden und wird von vielen Betroffenen – in verschiedenen Altersgruppen – genutzt.
Im letzten Jahr gab es rund 2.000 Onlineberatungen.
Zehn Jahre Krisenhilfe OÖ
Um eine konkrete und flächendeckende Krisenversorgung in Oberösterreich zu schaffen, haben sich 2016 die Organisationen pro mente, Exit Sozial, Rotes Kreuz, Telefonseelsorge und Notfallseelsorge zu einem Bündnis – der Krisenhilfe OÖ – zusammengeschlossen. Jährlich betreut sie etwa 31.000 Menschen telefonisch, online, vor Ort oder bei Hausbesuchen. Der Großteil der Hilfe erfolgt telefonisch.
Weiters ist die Krisenhilfe auch mit Schulungen von Personen in Schlüsselpositionen – wie zum Beispiel Lehrkräfte oder Sanitäter – beschäftigt, um Prävention und den Umgang mit Betroffenen weiterzugeben.
„Krisen gehören zur Lebensrealität vieler Menschen. Entscheidend ist, ob Unterstützung rechtzeitig zur Verfügung steht“, betont Katja Sieper.
Krisentalk 2026
Am Mittwoch, 14. April 2026 findet der jährliche Krisentalk im Alten Rathaus in Linz statt. Thema ist auch hier die Suizidprävention in akuten Ausnahmesituationen – der heurige Themenschwerpunkt. Neben einem Vortrag zur Onlineberatung von Martin Schmid werden auch die beiden anderen Vortragenden Elisabeth Hack und Ingo Vogl mit anderen Aspekten genauer auf die Suizidprävention eingehen.
Weitere Informationen zum Krisentalk und Anmeldung unter www.krisenhilfeooe.at


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