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Kinder- und Jugendhilfe OÖ: "Jeder, der sich Sorgen um ein Kind macht, darf und soll sich melden"

Tips Logo Marlis Schlatte, 24.05.2024 12:30

OÖ. Die Kinder- und Jugendhilfe Oberösterreich berät und unterstützt Familien, die Hilfe brauchen und greift ein, wenn ein Kind in Gefahr ist. Im Jahr 2023 wurden 6.112 Meldungen zu gefährdeten Kinder abgeklärt. Dabei müsse von Fall zu Fall ganz unterschiedlich agiert werden, erklärt Theresia Schlöglmann, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe.

V.l.: Theresia Schlöglmann (Leiterin Abteilung Kinder- und Jugendhilfe) und Landesrat Michael Lindner (Foto: Land OÖ/Denise Stinglmayr)
V.l.: Theresia Schlöglmann (Leiterin Abteilung Kinder- und Jugendhilfe) und Landesrat Michael Lindner (Foto: Land OÖ/Denise Stinglmayr)

Die Kinder- und Jugendhilfe vertritt den Anspruch, ein sicherer Hafen für junge Menschen zu sein und ihre Interessen zu vertreten. „Die Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe ist es, Kinder und Familien, die Hilfe brauchen, ein Stück zu begleiten, beratend zur Seite zu stehen und in Notfällen einzugreifen. Egal ob in der eigenen Familie, bei Pflegeeltern oder in sozialpädagogischen WGs – die Botschaft der KJH ist klar: Wir sind für alle Kinder und Jugendlichen da!“, fasst Landesrat Michael Lindner (SP) zusammen.

2023 wurden 9.024 Beratungen in den oberösterreichischen Kinderschutzzentren in Anspruch genommen. Dort wird kostenlose und anonyme Beratung und Psychotherapie für Kinder und Jugendliche bei Krisensituationen in Familien, Gewalt und Fällen von Missbrauch oder Vernachlässigung angeboten.

Mobile Hilfe und Streetwork

Die Erziehungs- und Familienberatungsangebote wurden aufgrund des hohen Bedarfs ausgeweitet. Die Zahl der Beratungsstellen etwa stieg in den letzten zwei Jahren von sieben auf neun. Besonders das neu eingeführte mobile Familiencoaching habe dazu beigetragen, dass sich die Zahl der Beratungen in den letzten fünf Jahren von 1.170 auf 2.338 verdoppelt hat. Das mobile Familiencoaching startete 2022 in den Innviertler Bezirken Braunau, Ried und Schärding und ist ein präventives, freiwilliges und kostenloses Angebot für Eltern sowie Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre. Mittlerweile wird es in 11 Bezirken angeboten und unterstützt bei verschiedenen familiären Herausforderungen. Die Coaches sind erfahrene sozialpädagogische Fachkräfte, die eng mit der Kinder- und Jugendhilfe zusammenarbeiten.

Außerdem gibt es das Angebot der Streetworker, welche Jugendliche, die sich überwiegend im öffentlichen Raum aufhalten, beraten und unterstützen. Streetwork wurde im Jahr 2023 von 12- bis 25-Jährigen 3.879 Mal in Anspruch genommen. 

1.545 Kinder wurden außerhalb der Familie betreut

Wer sich Sorgen um das Wohl eines Kindes macht, kann sich an die Kinder- und Jugendhilfe wenden. „Jeder, der sich Sorgen um ein Kind macht, darf und soll sich melden. Das heißt nicht, dass ein Kind gleich der Familie weggenommen wird. Und gleichzeitig ist es auch keine Schande, sich als Familie selbst Hilfe zu holen“, betont Theresia Schlöglmann, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe OÖ, die Wichtigkeit einer Meldung, wenn Verdacht besteht.

Im Jahr 2023 wurden 6.112 Gefährdungsmitteilungen geprüft. Bei zwei Dritteln der Familien war keine weitere Hilfe nötig oder sie wurden an andere Stellen verwiesen. 14 Prozent der Familien nahmen Hilfe in belastenden Situationen an.Bei knapp einem Fünftel der Meldungen wurde eine Kindeswohlgefährdung festgestellt, wobei fast 90 Prozent dieser Familien mobil durch sozialpädagogische Fachkräfte unterstützt wurden.

