Unterstützung für pflegende Angehörige: „Warten Sie nicht, bis die Belastung zu groß wird“
OÖ/LINZ. Rund 40.000 Menschen über 65 Jahre werden in Oberösterreich zu Hause betreut oder versorgt – vielfach von Angehörigen. Das Land OÖ will die Unterstützung für Familien im Rahmen der „Pflegestrategie 2040“ ausbauen. Anlässlich Nationaler Aktionstages für pflegende Angehörige am 13. September wird auch auf das wichtige Angebot der psychosozialen Beratung für Pflegende Angehörige aufmerksam gemacht.

Von rund 58.000 Pflegegeldbeziehern über 65 Jahren in Oberösterreich werden rund 40.000 zu Hause versorgt. Etwa 20.000 erhalten Unterstützung durch Mobile Dienste, 5.500 nutzen eine Förderung für 24-Stunden-Betreuung und rund 2.000 Angebote der Tagesbetreuung.
„Pflegende Angehörige sind der größte Pflegedienst und eine tragende Säule des sozialen Oberösterreichs“, so Sozial-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP). „Wir wollen die notwendigen Rahmenbedingungen weiterentwickeln und verbessern“, nennt Dörfel im Bereich Altenbetreuung den Ausbau von mobilen Diensten und Tagesbetreuungsangeboten und die aktuell laufende Entwicklung „Sorgender Gemeinschaften“ sowie im Bereich der Behindertenhilfe die Angebote zu Arbeit und Beschäftigung und das Ausbauprogramm bei den Wohnplätzen.
„Pflege ist kein Minderheitenprogramm“
„Pflege von Angehörigen ist kein Minderheitenprogramm“, so auch Martin Gruber, Leiter des Fachbereichs Betreuung und Pflege und Vorstand der Caritas OÖ. „Pflege und Betreuung von Angehörigen kann im Laufe des Lebens nahezu jede und jeden betreffen. Er verweist darauf, dass rund drei Viertel der pflegenden Angehörigen Frauen sind, das Durchschnittsalter beträgt 62 Jahre, etwa die Hälfte der pflegenden Angehörigen ist gleichzeitig berufstätig.
Sechs Stimmen geben ein Gesicht
Den unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft, den pflegende Angehörige tagtäglich leisen, soll auch eine Aktion anlässlich des Nationaler Aktionstages für pflegende Angehörige stärker sichtbar machen. Im Linzer Landhaus sind bis Freitag, 11. September, sechs Staffeleien mit Silhouetten und persönlichen Aussagen pflegender Angehöriger ausgestellt – eine gemeinsame Aktion von Land OÖ und der Caritas-Servicestelle Pflegende Angehörige. „Wir wollen sichtbar machen, auch als Zeichen der Wertschätzung“, so Dörfel.
Zehn Servicestellen in OÖ
Es braucht aber auch konkrete Unterstützung für die körperlich, psychisch und organisatorisch herausfordernde Pflege der Angehörigen.
Diese erhalten sie auch bei den Spezialisten der Caritas kostenlos in den zehn Servicestellen für Pflegende Angehörige in Oberösterreich. Mit finanzieller Unterstützung des Landes OÖ wird her beraten, begleitet, für allem auch bei psychosozialen Fragestellungen geholfen. „Es geht auch um die mentale Stärkung als eine wesentliche Aufgabe. Niemand hat etwas davon, wenn Angehörige an der Aufgabe zerbrechen“, so Dörfel.
„Niemand darf mit der Frage ‚Wie soll ich das alles noch schaffen?‘ alleine gelassen werden, unterstreicht auch Gruber.
Unterstützung rechtzeitig in Anspruch nehmen
Aus Erfahrung weiß auch Stefanie Weigerstorfer, Stv. Leitung der Caritas-Servicestelle Pflegende Angehörige: Je früher sich Familien mit einer möglichen Pflege- und Betreuungssituation auseinandersetzen, desto besser können tragfähige und gesunde Arrangements entstehen. Der Kontakt mit einer Beratungsstelle sollte daher schon präventiv aufgenommen werden.
Viele suchen laut Caritas allerdings erst Hilfe, wenn die Belastung bereits über Jahre gewachsen ist.
Weigerstorfer appelliert: „Warten Sie nicht, bis die Belastung zu groß wird. Je früher Unterstützung ins Boot geholt wird, desto stabiler kann die gesamte Pflegesituation gestaltet werden.“
Für sie ist auch klar: „Pflege darf nicht auf den Schultern einer einzigen Person lasten. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche.“
„Psychosoziale Beratung wirkt, stabilisiert, entlastet“
Ein seit April laufendes Wirkungsmonitoring der psychosozialen Beratung gibt dem Angebot recht: 98,4 Prozent der Befragten bewerten die Beratung als hilfreich, alle würden sie weiterempfehlen. 96,9 Prozent fühlen sich nach der Beratung emotional gestärkt. 93,8 Prozent geben an, wieder mehr Zuversicht im Alltag zu haben. „Das ermöglicht es erst, die Pflegesituation zu Hause zu stabilisieren“, so Weigerstorfer. Die Beratung schaffe gleichzeitig Orientierung in komplexen Pflegesituationen. Die Befragten gaben an, auch Unterstützungsangebote gezielter nutzen zu können.
Eine befragte Person schilderte demnach auch: Ohne diese Beratungsgespräche wäre ich mit 100%-iger Sicherheit zusammengeklappt und die demenzkranke zu Betreuende wäre schon vor Jahren im Pflegeheim gelandet.“
„Psychosoziale Beratung wirkt, stabilisiert, entlastet und stellt die Handlungsfähigkeit wieder her“, ist Weigerstorfer überzeugt. „Wer sich Unterstützung holt, fühlt sich emotional gestärkt und gewinnt Zuversicht und Orientierung für den Betreuungs- und Pflegealltag“, betont sie die nötige Beachtung der Selbstfürsorge.
Infos, Kontakt und die Angebote der Caritas-Servicestelle Pflegende Angehörige gibt’s unter https://www.caritas-pflege.at/oberoesterreich/pflegende-angehoerige/
SPÖ: „Frauen als pflegende Angehörige entlasten“
SPÖ-Pflegesprecherin Gabriele Knauseder fordert in einer Aussendung unterdessen, dass es zielgerichtete Begleitmaßnahmen und verbindliche Kriterien für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf brauche. „Nur 30 Prozent können neben ihrer Pflegetätigkeit arbeiten. Wer die Arbeitszeit reduziert oder ganz aus dem Beruf aussteigt, zahlt das später mit einer niedrigeren Pension. Häusliche Pflege darf nicht in die finanzielle Abhängigkeit führen.“








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