Neue Digitalisierungs-Universität: Zuschlag für den Standort Linz

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Jürgen Affenzeller Tips Redaktion Jürgen Affenzeller, 21.01.2022 15:35 Uhr

LINZ/OÖ. Seit Freitagnachmittag steht fest: Die neue Technische Universität für Digitalisierung und digitale Transformation wird in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz 2023/2024 am Standort der Johannes-Kepler-Universität ihren Betrieb aufnehmen. Im Vollausbau ein Jahr später sollen 5.000 Studierende am Campus lernen.

„Der Standort ermöglicht eine enge Kooperation mit den ebenso hier ansässigen Universitäten und Hochschulen, mit der Wirtschaft, der Industrie, NGOs und der Kunst. Auch Lehrende sowie Experten aus der Praxis aus diesen Bereichen sollen verstärkt eingebunden werden“, beschrieben Landeshauptmann Thomas Stelzer, Bundesminister Martin Polaschek und Gerhard Eschelbeck, Leiter der wissenschaftlichen Konzeptgruppe, am Freitag bei einem Pressegespräch. 

Praxisorientierte Studien

Die Arbeitssprache ist Englisch. Alle Studien sind praxisorientiert. Studierende sind vom ersten Tag ihres Studiums an in reale Projekte eingebunden. Sie erwerben die technologischen Grundkompetenzen, die sie in Folge mit Wissen aus den Bereichen Nachhaltigkeiten, Technik und Unternehmertum kombinieren. Die Absolventinnen und Absolventen der neuen TU sind bestens gerüstet, um so zu Lösungen für die globalen, gesellschaftlichen Herausforderungen beizutragen.

Grundlagen der Digitalisierung in den ersten drei Semestern

Die Universität bietet eine breiten Perspektive auf Digitalisierung und Transformation. Dafür wird ein „common core“ im Bachelorstudium entwickelt: Alle Studierenden erlernen in den ersten drei Semestern gemeinsam die Grundlagen der Digitalisierung. Darauf aufbauend erfolgt die Spezialisierung in einer der angebotenen Studienrichtungen:

  • Digital Creativity
  • Digital Entrepreneurship
  • Digital Systems
  • Digital Engineering

Der weitere Fahrplan:

  • Die neue TU Oberösterreich ist eine Universität neues Typs, die es so in Österreich noch nicht gibt. Daher braucht es eine eigene gesetzliche Grundlage. Aktuell wird am TU-Errichtungsgesetz gearbeitet, das bis zum Sommer 2022 in Kraft treten soll.
  • (Bis) Herbst 2022 erfolgt die Einrichtung eines Gründungskonvents auf Basis des TU-Errichtungsgesetzes, bestehend aus insgesamt neun Mitgliedern. Es handelt sich um das strategische Organ der neuen TU in der Gründungsphase
  • Gründung einer Errichtungsgesellschaft, die die Verwaltungsabläufe organisiert und durchführt
  • Die Universität wird 2023/24 ihren Betrieb aufnehmen, wobei 2024/25 der vollständige Studienbetrieb gestartet wird.
  • Im Vollausbau sollen 000 Studierende am Campus lernen. Die Universität spricht durch ihre Interdisziplinarität neue Zielgruppen an. Der Fokus liegt auf Internationalität, Frauen und Diversität sowohl bei den Studierenden als auch bei den Lehrenden.

7 Forschungsschwerpunkte

Die neue TU OÖ bietet sieben Forschungsschwerpunkte, die das breite Spektrum digitaler Transformation mit einem klaren Fokus auf Interdisziplinarität abdecken:

  1. Creativity
  2. Future Entrpreneurship
  3. Autonomous Systems
  4. Data
  5. Digital Sustainability Management
  6. Regulation and Digitalisation
  7. Sociotechnology and Societal Implications

Die Forschungsinfrastruktur bietet interdisziplinäre Labs. Ein Grants Office unterstützt bei der Einwerbung von Forschungsgeldern.

Pop-Up Universität und The Hub

Der zentrale, identitätsstiftende Campus wird je nach Forschungsaktivitäten von Pop-Up Außenstellen in und außerhalb von Linz flankiert, die flexibel eröffnen können. So werden die TU und ihre Aktivitäten für die Bevölkerung sichtbar. Als Drehscheibe für den Austausch mit der Bevölkerung wirkt außerdem „The Hub“ der TU OÖ. Start-ups präsentieren ihre Ideen, die Universität präsentiert ihre Innovationen.

Zudem sollen verschiedene Veranstaltungen wie Festivals oder „Get Inspired“-Events als Möglichkeit dienen, Forschung zu präsentieren und Wissenschaftsskepsis entgegen zu wirken.

Virtueller Campus

Als Ergänzung zur physischen Universität kommen zukunftsweisende Technologien für digitales Lehren und Lernen, Forschen und Arbeiten zum Einsatz.

Flache Hierarchien

Die Strukturen an der neuen TU OÖ sind flexibel und agil mit flachen Hierarchien, wenigen, aber klaren Spielregeln, schnellen Entscheidungen. Ein gänzlich neues Faculty-Modell sorgt für ein Recruiting der besten Köpfe. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, externe Expertinnen und Experten sowie Praktikerinnen und Praktiker sind zeitlich begrenzt oder in einem bestimmten Stundenausmaß für die neue TU tätig und bringen so ihre praktische Erfahrung ein. Der Fokus liegt auf der Berufung junger Wissenschaftler.

