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OÖ/LINZ. Nicht zufrieden ist die Wirtschaftskammer (WK) OÖ mit der Arbeit der Landespolitik in Sachen Energiewende. Die „Mammutaufgabe“ brauche umfassende Planung, verbindliche Zeitleisten und Offensiven bei Investitionen, so WKOÖ-Vizepräsident Clemens Malina-Altzinger. Eine von der WKOÖ in Auftrag gegebene JKU-Studie sieht etwa Potenzial für 340 Windräder in Oberösterreich.

Symbolfoto Windräder (Foto: engel.ac/stock.adobe.com)
  1 / 2   Symbolfoto Windräder (Foto: engel.ac/stock.adobe.com)

„Wir müssen vom Ziele setzen jetzt schnell ins Tun kommen und konkrete Projekte angehen“, so Malina-Altzinger. Grundlage dafür sei die von der WKOÖ in Auftrag gegebene Studie beim Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität (JKU). „So können wir zeitnah beurteilen, wie lange die Umsetzung insgesamt dauern wird und was dazu alles notwendig ist.“

Die Studie zeigt detailliert die notwendigen Produktions-, Speicher- und Netzkapazitäten in Oberösterreich bis 2040 auf. Demnach werden enorme Investitionen in den Auf- und Ausbau der Energieinfrastruktur notwendig sein.

Bis 2040 doppelter Strombedarf

Prognostiziert wird, dass sich der Strombedarf in Oberösterreich - etwa für industrielle Prozesse, Mobilität, Raumwärme - bis zum Jahr 2040 von 13,7 TWh auf etwa 26 TWh in etwa verdoppeln wird (ohne Berücksichtigung von Elektrolyse zur Erzeugung von Wasserstoff).

Dem gegenüber steht laut Studie, dass es in Oberösterreich ein zusätzliches technisches Potenzial für erneuerbare Stromerzeugung von etwa 13,1 TWh gebe (zusätzlich 7,7 TWh bei Photovoltaik, 3,4 TWh bei Windkraft, 1,0 TWh Wasserkraft und 0,9 TWh bei Biomasse).

Potenzial für 340 Windräder 

Konkret bedeutet das, dass aus technischer Sicht etwa 46 Quadratkilometer Photovoltaikflächen, rund 340 Windkraftanlagen, zwölf Kraftwerke in der Größe des Biomasse-Kraftwerks Timelkam und ein Wasserkraftwerk in der Größe des Donau-Kraftwerks Aschach zusätzlich errichtet werden könnten. Voraussetzung für eine effiziente Nutzung der Potenziale seien entsprechende Speicher- und Exportkapazitäten für Überschüsse.

„Wir müssen uns als Gesellschaft überlegen, ob wir auf einzelne erneuerbare Energieträger großteils verzichten wollen und können, und somit auch auf heimische Wertschöpfung verzichten. Es stellt sich daher gesellschaftlich die Frage, wie wir zumindest Teile davon, die bislang keinen steigenden Wachstumspfad aufweisen, zukünftig auch unter Berücksichtigung der Naturschutzaspekte realisieren können“, resümiert Robert Tichler, Geschäftsführer des Energieinstituts an der JKU.

Die Studie zeigt auch, dass ein rascher Ausbau der Energieinfrastruktur dringend nötig ist. Oberösterreich benötigt demnach Speicherkapazitäten für den innertäglichen Lastausgleich im Stromnetz von bis zu 20 GWh pro Tag und zusätzlich 860 GWh für die saisonale Stromspeicherung.

Malina-Altzinger: „Alle Möglichkeiten ausschöpfen“

Um die Energiewende bis 2040 schaffen zu können, müsse Oberösterreich als energieintensiver Produktionsstandort alle Möglichkeiten ausschöpfen, appelliert Malina-Altzinger. Entschieden abgelehnt wird daher von ihm auch das jüngste Statement des Oö. Umweltanwalts Martin Donat, wonach eine flächendeckende Windkraftnutzung in Oberösterreich ausgeschlossen sei.

Laut Donat scheiden praktisch 100 Prozent der Fläche Oberösterreichs für Windkraftnutzung aus, aufgrund der Abstandsregeln zu Wohngebieten. Laut Landesgesetz ist bei Windrädern mit mehr als 0,5 Megawatt Leistung ein Abstand von 1.000 Metern zu Siedlungsgebieten einzuhalten. Das Land müsse hier die Rahmenbedingungen ändern, so Malina-Altzinger.

24 Milliarden Investion, um Potenziale zu nutzen 

Laut JKU-Studie würden rund 24 Milliarden Euro an Investitionen für den Ausbau der erneuerbaren Strompotentiale und den Ausbau der nötigen Infrastruktur samt Speicher anfallen. Finanzielle Mittel seien mit EU-Wiederaufbaumittel und Transformationsfonds des Bundes vorhanden, so Malina-Altzinger.

WKOÖ-Direktor Gerald Silberhumer hofft, dass die Studie Anstoß gibt. „Die Ergebnisse der Studie bieten eine solide Grundlage für weitere Planungen und Maßnahmen zur Förderung der Energiewende in Oberösterreich. Wir empfehlen den zuständigen Entscheidungsträgern, diese Ergebnisse zu nutzen und in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Oberösterreich und anderen relevanten Akteuren die notwendigen Schritte einzuleiten, um eine erfolgreiche Energiewende zu verwirklichen.“

Grüne: „Klare Ansage“

Zustimmung bekommt die WK OÖ klarerweise von den Grünen: „Die Wirtschaftskammer OÖ hat verstanden. Sie betont ganz dezidiert, dass die Windkraft für die Energiewende unverzichtbar ist. Und sie nennt mit etwa 340 Windrändern bis 2040 auch eine ganz konkrete Zahl. Für die Energiewende ist alles daranzusetzen, neue umweltverträgliche Windkraftanlagen zu errichten. In meinem Verantwortungsbereich als Landesrat werde ich das selbstverständlich unterstützen. Wir werden alle Schritte setzen, um Genehmigungsverfahren rasch durchzuführen, wenn diese den Kriterien entsprechen. Den Windkraftausbau darf auch die schwarz-blaue Koalition nicht blockieren“, so der Grüne Landessprecher, Landesrat Stefan Kaineder.


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