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Anreize für MINT-Fächer und längeres Arbeiten: Masterplan für Industriestandort OÖ ausgearbeitet

Tips Logo Marlis Schlatte, 21.05.2024 17:37

OÖ. Die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) warnt vor der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit Europas und Österreichs. Dabei sei das Industrieland Oberösterreich besonders stark betroffen. Es benötige ein Reparaturpaket für Österreich, so Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner. Einen Masterplan für Oberösterreich wurde im Rahmen der Standortdialog-Tour nun ausgearbeitet.

V.l.: Präsident der Industriellenvereinigung OÖ Stefan Pierer, Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Joachim Haindl-Grutsch (Foto: IV OÖ/Roland Pelzl)
V.l.: Präsident der Industriellenvereinigung OÖ Stefan Pierer, Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Joachim Haindl-Grutsch (Foto: IV OÖ/Roland Pelzl)

Waren in den vergangenen Jahren die USA und Europa führend in der Weltwirtschaft, holen nun China und Indien immer weiter auf. Indem schon in der Vergangenheit von Oberösterreich aus in die ganze Welt exportiert wurde, konnte auch der Wohlstand ausgebaut werden, so Präsident der IV OÖ, Stefan Pierer, der nun jedoch ein düstereres Bild zeichnet: „Dieses Erfolgsmodell hängt gerade an einem seidenen Faden. Während sich die USA in den letzten Jahren militärisch, energiepolitisch und digital stark und unabhängig aufgestellt haben und den Anteil am Welt-BIP halten können, fällt Europa immer stärker zurück. Innerhalb Europas verliert Österreich durch die stark steigenden Personalkosten in Verbindung mit einer seit Jahren laufenden schleichenden Arbeitszeitverkürzung dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit.“

Er kritisiert die Forderungen zur 32-Stunden-Woche und die Ablehnung des Vorschlags der Industriellenvereinigung, eine 41-Stunde-Woche in Betracht zu ziehen. Das eigentliche Problem habe man nämlich im Angestellten-Bereich. Ein Angestellter in China würde 50 Prozent mehr arbeiten als in Österreich und gleichzeitig weniger kosten, so Pierer. Das müsse sich in Europa radikal ändern, denn in der Abwanderung sei man bereits mittendrin. Der Präsident der Industriellenvereinigung OÖ fordert ein Standort-Reparaturpaket für Österreich.

OÖ müsse auf bleiben hoher Position bleiben

Der globale Export sei die Lebensader des Landes Oberösterreich, so die Vertreter der IV OÖ. Aktuelle Zahlen würden die Dominanz der heimischen Industrie belegen: 440.000 Mitarbeiter sind in Oberösterreich in der Industrie und in industrienahen Dienstleistungsunternehmen beschäftigt. 27 Prozent der Bruttowertschöpfung und der Beschäftigten in der Sachgüterindustrie Österreichs stammen aus Oberösterreich.„Im Ranking des Regional Competitiveness Index lag Oberösterreich 2023 erstmals unter den zwanzig besten Industrieregionen der EU und war einer der Spitzenaufsteiger“, betont der Geschäftsführer der IV OÖ, Joachim Haindl-Grutsch.

Man müsse mit ausgeglichenen Budgets, Steigerung der Anzahl von MINT-Absolventen, bessere Nutzung der vorhandenen Potenziale am Arbeitsmarkt, den Abbau von Bürokratie und Überregulierung sowie Effizienzsteigerungen durch Digitalisierung dafür sorgen, dass Oberösterreich auf seiner Spitzenposition bleibt. Denn eine andere Zeit sei angebrochen, eine Phase die um einiges volatiler ist.

Gemeinsam mit Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner führte die IV OÖ in den vergangenen Monaten einen Standortdialog mit Vertretern der Industrie Oberösterreichs durch. Dabei wurden im Rahmen von vier Veranstaltungen mit mehr als 100 teilnehmenden Betrieben gesprochen.

Leistung als Grund-DNA

„Oberösterreichs Unternehmen und insbesondere die Industrie haben gezeigt, dass sie die Krisen als Chancen nützen. Aber es braucht nun eine Neuausrichtung der Standortpolitik, um das Zukunftsbild Oberösterreichs als nachhaltiger Industriestandort, getragen von innovativen Ideen und leistungsbereiten Menschen, konkret umzusetzen“, so Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner (VP).

Im Rahmen der Standortdialog-Tour wurde gemeinsam mit der IV OÖ ein Masterplan mit dem Titel „Fit for Future“ für den Industrie-Standort Oberösterreich erstellt, welcher zum Abschluss der Tour am 28. Mai in der voestalpine-Stahlwelt in Linz präsentiert wird. Dieser beinhaltet drei Bereiche: Bildung und Menschen, Internationalisierung und EU sowie Standort und Infrastruktur. Leistung solle wieder Grund-DNA werden und Transformationen als Turbo Oberösterreichs sein, heißt es darin etwa. Außerdem sollen Anreize für mehr und längeres Arbeiten gegeben sowie qualifizierter Zuzug gefördert werden. In der Schule soll die Begeisterung von MINT-Fächern geweckt und das internationale Schulangebot ausgebaut werden.

„Wir werden diese Maßnahmen im Rahmen der jeweiligen Zuständigkeit auf Landesebene selbst umsetzen sowie auf Bundesebene und in Brüssel vehement einfordern“, unterstreicht Landesrat Achleitner. Der Masterplan soll laufend weiterentwickelt und an die aktuellen Herausforderungen angepasst werden.

„EU ist unverzichtbar“

Zudem betonen Achleitner, Pierer und Haindl-Grutsch einstimmig: Die Europäische Union sei als Garant für Wohlstand und Frieden unverzichtbar, allerdings müsse die EU-Förderpolitik neu ausgerichtet und Fehlerentwicklungen korrigiert werden. Die Vertreter appellieren, am 9. Juni wählen zu gehen - es sei eine der wichtigsten Wahlen für Österreich.

„Bei aller berechtigter Kritik und dem bestehenden Reformbedarf muss die EU als Friedens- und Wohlstands-Union außer Frage stehen. Um die EU positiv weiterentwickeln zu können, müssen wir sie auch stärken, insbesondere auch durch eine hohe Beteiligung an der Wahl zum Europäischen Parlament am 9. Juni“, unterstreicht Achleitner.


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