In 2,4 Prozent der Fälle musste für die Kinder oder Jugendlichen (vorübergehend) ein Betreuungsplatz außerhalb der Familie gesucht werden, beispielsweise bei anderen Familienangehörigen, bei einer Pflegefamilie oder in einer Wohngruppe.

Im Rahmen einer vollen Erziehung außerhalb der Familie wurden 2023 1.545 Kinder betreut. Dabei wurden 42 Prozent in Pflegefamilien und 58 Prozent in sozialpädagogischen Einrichtungen untergebracht. Die Zahl der vollen Erziehungen sei in den vergangenen fünf Jahren gesunken, was unter anderem auf verstärkte Präventionsarbeit und frühzeitigere Unterstützung der Familien in OÖ zurückzuführen wäre, erklärt Schlöglmann.

Deswegen wolle die Kinder- und Jugendhilfe auch weiterhin vor allem auf Präventionsarbeit innerhalb der Familien setzen.

Weitere Unterstützung nach dem 18. Geburtstag

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben einen Rechtsanspruch auf Erziehungshilfe, die bis zum 21. Lebensjahr fortgeführt werden kann. In den letzten fünf Jahren sind die Unterstützungen für junge Erwachsene um 6,5 Prozent zurückgegangen, ähnlich wie bei Minderjährigen (-6,6 Prozent), und haben sich vermehrt auf ambulante Hilfen verlagert (von 29,6 Prozent im Jahr 2019 auf 39 Prozent im Jahr 2023).

Die Novelle des Oö. KJHG zielt darauf ab, die Unterstützung für junge Erwachsene zu verbessern, indem Anlaufstellen für Beratungsthemen optimiert und eine stärkere Begleitung in die Selbstständigkeit gewährleistet werden. Rechtlich soll von der bisherigen Praxis abgegangen werden, wonach eine weiterführende Hilfe für junge Erwachsene nur dann möglich ist, wenn die Erziehungshilfe am Tag des 18. Geburtstags aufrecht ist. „Genauso wie viele Eltern ihre Kinder nach ihrem 18. Geburtstag unterstützen, arbeiten wir gerade daran, die Unterstützung und Begleitung sogenannter Care-Leaver weiter zu verbessern“, so LR Lindner.

Kinder- und Jugendhilfe sichert Unterhalt für knapp 20.000 Kinder

In vielen Fällen zahlt der getrenntlebende Elternteil den Unterhalt nicht regelmäßig oder in der vereinbarten Höhe. Die Kinder- und Jugendhilfe unterstützt auch hierbei und vertritt aktuell 19.341 Kinder und Jugendliche in Oberösterreich. Sie bietet den unterhaltspflichtigen Elternteilen an, Vereinbarungen über die Höhe des Unterhalts und Ratenzahlungen für Rückstände abzuschließen (10.942 Vertretungen). Wenn keine Vereinbarung zustande kommt oder nicht gezahlt wird, stellt die Kinder- und Jugendhilfe Gerichtsanträge. In 8.399 Fällen wurde ein Unterhaltsvorschuss per Gerichtsbeschluss gewährt, den der Bund auszahlt und von den Unterhaltsschuldnern zurückfordert. Insgesamt wurden 18,5 Mio. Euro vorgestreckt, um den Lebensunterhalt der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu sichern.

Die Kinder- und Jugendhilfe bietet in schwierigen und belastenden Situationen unverzichtbare Unterstützung, indem sie Kinder, Jugendliche und Familien schützt, stützt und ermächtigt. Landesrat Michael Lindner betont, dass der Kinderschutz und die Wahrung der Kinderrechte oberste Priorität haben und die Kinder- und Jugendhilfe in Oberösterreich weiter gestärkt werden soll, besonders im präventiven Bereich. „Es ist aber nicht die Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe, alle gesellschaftlichen Entwicklungen alleine zu bewältigen“, betont Landesrat Lindner. „Es braucht eine noch bessere Zusammenarbeit mit allen relevanten Systemen – wie etwa der Schule, Vereinen oder der Medizin. Nur so können wir den bestmöglichen Kinderschutz und ein sicheres Aufwachsen der nächsten Generationen gemeinsam sicherstellen“, so Lindner.

Zukünftig sollen präventive Maßnahmen weiter gestärkt und sichergestellt werden, dass möglichst viele Familien von den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe profitieren. Zudem hat Lindner die Ausarbeitung einer abgestimmten Bedarfs- und Entwicklungsplanung in Auftrag gegeben.


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