Landtagsabgeordnete tauschten sich mit Experten zur Zukunft des Arbeitsmarkts aus
LINZ/OÖ. Der oberösterreichische Landtag veranstaltete eine Enquete zur Zukunft der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes im Bundesland. Dabei kamen Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Felbermayr, Sozialforscherin Lisa Herzog, Alexander Susanek (BMW Steyr) und Politikwissenschaftler Ulrich Brand zu Wort.

Die Corona-Pandemie begleitet weltweit bereits mehr als ein Jahr und stellt Menschen auch auf dem Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen. Unternehmer versuchen, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, Arbeitnehmer bewegen sich häufig zwischen Homeoffice und Zukunftsängsten. „Die Angst, dass ich keinen adäquaten Job mehr finde. Die Unsicherheit, dass ich trotz Umschulung wieder erfolgreich ins Berufsleben zurückkehre. Die Bedenken, nach Ablauf der Kurzarbeit arbeitslos zu werden. Wir sind uns alle dieser Belastungen bewusst und versuchen alles erdenklich Mögliche, um den Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern die Sorgen und Ängste zu nehmen, um ihnen Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Unser Ziel muss es sein, sie nicht mit einer Perspektivenlosigkeit alleine zu lassen“, hält Wolfgang Stanek anlässlich der Enquete „Die Zukunft der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes in Oberösterreich nach der Pandemie“ im oberösterreichischen Landtag fest. Wirtschaft und Arbeitsmarkt würden gesellschaftliche und soziale Aspekte, aber auch Arbeit und Einkommen beinhalten.
Impulsreferate zur globalisierten Welt
Impulsgeber waren Gabriel Felbermayr, Lisa Herzog, Alexander Susanek und Ulrik Brand. Sie referierten über Strategien für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in einer globalisierten Welt sowie über Handlungen und Ansätze zur Standort- und Arbeitsplatzsicherung. Laut Wirtschaftswissenschaftler Felbermayr brauche es in der Zukunft eine öffentlich-private Partnerschaft, die Rahmenbedingungen für lebenslanges Lernen setze sowie Forschung und Entwicklung vorantreibe. Das Land OÖ solle sich in Wien und Brüssel für eine weitere Vertiefung des europäischen Binnenmarkts und für ausgewogene, verlässliche Freihandelsabkommen mit Drittstaaten einsetzen. Für Susanek, Geschäftsführer der BMW Group Werk Steyr sind eine nachhaltige Produktion und Produkte, aber auch digitale Kompetenzen wichtig.
Sozialforscherin und Philosophin Lisa Herzog hob in ihrem Vortrag die Rolle von Arbeit, jenseits von Einkommen, für die individuelle Lebensführung und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor. „Arbeit muss aus einer ganzheitlichen gesellschaftlichen Perspektive betrachtet werden. Gute Arbeit bedeutet auch, dass die Arbeitenden Mitsprache an der Gestaltung der Arbeit haben müssen. Die Zukunft der Arbeit, gerade angesichts der Digitalisierung, muss partizipativ und demokratisch sein“, ist sie überzeugt.
„Dauerlockdown wird man langfristig nicht aushalten“
Nach diesen Impulsreferaten sprachen die Landtagsabgeordneten unter anderem über fairen Wettbewerb, Lohndumping, Wirtschaft und Klimaschutz sowie die Rückkehr zur Normalität. FPÖ-Klubobmann Herwig Mahr fordert: „Unser Standort braucht eine Rückkehr zur Normalität, natürlich mit Augenmaß und entsprechenden Begleitmaßnahmen. Einen Dauerlockdown wird man langfristig nicht aushalten. Das ist irgendwann wirtschaftlich nicht mehr verkraftbar, und vor allem finanziell nicht mehr darstellbar. Damit künftig alle wieder Arbeit haben, brauchen wir außerdem von der Bundesregierung ein echtes Konjunkturpaket, das nicht nur der Großindustrie zugutekommt, sondern vor allem die Bedürfnisse der kleinen und mittleren Unternehmen berücksichtigt“. Bei einer halben Million Menschen ohne Arbeit in Österreich müsse um jeden Arbeitsplatz gekämpft werden, sagt SPÖ-Klubvorsitzender Micheal Linder. Ein fairer Wettbewerb müsse nicht gefürchtet werden. Mit Lohndumping, schlechten Umweltstandards und Steuer-Lockangeboten dürfe man sich aber nicht messen. Dagegen müsse kompromisslos vorgegangen werden.
Laut Stanek war es Ziel der Enquete, möglichst viele Inputs für die Arbeit des Landtags zu erhalten.


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