So sollen mehr Frauen einer Erwerbsarbeit nachgehen
OÖ. 68,3 Prozent der 15- bis 64-jährigen Frauen in Österreich gingen im Vorjahr einer Erwerbsarbeit nach (Quelle: Statistik Austria). Viele von ihnen arbeiten Teilzeit. Woran das liegt und mit welchen Maßnahmen die Frauenerwerbsquote insgesamt höher werden soll, präsentierten Vertreter der Wirtschaftskammer (WK) OÖ, der Arbeiterkammer (AK) OÖ sowie Industriellenvereinigung (IV) OÖ und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes OÖ in einer Pressekonferenz am Montag, 4. Oktober.

Die Frauenerwerbsquote ist aktuell höher als noch vor zehn Jahren. Dennoch müsse berücksichtigt werden, dass diese Zunahme in erster Linie auf mehr Frauen in Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen sei und Österreich im europäischen Vergleich viele Teilzeitarbeitsarbeitskräfte habe, sagt WKOÖ Präsidentin Doris Hummer. Dabei zeigen sich unter anderem Unterschiede je nach dem Geschlecht und der Nationalität einer Person. So liegt die Frauenerwerbsquote bei Migrantinnen mit 62 Prozent unter der Gesamtquote. Bei einzelnen Gruppen liege sie laut Hummer mit rund 20 Prozent noch einmal deutlich darunter.
Motive für Teilzeitarbeit
In etwa der Hälfte der Fälle könne die Teilzeitarbeit laut Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ, auf Kinderbetreuung zurückgeführt werden. Weitere Gründe sind die Pflege von anderen Angehörigen, Ausbildungen, aber auch die hohe Arbeitsbelastung, beispielsweise in der Pflege. Manche, in erster Linie junge, Menschen würden außerdem schlicht mehr Freizeit haben wollen.
Unterbrechungen der Erwerbsarbeit und Teilzeitbeschäftigungen wirken sich nachteilig aus, sind sich die Vortragenden Hummer, Haindl-Grutsch, AK OÖ Präsident Johann Kalliauer und die stellvertretende ÖGB-Landesvorsitzende Elfriede Schober einig. So sei etwa der Karriereweg schwieriger und von weniger Aufstiegschancen gekennzeichnet. Darüber hinaus würden Qualifikationen veralten und Weiterbildung vernachlässigt werden. Nicht unterschätzt werden sollten außerdem ein geringeres Einkommen sowie eine unterdurchschnittliche Pensionshöhe.
Arbeits - und Fachkräftemangel
Würden mehr Frauen einer Erwerbsarbeit nachgehen oder mehr Wochenstunden arbeiten (z.B. Teilzeit anstelle von geringfügig oder 30 Wochenstunden anstelle von 15), wirke sich das nicht nur individuell, sondern auch auf Unternehmen aus. Aktuell lehnen Firmen Aufträge ab oder reduzieren ihre Öffnungszeiten, weil sie zu wenige Mitarbeitende haben, berichtet Hummer. „Der Mangel an Arbeitskräften ist das mit Abstand größte Problem für den Wirtschaftsstandort OÖ. Ein weiteres Wachstum wird in den nächsten Jahren nur möglich sein, wenn es uns gelingt, die vorhandenen Potentiale am Arbeitsmarkt besser auszunutzen. Frauen spielen dabei eine entscheidende Rolle, weil in ihrer Bildungs- und Berufskarriere mehrere Hindernisse vorhanden sind, die zu erheblichen Nachteilen führen können. Dies beginnt bei der Bildungs- und Berufsorientierung im Schulalter, wenn Frauen traditionelle Ausbildungswege einschlagen, die ihre Chancen am Arbeitsmarkt verringern“, führt Haindl-Grutsch aus.
Maßnahmen für höhere Frauenbeschäftigung
Da es sich um ein multidimensionales Problem handle, müsse auch an mehreren Stellen angesetzt werden. Um die Erwerbsquote von Frauen zu erhöhen, brauche es laut den Vortragenden etwa flexible Arbeitszeiten, bildungsadäquate Anstellungen, Wiedereingliederungsmaßnahmen von arbeitslosen und erwerbslosen Frauen, aber auch Bewusstseinsbildung (z.B. ein Aufbrechen von Rollenverteilung und Geschlechterklischees) und eine flächendeckende Kinderbetreuung. „Dazu gehören der Ausbau der Betreuungseinrichtungen, insbesondere in Gemeinden mit wachsender Bevölkerung, eine Ausweitung der Öffnungszeiten als auch eine wahlweise Kinderbetreuung am Unternehmensstandort oder im Wohnort. Auf steuerlicher Seite muss die Zuverdienstgrenze während der Karenz weiter erhöht werden“, sagt Hummer. Schober schlägt vor, dass es es gemeinde-, und betriebsübergreifende Kinderbetreuungsmöglichkeiten geben sollte. Zudem brauche es Planungssicherheit für Eltern. Derzeit würden diese oft erst spät erfahren, ob ihr Kind einen Platz in der angemeldeten Kinderbetreuungseinrichtung bekomme.
Weniger einig sind sich die Gesprächspartner bei den Kosten für die Betreuung oder bei Fragen nach der Arbeitszeit. Während sich Kalliauer und Schober für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung aussprechen, meint Haindl-Grutsch, dass es Anreize für mehr, nicht für weniger Arbeit brauche.
Papier soll übermittelt werden
Dazu, wie die Frauenerwerbsquote erhöht werden soll, haben Vertreter der WKOÖ, AKOÖ, der IV OÖ sowie des ÖGB OÖ auch ein Maßnahmenpapier verfasst. Dieses soll dem Landeshauptmann oder Ressortverantwortlichen übergeben werden. Der neue Landtag sollte laut ihnen generell einen Schwerpunkt auf Frauen setzen.


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