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LINZ. Am Kepler Universitätsklinikum (KUK) sind erstmals zwei Bypass-Operationen mithilfe eines chirurgischen Roboters durchgeführt worden. Die Eingriffe erfolgten am schlagenden Herzen und ohne den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Operiert wurden ein 84-jähriger und ein 54-jähriger Patient. Beide konnten bereits am ersten Tag nach dem Eingriff auf die Normalstation verlegt werden.

  1 / 2   Am Kepler Universitätsklinikum (KUK) sind erstmals zwei Bypass-Operationen mithilfe eines chirurgischen Roboters durchgeführt worden. (Foto: KUK/Derflinger)

Der jüngere Patient war laut Klinikum kurz nach der Operation nahezu beschwerdefrei und wieder mobil. Auch der ältere Patient hatte keine Schmerzen mehr und konnte bereits mobilisiert werden. Das Team hatte sich rund ein Jahr lang auf die Eingriffe vorbereitet.

Geleitet wurden die Operationen von Andreas Zierer, Vorstand der Universitätsklinik für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie. Unterstützt wurde er von Štěpán Černý vom Universitätsklinikum Motol in Prag. Er gilt als europäischer Pionier der roboterassistierten Herzchirurgie. An den Eingriffen waren außerdem Fachkräfte aus Anästhesie, Kardiotechnik, OP-Pflege und Anästhesiepflege beteiligt.

Kleine Schnitte statt geöffnetem Brustkorb

Bei einer klassischen offenen Herzoperation wird das Brustbein durchtrennt. Bei der roboterassistierten Methode bleibt der Brustkorb dagegen geschlossen. Der Roboter operiert nicht selbstständig. Er überträgt die Bewegungen des Chirurgen von einer Konsole auf kleine Instrumente im Brustkorb.

Die Bewegungen können dadurch besonders präzise und ohne Zittern ausgeführt werden. Die kleinen Zugänge sollen den Blutverlust und das Infektionsrisiko verringern. Weil das Brustbein nicht heilen muss, können sich die Patienten schneller bewegen und früher in den Alltag zurückkehren.

Auch gegenüber herkömmlichen endoskopischen Eingriffen soll die Technik Vorteile bieten. Der Roboter steuert die Instrumente so, dass Muskeln, Gewebe und Nerven an den Eintrittsstellen möglichst wenig belastet werden. Dadurch können die Schnitte kleiner ausfallen und die Schmerzen nach dem Eingriff geringer sein. Wesentlich ist vor allem auch das deutlich geringere Infektionsrisiko.

„An Schwelle zu Revolution in der Herzchirurgie“

„In Europa stehen wir aktuell an der Schwelle zu einer Revolution in der Herzchirurgie. Mit den neuen Robotersystemen, deren Zulassung in Europa kurz bevorsteht, wird es möglich sein, bis zur Hälfte der herzchirurgischen Eingriffe maximal schonend durchzuführen“, so Zierer. Für die Patienten bedeute das weniger Schmerzen und kürzere Erholungsphasen. Die Dauer des stationären Aufenthalts könne sich bis auf die Hälfte reduzieren.

„Spitzenmedizin in OÖ“

Auch LH-Stellvertreterin, Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) ist von der Leistung der KUK-Herzchirurgie begeistert: „Medizinischer Fortschritt zeigt seinen größten Wert dann, wenn er den Menschen unmittelbar zugutekommt. Mit den ersten roboterassistierten Bypass-Operationen am Kepler Universitätsklinikum gelingt ein bedeutender Schritt hin zu einer noch schonenderen Herzchirurgie. Gleichzeitig unterstreicht dieser Meilenstein eindrucksvoll die hohe Kompetenz unserer Ärztinnen und Ärzte sowie aller Beteiligten, die Tag für Tag Spitzenmedizin in Oberösterreich möglich machen. Meine Überzeugung ist es, dass derartige Innovationen in unserem öffentlichen Gesundheitssystem entwickelt und erfolgreich umgesetzt werden. Das stärkt den Gesundheitsstandort Oberösterreich nachhaltig.“

Patienten sollen schneller wieder selbstständig sein

Das KUK will nun auch das sogenannte ERAS-Konzept am Herzzentrum einführen. Die Abkürzung steht für „Enhanced Recovery After Surgery“. Ziel ist es, die Belastung durch eine Operation zu verringern und die Genesung zu beschleunigen.

Das Konzept beginnt bereits vor dem Eingriff. Patienten erhalten Atemtraining, Ernährungsempfehlungen und Unterstützung bei der mentalen Vorbereitung. Während der Operation kommen kurz wirksame Narkosemittel und spezielle Schmerzkatheter zum Einsatz. Danach sollen die Patienten möglichst früh aufstehen, sich bewegen und wieder normal ernähren.

„Das fördert und beschleunigt zugleich die Genesung der Patientinnen und Patienten und macht unser System auch effizienter“, sagt KUK-Geschäftsführer Meinhard Lukas. Für die Umsetzung sollen Herzchirurgie, Kardiologie, Anästhesie, Pflege, Physiotherapie und Diätologie eng zusammenarbeiten.


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