Stimmen:

Martin Polaschek, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung:

„Die TU für Digitalisierung und digitale Transformation in Oberösterreich ist eines der bedeutendsten wissenschaftspolitischen Entwicklungsprojekte der letzten Jahre in Österreich. Die neue Universität bietet die große Chance, den Zukunftsbereich der Digitalisierung gebündelt an einem Standort zu vereinen und damit Lehre wie Forschung noch weiter voranzutreiben. Für Studierende bietet die Universität die Möglichkeit technische Grundkompetenzen im Bereich der Digitalisierung zu erwerben und in weiterer Folge zu vertiefen. Die Umsetzung dieses Projekts ist ein gemeinsamer Kraftakt, der für diesen zukunftsträchtigen Bereich einen Campus für Studierende aus der ganzen Welt in Linz schafft. Insbesondere beim Land Oberösterreich, bei Landeshauptmann Stelzer und seinem Team, möchte ich mich für die gute Zusammenarbeit bedanken, und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.“

„Wir werden rund 20 Millionen Euro jährlich, steigend bis 25 Millionen Euro jährlich im Budget dafür haben. Es ist die Planungssicherheit gegeben, dass diese Universität gut starten kann.“

Thomas Stelzer, Landeshauptmann von Oberösterreich:

„Mit dem visionären Konzept, dem nun fixierten Standort in Linz und dem bald kommenden Errichtungsgesetz nimmt die Technische Universität für Digitalisierung und digitale Transformation konkrete Form an. Es werden neue Wege in Lehre und Forschung gegangen – mit Praxis vom ersten Tag an, mit interdisziplinärer und internationaler Ausrichtung, mit der wir auch die klügsten Köpfe aus aller Welt anziehen wollen.  Mit der österreichweit einzigartigen Universität wollen wir die technologische Zukunft und den digitalen Wandel aktiv mitgestalten. Als Hochtechnologieland haben wir auch beste Voraussetzungen, neue Arbeitsplätze, Gründungen sowie Betriebsansiedelungen in diesem Zukunftsbereich zu schaffen. Die Universität soll ein Leuchtturm für ganz Österreich werden, mit einer Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus.“

Gerhard Eschelbeck, Leiter der wissenschaftlichen Konzeptgruppe:

„Digitalisierung verändert wie wir leben, arbeiten und lernen. Unsere neue Technische Universität bietet eine zukunftsorientierte Ausbildung für eine digitale Welt in enger Kooperation mit Industrie und Wirtschaft. Unsere Absolventen werden digitale Prozesse für innovative Zukunftsthemen wie Mobilität, Klimaschutz und Produktion erforschen, und somit einen wesentlichen Grundstein für unsere Zukunft legen.“

Markus Achleitner, Wirtschaftslandesrat Oberösterreich:

„Wir haben uns intensiv die Frage gestellt: Wie kann aus digitalen Nutzen auch Wertschöpfung und die Schaffung von Arbeitsplätzen erzielt werden? Deshalb ist es eine absolute Jahrhundertchance für uns, die wir gemeinsam jetzt nutzen können. Auch die Einbettung in die bestehende Universitäts- und Forschungsstruktur ist richtig.“

JKU Rektor Meinhard Lukas:

„Ich habe von Anfang an vorgeschlagen, die TU OÖ am Campus der JKU zu errichten. Die Formel ‚Zwei Universitäten, ein Campus‘ hat jetzt auch die Politik überzeugt. Damit gibt es nun beste Voraussetzungen, die Synergien zwischen TU und JKU optimal zu nutzen. Man denke nur an gemeinsame Studien, universitätsübergreifende Forschung, gemeinsam genutzte Infrastruktur und einheitliche Verwaltungsstrukturen. Die beiden Universitäten werden sich – bei aller Selbstständigkeit – ideal ergänzen. Und Linz wird als Universitätsstadt noch wesentlich attraktiver.“ 

Brigitte Hütter, Rektorin der Kunstuniversität Linz:

Hütter begrüßt die Entscheidung, die neue TU am Standort Linz zu errichten. Die Landeshauptstadt habe sich zum einen mit der Johannes-Kepler-Universität (JKU), der Kunstuniversität und der Anton-Bruckner-Privatuniversität als Hochschulstandort in Österreich etablieren können. Es mache Sinn, diese Vorarbeit für die TU mit Schwerpunkt Digitalisierung zu nützen. Hütter: „Es gibt mannigfaltige Kooperationsmöglichkeiten auf inhaltlicher Ebene mit unserer Universität“. In den Abteilungen der Institute „Medien“ und „Raum & Design“ sieht sie viele offensichtliche Berührungsflächen -zum Beispiel in „Fashion & Technology“ und „Tangible Interaction Design“. Hütter weiter: „Es gibt sie aber auch in Studien wie „Interface Cultures“. Überraschende und daher umso spannendere Kooperationen könnten sich auch in Studien ergeben, deren Nähe zur Digitalisierung nicht offensichtlich ist. Hütter nennt als Beispiel die vielfältigen Ausdrucksformen der Bildenden Kunst. Wie bei allen kreativen Projekten könnten sich auch hier bottom up neue Ideen herauskristallisieren – die relative räumliche Nähe sei natürlich ein Vorteil.

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