Leichter Rückgang an Lehrlingen in Oberösterreich, österreichweit aber immer noch an erster Stelle
OÖ. Auch wenn ein leichter Rückgang bei der Lehrlings-Anzahl in Oberösterreich im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen ist, bleibt das Bundesland auch 2023 österreichweit an der Spitze. Gleichzeitig gibt es immer noch rund drei offene Ausbildungsstellen auf jeden Lehrling, 85 Prozent aller oberösterreichischen Betriebe sind bereits vom aktuellen Fachkräftemangel betroffen. Die Wirtschaftskammer Oberösterreich fordert politisches Handeln und zieht Bilanz über das Lehrlingsjahr 2023.

Im Jahr 2023 sind insgesamt 6.777 Personen in das erste Lehrjahr gestartet. Das bedeutet einen leichten Rückgang von 344 Lehrlingen im Vergleich zum Vorjahr 2022, was auf die Rezession und die Folgen des Angriffs auf die Ukraine zurückzuführen seien, so WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer.Die höchsten Rückgänge an Lehrlingen gab es in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft (minus 15,9 Prozent) sowie im Handel (minus 11 Prozent). Ein Plus von 17,2 Prozent konnte hingegen die Sparte Bank und Versicherungen verzeichnen, einen leichten Zuwachs gab es auch in der Industrie.
Interesse an „Green Jobs“
10.178 Personen traten 2023 die Lehrabschlussprüfung an, 7.964 schlossen diese positiv ab. Die Erfolgsquote stieg damit im Vergleich zum Vorjahr von 77,3 auf 78,25 Prozent. „Dies ist sowohl für die Lehrabsolventen als auch für die Betriebe höchst erfreulich, da alle Absolventen aufgrund des nach wie vor hohen Fachkräftemangels dringend benötigt werden“, so Hummer.
Bei jungen Menschen gewinnen die sogenannten „Green Jobs“ immer mehr an Bedeutung. Dazu zählen Berufe in der Herstellung von Produkten, Technologien und Dienstleistungen, die dem Wohle der Umwelt dienen. Viele Lehrberufe im Baubereich sind „Green Jobs“, etwa was die energetische Sanierung durch Dämmung, den Heizungstausch oder den Anschluss von Photovoltaik-Anlagen betrifft.
Eine Neuerung stellt das Gesetz der höheren beruflichen Bildung dar, welches am 14. Dezember 2023 im Nationalrat beschlossen wurde. Damit werden weitere berufspraktische Abschlüsse in Österreich ermöglicht. Außerdem sind Meister- und Befähigungsprüfungen für die Kandidaten künftig kostenlos.
Oberösterreich bildet 22,567 Lehrlinge aus
Mit insgesamt 22.567 Lehrlingen ist Oberösterreich im Bundesvergleich sowohl bei den Lehrlingszahlen als auch bei der Anzahl an Lehrbetrieben weiterhin an der Spitze. 20,8 Prozent aller österreichischen Lehrlinge werden in Oberösterreich in 18,6 Prozent aller österreichischen Lehrbetriebe ausgebildet.
Bereits seit 2018 gibt es seitens der Wirtschaftskammer Oberösterreich die Duale Akademie. Seit rund eineinhalb Jahren wird diese nun ausgehend von Oberösterreich in ganz Österreich angeboten. Die koordinierende Stelle wurde in der WKOÖ eingerichtet. „Eine wesentliche Erhöhung der Lehrlingsquote wird in den kommenden Jahren nicht möglich sein. Daher müssen wir neue Zielgruppen für eine duale Ausbildung gewinnen. Als Impulsgeberin für die Duale Akademie stehe ich selbst und die oberösterreichische Wirtschaft zu 100 Prozent hinter dieser maßgeschneiderten Initiative“, so Hummer. Und auch die Lehre mit Matura ist weiterhin sehr beliebt, befanden sich mit 2.836 Teilnehmern auch hier im Bundesvergleich die meisten in Oberösterreich.
Mehr Mädchen absolvieren technische Lehre
Zu den beliebtesten Lehrberufen zählen die Metalltechnik (2.807 Lehrlinge), die Elektrotechnik (1.866 Lehrlinge) sowie der Einzelhandel (1.851). Auf Platz vier findet sich die Kraftfahrzeugtechnik, gefolgt von der Ausbildung zum Bürokaufmann oder zur Bürokauffrau.
Die meisten weiblichen Lehrlinge sind in der Ausbildung im Einzelhandel zu finden, gefolgt von der Bürokauffrau und der Friseurin. Rund 16 Prozent der weiblichen Lehrlinge werden aber auch in technischen Berufen ausgebildet, was einem Plus von sechs Prozent im Vergleich zu 2022 entspricht. Männliche Lehrlinge absolvieren am häufigsten eine Ausbildung in der Metalltechnik, in der Elektrotechnik oder in der Kraftfahrzeugtechnik.
Im Oberösterreich-Vergleich ist die Hauptstadt Linz Spitzenreiter, was die Ausbildung von Lehrlingen betrifft, hier gibt es 4.197 Lehrlinge (18,6 Prozent). In Vöcklabruck waren es 2023 2.091 Lehrlinge (9,3 Prozent) und in Bezirk Linz-Land 1.932 Lehrlinge (8,6 Prozent).
Volljährige aus Drittstarten ausbilden
„Wir sind nicht zufällig Anbieter Nummer Eins, wenn es um die Ausbildung geht“, betont die WKOÖ-Präsidentin und weist auf die finanzielle Unterstützung hin, die für Lehrlinge aber auch für deren Ausbilder geboten wird. Für jeden oberösterreichischen Lehrling werden jährlich durchschnittlich 297,07 Euro in die Aus- und Weiterbildung außerhalb des Betriebes investiert, der Österreich-Schnitt liegt bei 221,51 Euro.
Rund 85 Prozent aller oberösterreichischen Betriebe sind bereits vom aktuellen Fachkräftemangel betroffen. Gut ausgebildete Fachkräfte seien daher das A und O, um die bevorstehenden Herausforderungen zu meistern. Durchschnittlich 1.878 offene Lehrstellen bei durchschnittlich 590 Lehrstellensuchenden gab es im Jahr 2023.
Die WKOÖ fordert daher von der Politik die Rot-Weiß-Rot-Card für jene, die sich in einer dualen Ausbildung in Österreich befinden und, dass auch die Beschäftigung volljähriger Lehrlinge aus Drittstaaten mit einer Kontingentlösung ermöglicht wird.


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