Forschen statt Wegwerfen: Schüler werden zu Lebensmittel-Detektiven
OÖ/LINZ/WELS/SANKT ULRICH: Was passiert mit dem angebissenen Apfel oder dem übrigen Pausenbrot? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit Kinder in Linz, Wels und dem Mühlviertel. Im neuen Bildungsprojekt „FOODSaverKids“ werden sie zu jungen Forschern und lernen, wie sich Abfälle vermeiden lassen.

Tag für Tag landen Lebensmittel im Müll, obwohl sie noch genießbar wären oder weiterverarbeitet werden könnten. Genau hier setzt das neue Bildungsprojekt „FOODSaverKids“ an. Der Lebensmittel-Cluster der oö. Standortagentur Business Upper Austria bringt Schulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammen, um Kinder und Jugendliche für Nachhaltigkeit und Wissenschaft zu begeistern.
Mit dabei sind Volks- und Mittelschulen aus Linz, Wels und dem Mühlviertel.
- Ferdinand Hüttner Mittelschule, Linz
- HTL für Lebensmitteltechnologie, Wels
- Mittelschule 6 Wels – Vogelweide, Wels
- Volksschule St. Ulrich im Mühlkreis
- Volksschule 10, Linz
Unterstützung kommt von der FH Oberösterreich, der Kunstuniversität Linz sowie von der Honeder Naturbackstube und der Winkler Markt KG.
Lebensmittelreste werden untersucht
Im Mittelpunkt steht das praktische Arbeiten. Statt trockener Theorie erforschen die Kinder Lebensmittelreste aus ihrem eigenen Schulalltag. Sie führen Experimente durch, dokumentieren Beobachtungen und werten Daten aus. „Wenn Kinder selbst Daten erheben und auswerten, wird Forschung greifbar und verliert ihren abstrakten Charakter“, erklärt Gabriele Wolkerstorfer vom Lebensmittel-Cluster.
Blumendünger statt Biomüll
Besonders beliebt ist der sogenannte Bokashi-Eimer. Jede Schule erhält ein eigenes Set samt Sensorik. Über mehrere Wochen verfolgen die Kinder, wie aus Lebensmittelresten durch anaerobe Fermentation wertvoller Dünger entsteht.
In weiteren Workshops werfen die Kinder einen Blick auf das „unsichtbare Leben der Lebensmittel“. Mithilfe von Mikroskopen vergleichen sie Lebensmittel vor und nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Dabei lernen sie, dass ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum nicht automatisch bedeutet, dass ein Produkt ungenießbar ist.
Einblick in Betriebe
In der Honeder Naturbackstube erfahren die teilnehmenden Schulklassen, wie moderne Technologien helfen, Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Digitale Absatzprognosen unterstützen dabei, die benötigten Mengen in den Filialen möglichst genau zu planen.
Nicht verkauftes Brot wird gemeinsam mit der FH Oberösterreich weiterverwertet. Im Rahmen eines Fermentationsprojekts entstehen daraus unter anderem hochwertige Futtermittel.
Die Winkler Markt KG zeigt, wie überschüssige Lebensmittel im Handel genutzt werden können. Einwandfreie Produkte landen im hauseigenen Bistro statt im Müll. Für dieses Konzept erhielt das Unternehmen 2025 den Innovationspreis des Landwirtschaftsministeriums.
Wissenschaft trifft Kunst
Damit Forschungsergebnisse verständlich vermittelt werden, begleitet auch die Kunstuni Linz das Projekt. In Workshops übersetzen die Schüler ihre wissenschaftlichen Daten in Bilder, Installationen, Poster oder Ausstellungen.
Nachhaltigkeit für die Zukunft
Das Projekt „FOODSaverKids“ soll schon früh Bewusstsein für nachhaltigen Konsum schaffen. „Wenn Kinder verstehen, was in ihren Jausenresten steckt, kann daraus mehr entstehen als Abfall – nämlich Wissen, Neugier und neue Ideen für die Zukunft“, ist Gabriele Wolkerstorfer überzeugt.


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